Fußball-EM

War er wirklich zwei Jahre weg? Hummels, der eloquente DFB-Alleskämpfer

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Zurück und schon wieder unverzichtbar.

(Foto: dpa)

Mats Hummels ist nach mehr als zwei Jahren zurück bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Es wirkt, als sei er nie weg gewesen. Der BVB-Verteidiger ist präsent, auf und abseits des Platzes, mit seinem Spiel und seinen Worten. Für den 32-Jährigen erfüllt sich im Trainingslager ein Traum.

Voller Einsatz, immer. Ob im Training beim Grätschen und Passen, ob nach dem Training, wenn er völlig allürenfrei beim Aufräumen hilft. Ob er Kommandos auf dem Platz gibt, oder bei der Pressekonferenz von Thomas Müller, die er crasht und beendet, weil der doch dringend zu einem weiteren Termin muss - Mittagessen steht an.

Mats Hummels ist zurück im DFB-Team. Zurück zwar nach einer gut zweijährigen Pause, aber präsent wie immer. "Es ist, als wären sie nie weg gewesen", lobte Bundestrainer Joachim Löw Hummels und den ebenfalls zurückbeorderten Müller. "Die beiden spielen eine wichtige Rolle. Ich habe sie aus Überzeugung zurückgeholt. Sie haben die Erfahrung und das Können - und werden vorangehen."

Das beweisen beide bereits im Trainingslager. Dem ersten seit ihrer Ausbootung im März 2019. "Ich war ein bisschen nervös bei der Anreise", bekannte Hummels bei der Pressekonferenz am Montag. Die Ankunft in Seefeld war aber zugleich der letzte Schritt eines Plans: Der Weg zurück zum Nationalteam ist vollendet. "Es hat weh getan", als er vor zwei Jahren nicht mehr gebraucht wurde. Die Reaktion darauf war kämpferisch: "Es war eine Sache, die ich mir als Ziel vorgenommen hatte, mich wieder hier reinzuarbeiten. Aus Ehrgeiz und weil es eine Ehre ist, für Deutschland zu spielen."

"Als Typ voll einbringen"

Nun ist er zurück, als wäre er nie weg gewesen. Sie sollen "den Ton angeben", hatte der Bundestrainer über Hummels und Müller gesagt. Und beide damit ganz offenbar animiert - oder er war einfach nur clever genug zu wissen, was sie ohnehin leisten werden. Neben dem Platz klappt das bereits.

Auch auf dem Rasen dürfte Hummels den Ton angeben - wenn er denn spielt. Eine Einsatzgarantie will Löw dem BVB-Verteidiger nicht geben. Und doch plant er mit dem 32-Jährigen in der Innenverteidigung. Neben Antonio Rüdiger soll der Rückkehrer agieren. "Toni Rüdiger hat bei uns zuletzt immer gespielt. Er ist ein Innenverteidiger auf allerhöchstem Niveau und mit seiner Art und Weise, wie er spielt, für uns ein absolut wichtiger Spieler", lobte Löw. Der Champions-League-Sieger, der verspätet anreisen wird, bekommt auch ein dickes Lob von Hummels: "Toni hat gezeigt, dass er ein absolut überragender Verteidiger sein kann. Da kann man das Wort 'Weltklasse' in den Mund nehmen. Wenn so ein Spieler kommt, fällt es jedem leicht, mit ihm zu harmonieren."

Er wäre gern dieser Spieler. Gibt sich aber zurückhaltend. "Ich möchte mich sowohl sportlich als auch als Typ voll einbringen. Ich hoffe, dass ich die Rolle auch auf dem Platz einnehmen darf und kann. Aber es geht darum, dass man sportlich selbst auf dem bestmöglichen Level ist." Hummels betonte zudem die Qualität der anderen Verteidiger beim DFB - Matthias Ginter, Niklas Süle und Robin Koch. Die beiden letztgenannten müssten körperlich zulegen, urteilte allerdings Löw gerade erst. Und machte damit wohl den Weg frei für Hummels.

"Bin ich zu langsam?"

Dem mangelt es an wenig. Und über eine Kleinigkeit weiß er selbst bestens Bescheid - amüsierte sich gemeinsam mit Müller im Training königlich darüber. Sie würden ihren "Turbo" suchen, lachten die beiden Kumpels im gemeinsamen Zwei-gegen-Zwei-Spiel. Kritiker mäkeln, dass der Verteidiger zu langsam ist. "'Bin ich zu langsam?', frage ich mich, seit ich 17 Jahre alt bin", ergänzte der 32-Jährige bei der Pressekonferenz.

Dabei kann sich Hummels den Luxus erlauben, nicht superschnell sein zu müssen und trotzdem als Erster da zu sein. Weil sein Stellungsspiel hervorragend ist. Weil er zweikampfstark ist, mit dem Fuß und dem Kopf. Weil er viel Spielverständnis hat, Erfahrung und Spielintelligenz. Weil er häufig schon vor dem gegnerischen Stürmer weiß, wie das Spiel sich entwickelt. Weil er seine Mitspieler dirigiert und "dadurch besser macht", wie Ex-Nationaltrainer Berti Vogts im "Kicker" sagte.

Der Fokus liegt - das machten auch die ersten Medienrunden nach Hummels und Müllers Rückkehr ins DFB-Team deutlich - auf den beiden. Für den BVB-Profi aber ist das nur eine Sichtweise von außen. Intern würden sie niemandem eine Führungsrolle wegnehmen. Die Persönlichkeiten im Team sind Kapitän Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Leon Goretzka. "Wir kommen als zusätzliche Unterstützung dazu", so Hummels. Und das sei "komplett unproblematisch, weil wir alle gewinnen wollen". Es scheint, als stimme es im Team. Lockerheit, Wille - und Zuversicht. Geht es nach Hummels Einschätzung, setzt sich die deutsche Mannschaft in der schweren EM-Gruppe mit Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal sowie Ungarn durch. Da wird es auch auf ihn ankommen. Spielerisch und mit starken Worten. So wie immer - wenn auch mit zwei Jahren Pause.

Quelle: ntv.de

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