Formel1

Eine Option, die keine ist Was Alonsos Rückkehr für Vettel bedeutet

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Schicksalsdreieck? Hülkenberg, Vettel und Alonso.

(Foto: imago/HochZwei)

Mit der Rückkehr von Fernando Alonso zu Renault schließt sich eine weitere Tür für Sebastian Vettel. Der einzige verbliebene deutsche Formel-1-Pilot steht für 2021 weiter ohne Cockpit da. Ihm droht ein ähnliches Schicksal wie Nico Hülkenberg.

Wenn seine Karriere als Formel-1-Pilot am Ende dieses Jahres tatsächlich endet, könnte Sebastian Vettel immer noch als Hellseher arbeiten. Als Fernando Alonso 2018 seinen Rückzug aus der Königsklasse vollzog, schickten ihm seine Fahrerkollegen zum Abschied ein paar liebe Worte. Viel Erfolg für die Zukunft, bleib gesund, danke für die schöne Zeit, was man eben so sagt. Vettel dagegen schien schon zu ahnen, dass der spanische Ausnahmepilot nicht für immer abtreten würde: "Mach's gut, Fernando" und: "Wir sehen uns, wenn du wieder zurückkommst". Dazu blitzte das schelmische Grinsen auf, mit dem Vettel einst die Formel 1 erobert hatte.

Dass sich die beiden Weltmeister allerdings noch einmal auf der Rennstrecke begegnen, ist derzeit unwahrscheinlich. Während Alonso nach dann zwei Jahren Formel-1-Pause ab 2021 wieder für Renault ins Auto steigt, steht Vettel nach 13 Saisons für Toro Rosso, Red Bull und Ferrari vor dem Aus. Denn Renault galt vielen als letzte Chance des vierfachen Weltmeisters, überhaupt noch ein Cockpit für die neue Saison zu bekommen.

Das französische Mittelfeldteam galt zwar ohnehin als wenig attraktiv für den Deutschen, der gerne weiter um Podiumsplätze, Siege und WM-Titel fahren würde. Aber zumindest war dort noch eine Stelle offen, wenn auch mit einem völlig anderen Anforderungsprofil.

Renault fährt seinen Ansprüchen hinterher

Bei Ferrari ging es darum, den letzten Schritt zu machen, vom Verfolger zum Verfolgten zu werden. Das ist in den vergangenen fünf Jahren nicht gelungen, zu stark war Mercedes, zu konstant war vor allem Lewis Hamilton. Und schon das Auftaktrennen in Spielberg reichte aus, um festzustellen, dass sich daran auch im sechsten Jahr der Zusammenarbeit zwischen Vettel und Ferrari nichts ändern wird.

Der SF1000 "ist eine Fehlkonstruktion", konstatierte RTL/ntv-Reporter Felix Görner bereits nach dem Qualifying, das Charles Leclerc als Siebter und Vettel als Elfter abgeschlossen hatten. Zwar fuhr Leclerc von dort noch bis auf Rang zwei nach vorn, das war aber eher dem chaotischen Rennverlauf mit drei Safety-Car-Phasen und zahlreichen Ausfällen geschuldet als dem Leistungsstand des Autos.

Renault dagegen kämpft seit seiner Rückkehr 2016 darum, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. "Unser Ziel ist es, zu siegen", verkündete der damalige Konzernchef Carlos Ghosn, als aus Lotus F1 wieder Renault F1 wurde. Zu mehr als einem vierten Platz für Daniel Ricciardo in Monza in der Saison 2019 reichte es bisher nicht, in der Konstrukteurswertung war Renault im Vorjahr hinter Mercedes, Ferrari, Red Bull und McLaren nur die fünfte Kraft.

Für das Jahr 2020 erwartet Renault angesichts der finanziellen angestrengten Situation durch die Corona-Pandemie keine signifikante Verbesserung. Die eigentlich für 2021 geplante Regel-Revolution ist auf 2022 verschoben - erst dann ist frühestens damit zu rechnen, dass neue Kräfte in die Spitze der Formel 1 vordringen können. Das zumindest ist die Hoffnung hinter dem neuen Kostendeckel und dem vereinfachten technischen Reglement. Statt dem Budget soll dadurch wieder häufiger die Performance der Fahrer und Strategen über den Rennausgang entscheiden.

Viel Lob, aber kein Angebot

Offenbar traut Renault eher Alonso als Vettel zu, in der Zwischenzeit die Entwicklung positiv zu beeinflussen. Der Spanier, der Ende Juli seinen 39. Geburtstag feiert, soll dann eine ähnliche Rolle spielen wie Michael Schumacher sie ab 2010 bei Mercedes einnahm. Der Rekordweltmeister galt Zeit seiner Karriere als akribischer Arbeiter und Antreiber. Mercedes überzeugte Schumacher vier Jahre nach seinem Ferrari-Rücktritt zum Comeback, der heute 51-Jährige gilt als Wegbereiter der Silberpfeil-Dominanz, die mit Beginn der Hybrid-Ära 2014 einsetzte.

Für Vettel dagegen stehen die Zeichen langsam, aber sicher auf Abschied. Mercedes kündigte an, weiter auf Hamilton und Valtteri Bottas zu setzen. Ex-Arbeitgeber Red Bull schickte zwar viele freundliche Worte in die Welt, aber kein Vertragsangebot. McLaren, das 2021 von Renault- zu Mercedes-Motoren wechselt, setzt auf Daniel Ricciardo als Nachfolger des zu Ferrari abwandernden Carlos Sainz. Und Renault eben auf Alonso.

Damit bliebe nach den ersten Eindrücken dieser Saison einzig Racing Point, wenn Vettel an seinem Anspruch festhält, vorne mitmischen zu können. In Spielberg zeigten die Briten, dass ihr Auto nicht nur aussieht wie der 2019-er-Mercedes, sondern auch über dessen Speed verfügt. Allerdings gelten die Verträge von Sergio Perez und Lance Stroll auch für die kommende Saison und Teamchef Otmar Szafnauer bekundete im Zuge der ersten Vettel-Gerüchte bereits: "Wir sind wirklich glücklich mit unseren Piloten, die gut zusammenarbeiten." Doch zur neuen Saison steht ein Umbruch beim britischen Rennstall an, der künftig als Aston Martin auftritt und bereits verkündete, sich dauerhaft als Top-Team etablieren wollen. Die Verpflichtung eines vierfachen Weltmeisters würde diesen Anspruch eindrucksvoll untermauern.

Sehr wahrscheinlich ist diese Variante jedoch nicht. Es scheint viel mehr so, als ereile Sebastian Vettel nun ein ähnliches Schicksal wie Nico Hülkenberg im vergangenen Jahr. Beide erhielten viel Lob und Anerkennung für ihre Leistungen, gelten als starke Fahrer - und doch findet sich niemand, der sie verpflichtet. Hülkenberg hält sich ein Comeback offen, Vettel schien das gegenüber RTL/ntv eher auszuschließen. Da nämlich hatte er gesagt: Wer eine Tür schließe, solle auch dafür bereit sein, dass sich diese nie wieder öffnet.

Quelle: ntv.de