Fußball-EM

So läuft das Spiel gegen Nordirland Löws Comedy-Wagenburgler versprechen Risiko

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Bundestrainer Löw und seine Truppe beim Training: Gelingt gegen Nordirland endlich die Leistung, auf die Fußball-Deutschland wartet?

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Reihen schließen sich, die DFB-Elf und Joachim Löw verschanzen sich vor dem letzten EM-Gruppenspiel gegen Nordirland, zumindest verbal. Auf dem Rasen des Prinzenparks soll das anders aussehen. Motto: kein Risiko, kein Spaß.

Worum geht's?

Die deutsche Mannschaft ist noch nicht für das Achtelfinale der Fußball-Europameisterschaft qualifiziert, weil die Engländer am Montagabend nur Unentschieden gegen die Slowaken gespielt haben. Aber wie hatte es Co-Trainer Thomas Schneider am Tag vor dem dritten und damit letzten Gruppenspiel gegen Nordirland heute (ab 18 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im Pariser Prinzenparkstadion: "Wir wollen gewinnen und Gruppenerster werden." Ob das reichen würde, hängt allerdings davon ab, ob, und wenn ja, wie hoch Polen zur gleichen Zeit gegen die bereits ausgeschiedene Ukraine gewinnt. Und auch die Nordiren hoffen noch auf den Einzug in die Runde der besten 16 Mannschaften, notfalls als einer der vier besten Gruppendritten. Damit das klappt, sollten sie zur Sicherheit heute Remis spielen.

Wie ist die Ausgangslage?

Innenverteidiger Mats Hummels, der kurzfristig anstelle des Kollegen Mesut Özil die von der Uefa vorgeschriebene Pressekonferenz im Parc des Princes bestritt, gab die Richtung vor: "Wir wollen von der ersten Minute an zeigen, dass wir das bessere Team sind. Damit die Nordiren gar nicht erst den Glauben entwickeln, gegen uns gewinnen zu können." Wie das klappen könnte, wusste er auch schon: "Wir werden ein bisschen mehr das Risiko suchen." Das ist als Weltmeister gegen die Nummer 25 der Weltrangliste doch ein guter Plan. Auch der Bundestrainer, der gestern leicht erkältet die Fragerunde schwänzte, dann aber das Abschlusstraining im Regen und in kurzen Hosen leitete, hatte nach der müden Nullnummer gegen Polen angekündigt: "Das Entscheidende ist, dass wir mit Tempo in die Spitze reingehen und dort mit vielen Leuten präsent sind. Nur dann kann man Tore erzielen." Dabei könnte es zumindest eine Umstellung geben in der deutschen Mannschaft. Die "Bild"-Zeitung will erfahren haben, dass Mario Gomez in die Startelf rutscht, Mario Götze auf links rückt und Julian Draxler dafür auf die Bank muss. Ob es stimmt? Assistent Schneider sagte gestern das, was die Trainer stets sagen: Veränderungen seien durchaus möglich. Aber ins Detail wolle er nicht gehen. Und was ist mit der Idee, Thomas Müller ganz vorne statt auf der rechten Seite spielen zu lassen? "Generell überlegen wir uns viel bei der Konstellation der Mannschaft. Sicherlich haben wir das auch mal durchdacht. Morgen werden wir dann sehen, auf welcher Position er spielen wird."

Wie ist die deutsche Mannschaft drauf?

Langsam beginnen die deutschen Spieler und ihre Trainer, eine Wagenburgmentalität zu entwickeln. Während sich dem Beobachter die Frage stellt, ob die DFB-Elf in Sachen Kreativität und Offensivgeist mehr drauf hat, als sie beim besagten 0:0 gegen Polen im zweiten Spiel bei dieser EM am Donnerstag vergangener Woche im Stade de France gezeigt hatte, begann Joachim Löw am Samstag im Teamquartier in Évian, die Reihen zu schließen. Alles halb so wild, er sehe kein grundsätzliches Problem. Das Gerüst der Mannschaft stehe, kein Grund zur Panik. Nebenbei gab er noch Michael Ballack einen mit.

