Fußball-EM

Subtiles Statement gegen UEFA Ein pfiffiger Protest vom "bunten" Hummels

Die deutsche Nationalmannschaft kämpft im letzten Vorrundenspiel am Abend gegen Ungarn um den Einzug in das Achtelfinale der EM. Manuel Neuer wird wieder die Regenbogen-Binde tragen, das Stadion aber nicht bunt leuchten. Wegen der UEFA. Mats Hummels zeigt, wie er das findet.

Mats Hummels kam im bunten T-Shirt. Das ist ungewöhnlich. Nicht unbedingt für den Abwehrspieler des BVB. Der hat bereits häufiger nachgewiesen, dass er Mut zur ausgefallenen Mode hat. Nein, ungewöhnlich war das bunte Oberteil, das er bei der Medienrunde der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor dem Gruppenfinale gegen Ungarn am Dienstagabend trug, aus einem anderen Grund: Die Spieler erscheinen dort normalerweise in sportlicher Dienstkleidung. Die ist beim DFB meist weiß, grau oder schwarz. Manchmal grün. Selten rot. Aber niemals gelb, lila oder blau.

Nun war dieses T-Shirt auf knallbunt. Und natürlich von Sponsor Adidas, nicht das auch da noch Ärger droht. Der Aufdruck: "Love unites" (Liebe verbindet). Aber es war kein Regenbogen, das hätte Ärger gegeben. Die UEFA, die am Dienstag der Stadt München untersagt hatte, das Stadion während des EM-Spiels der Nationalmannschaft gegen Ungarn als einen Regenbogen leuchten zu lassen, mag es nicht, wenn man politische Statements setzt. Da müsste man ja Haltung zeigen. Gegenprotest aushalten. Nun kann man natürlich diskutieren, ob ein eigentlich so selbstverständliches Zeichen für Vielfalt und Toleranz sowie gegen Hass und Ausgrenzung wirklich so politisch ist, dass sich diese Debatte zur kontinentalen Angelegenheit auswachsen musste. Die Antwort ist leider: Ja, dieses Zeichen ist es. Weil es eben als klares, starkes Zeichen gegen die ungarische Politik gesetzt werden sollte.

Regenbogen ist überall: Das ist ein Erfolg

Also gegen die Politik des Landes, in dem Ministerpräsident Viktor Orbán, der seine Reise zum EM-Spiel nach München abgesagt haben soll (Grüße an die fragwürdigen Freunde der UEFA), eine homofeindliche Politik betreibt. Untermauert gerade erst durch ein Gesetz, das Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Informationen zur Homosexualität erschweren soll, ihn (den Zugang) fast unmöglich macht. War das nun Absicht von Hummels? Klar, oder? Man kann sich das Gegenteil angesichts der Diskussionen und der Wut auf die UEFA eigentlich nicht vorstellen. Also, Herr Hummels? Keine Antwort, auch auf Nachfrage nicht. Hummels, das ist schon ein cleverer Typ. Dass der bei Statements sonst so vorsichtige und wachsame DFB das Shirt duldete (es vielleicht sogar gut fand?), auch ein Indiz für Absicht.

"Ich bin absoluter Freund davon, wenn man Botschaften dieser Art in die Welt sendet", sagte Hummels. Er sei "Freund solcher Gesten". Er hätte sich, betonte er, über das Zeichen gefreut. Er sagte das so unverdächtig, dass ihm nun keine Ermittlungen drohen werden. Wobei man sich ja manchmal wirklich wundert, wegen welcher Nichtigkeiten, die UEFA ihre Juristen in die Spur schickt. Regenbogen-Binde von Kapitän Manuel Neuer ist das Stichwort. Der übrigens wird erneut mit dem bunten Band auflaufen. Die UEFA hat das gestattet. Tolle UEFA!

Hummels nannte es derweil einen "Erfolg", dass die DFB-Auswahl und die Stadt München das Thema überhaupt aufgebracht hätten - auch vor dem Hintergrund des ersten Coming-outs in der Football-Liga NFL durch den noch aktiven Carl Nassib. "Das ist eine Sache, die längst überfällig ist und ganz normal, dass das auch im Sportteil ankommt. Auch kleine Zeichen sind da ein richtiger Schritt in die richtige Richtung", sagte er.

Es soll nicht wie 2018 werden

Gleichzeitig machte Bundestrainer Joachim Löw, der ebenfalls an der Medienrunde teilnahm, klar, dass es für ihn "bei aller Wichtigkeit von Symbolen" noch wichtiger sei, dass die durch die Regenbogenflagge dargestellten Werte für Vielfalt, freie sexuelle Orientierung und Menschenwürde "auch gelebt werden". Dies sei im DFB-Team der Fall, betonte Löw. Für den könnte das Spiel gegen Ungarn (ab 21 Uhr im Liveticker bei ntv.de) übrigens ein ganz besonderes sein. Wie jedes andere, das nun noch kommt. Denn ab heute gilt: Jedes Spiel könnte das letzte in seiner 17-jährigen Zeit als Trainer des DFB sein. Zwei als Co von Jürgen Klinsmann, die restlichen 15 als Chef.

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Verliert die DFB-Elf gegen Ungarn und holt Portugal mindestens einen Punkt, wäre es vorbei. Und das auf unrühmlichste Weise. "Ich habe ein deutlich positiveres Gefühl, als es 2018 der Fall war", zog Mats Hummels einen Vergleich zum WM-Debakel vor drei Jahren. Da war nach der Vorrunde Schluss. Auch für Hummels hatte das Desaster ja verspätete Konsequenzen. Löw strich ihn wenig später aus dem Kader, ebenso wie Thomas Müller. Beide sind nun zurück, aber Müller muss um seinen Einsatz gegen die Ungarn zittern. Die deutschen Mediziner versuchen alles. Die "Bild"-Zeitung schreibt: vergeblich.

Und was passiert mit Hummels, wenn Löws Zeit vorbei ist? Die Weltmeisterschaft in Katar 2022 und die Heim-Europameisterschaft 2024 würden ihn "definitiv" reizen, sagte der Abwehrspieler der "Sport Bild". Katar, übrigens auch ein gutes Thema und ein guter Ort für "bunte" Proteste ...

Quelle: ntv.de

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