Formel1

Skepsis wegen "neuer Disziplin" Vettel nennt Pole für Sprint-Sieger "falsch"

In Silverstone gibt es die kleine Formel-1-Revolution: Erstmals wird die Pole Position für das Rennen am Sonntag als Sprint-Rennen ausgetragen. Die Motorsport-Königsklasse verkauft dies als "innovativ" und actionreich. Die Fahrer zweifeln oder äußern - wie Sebastian Vettel - deutliche Kritik.

"Neu", "innovativ", "mehr Action auf der Strecke" - die Formel 1 hat sich wirklich alle Mühe gegeben, Vorfreude auf dieses irgendwie ja historische Wochenende in Silverstone zu schüren. Erstmals in der Geschichte der Königsklasse entscheidet ein Sprint-Rennen über die Startaufstellung, auf 100 Kilometern kämpfen die Piloten am Samstag (17.30 Uhr/Sky und im ntv.de-Liveticker) um die Pole Position.

Blöd nur, dass die Fahrer bislang nicht so recht einstimmen wollen in dieses Loblied. Das gilt besonders für den Wortführer. Er habe nicht die größten Hoffnungen, sagt Lewis Hamilton, "wahrscheinlich wird es eine Prozession. Vielleicht gibt es ein paar Überholmanöver, aber es wird eher nicht besonders spannend sein." Für den Rekordweltmeister ist das, was bei seinem Heimrennen passieren wird, vorerst nicht mehr als ein Experiment: Insgesamt dreimal soll es in diesem Jahr durchgeführt werden, auch in Monza und bei einem der Übersee-Rennen sind Sprint-Qualifyings geplant. Danach wird analysiert, ob das Format zukunftstauglich ist.

Geht es nach Sebastian Vettel bleibt es bei dem Versuch. Die "neue Disziplin" sagt dem Aston-Martin-Piloten nicht zu. Er mokiert sich insbesondere daran, dass der Pole-Mann für den Sonntag ermittelt wird: "Ich denke, das ist falsch." Die Pole Position sollte an den Fahrer gehen, der in der Qualifikation die schnellste Runde fährt. "Es wird allmählich etwas verwirrend", so Vettel. "Wenn es eine einmalige Sache ist, richtet es nicht viel Schaden an."

Rennwochenende völlig umgebaut

Das Rennwochenende wird dafür erheblich umgebaut. Nur ein freies Training gibt es zum Auftakt, die zweite Freitags-Session ist bereits ein erstes Qualifying: Im gewohnten Format mit Q1, Q2, und Q3 geht es in drei Abschnitten um die Startaufstellung für den Sprint. Am Samstag steigt dann ein weiteres freies Training, anschließend folgt das Quali-Rennen.

Ein Drittel der Grand-Prix-Distanz ist zu absolvieren, in Silverstone sind das 17 Runden, und nach etwa einer halben Stunde soll dann die Startaufstellung für den Großen Preis von Großbritannien am Sonntag (16 Uhr/Sky und im ntv.de-Liveticker) stehen. Aus Sicht der Formel 1 überwiegen bei diesem Ansatz die Chancen.

Dient der Freitag sonst einzig der Vorbereitung, sollen nun Wettkampf-Sessions an allen drei Tagen das Wochenende aufwerten. Zudem sind die Regelhüter zuversichtlich, die Basis für 30 Minuten harten Rennsport gelegt zu haben. Während im Grand Prix etwa der Reifenverschleiß oftmals zu einer Lauertaktik führt, soll es im Sprint Vollgas über die gesamte Distanz geben.

Riesige Fallhöhe

Diese Chance, so der Gedanke, gibt es nicht mehr oft im modernen Motorsport. Und wer ein echter Rennfahrer ist, müsse das doch wertschätzen: "Die würden auch Rennen mit einem Einkaufswagen im Supermarkt fahren", sagt Formel-1-Sportdirektor Ross Brawn, "es liegt in ihrer Natur, sich gegenseitig zu schlagen."

Zum Problem für dieses ja durchaus vielversprechende Format könnte aber die Fallhöhe werden: Wer im Sprint zu viel riskiert, könnte ausscheiden oder weit zurückfallen - und sich damit gleich auch den Grand Prix ruinieren. "Wenn sich im Rennen Möglichkeiten bieten, wird man die ergreifen", sagt Vettel, "aber das Wichtigste wird sein, dass man das Rennen beendet. Sonst startet man am Sonntag von ganz hinten."

Wenig euphorisch ist auch WM-Spitzenreiter Max Verstappen, "weder dafür noch dagegen" sei er, sagte der Red-Bull-Star: "Aber natürlich will ich auch dieses Rennen gewinnen. Es gibt ja drei Punkte dafür." Der Zweite des Sprints bekommt zwei Zähler gutgeschrieben, der Dritte noch einen. Und auch Vettel findet noch etwas Positives: "Etwas Neues kann immer aufregend sein", meint der viermalige Weltmeister. Dass nur noch zwei jeweils einstündige Trainings bleiben, findet er eher gut. "Am Ende mag ich es, weil man weniger in der Garage abhängt und mehr auf der Strecke ist", sagte Vettel.

Der Samstag in Silverstone wird nun erste Antworten bringen. Auch wenn das Format am Ende überzeugt, wird es das normale Qualifying aber wohl nie komplett ersetzen. "In Monaco zum Beispiel wäre es wohl kein Erfolg", sagt Brawn: "Wir wollen die Sprint-Rennen eher als besondere Events über den Kalender verteilen."

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa

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