Es folgten Thomas Müller und Mario Götze, die betonten, Profi genug zu sein, um mit der Kritik umgehen zu können - und dann doch mitunter recht bissig ihre Kritiker kritisierten. Müller bemängelte, er werde immer nur an Toren gemessen, nicht aber an seinem Beitrag zur defensiven Stabilität der Mannschaft. "Du bist ja nur der Gute, wenn du ein Tor schießt. Da wünscht man sich schon ein bisschen mehr Objektivität." Und Götze, in den beiden bisherigen Spielen auf der Position des zentralen Stürmers eingesetzt, glänzte mit einem Aphorismus: "Mal ist man der Hund, mal der Baum." Weiter ging's mit Sami Khedira am Montag, der dem "Kicker" sagte: "Man kann doch von uns nicht erwarten, dass wir gegen solch defensiv eingestellte Mannschaften wie die Ukraine oder Polen Feuerwerke abbrennen." Und überhaupt: "Dass man bei so vielen Persönlichkeiten, die führen wollen und führen können, eine Führungsspieler-Debatte anfängt, ist ja Comedy." In eigener Sache meldete sich am selben Tag auch Mesut Özil zu Wort, via "Bild"-Zeitung: "Es tut mir leid, aber ganz ehrlich: Es ist mir egal, was andere sagen." Und: "Die Meinung des Trainers zählt. Herr Löw sagt mir die Wahrheit, was stimmt und was nicht." Schließlich gab Mats Hummels der "Süddeutschen Zeitung ein Interview. Tenor: "Grundsätzlich ist die Debatte über unser Offensivspiel nach dem 0:0 gegen Polen schon berechtigt, aber die Größenordnung der Debatte ist halt wie immer übertrieben. Genauso wie diese öffentliche Suche nach Schuldigen." Sagen wir es so: Ein klarer Sieg heute gegen Nordirland würde diese Diskussionen in eine Richtung lenken, die sich die in der Wagenburg Verschanzten wünschen.

Was machen die Nordiren so?

Michael Andrew Martin O’Neill, der Trainer der Nordiren, zeigte sich einen Tag vor der Partie bei der Pressekonferenz im Pariser Prinzenpark durchaus zufrieden. Klar sei das Spiel gegen die DFB-Elf das schwerste in dieser Gruppe C. Aber ein Ziel hätten er und seine Mannschaft bereits erreicht: "Wir wollten von Anfang an, dass es in diesem Spiel noch um etwas geht. Und das ist jetzt der Fall." Kapitän Steven Davis pflichtete ihm bei: "Wir haben jetzt eine gute Ausgangslage nach dem Spiel gegen die Ukraine." Motto: Wird schwer, aber wir geben unser Bestes. Und: "Wir glauben, dass wir ihnen wehtun können." Und auf den inoffiziellen EM-Hit "Will Grigg's on fire" angesprochen, sah Davis erst seinen Trainer an, grinste und sagte dann: "Der macht wohl die Runde. Ich glaube, uns Spielern gefällt er auch ganz gut. Es ist also ganz positiv mit diesem Song. Wir haben ihn einige Male gesungen, jetzt hängt er uns aber doch so langsam aus den Ohren raus." Den Fans allerdings nicht. Sie werden ihn ganz bestimmt auch heute Abend singen.

War sonst noch etwas?

Vorschlag zur Güte an die deutschen Fans: Wenn Sie sich heute im Prinzenpark das Spiel anschauen und die nordirischen Anhänger stimmen den EM-Hit "Will Grigg's on fire" an - wie wäre es, wenn Sie zumindest einmal mitsingen? Nur so zum Spaß. Klingt bestimmt toll, wenn sich das ganze Stadion auf ein Lied einigt. Und immer nur "Die Nummer eins der Welt sind wir" ist doch auch langweilig. Denken Sie bitte drüber nach. Zur Sicherheit hier noch einmal der Text:

He will score goals, he will just score more and more / He will score goals, that’s what we signed him for/ Will Grigg’s on fire, your defence is terrified / Will Grigg’s on fire, your defence is terrified / Will Grigg’s on fire, your defence is terrifed / Will Grigg’s on fire, na na na na na na na na na na na.

Quelle: ntv.de