Fußball-EM

Österreicher feiern Messi Ronaldo beendet bitteren Auftritt mit Stil

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Cristiano Ronaldo hat bei der Nullnummer gegen Österreich keinen guten Tag erwischt.

(Foto: dpa)

Er ist die tragische Figur in einer für Portugal arg unglücklichen Partie. Doch nach der Nullnummer gegen Österreich zeigt Cristiano Ronaldo bei dieser EM zum ersten Mal, dass er vielleicht doch etwas begriffen hat.

Das war seine Chance. Er kann viel, fast alles. Da ist die Aufgabe, den Ball aus elf Metern ins Tor zu schießen, eine der leichteren Übungen. So eine Gelegenheit lässt Cristiano Ronaldo doch nicht ungenutzt. Zuletzt hatte er in Mailand, im Finale der Champions League, für Real gegen Atlético Madrid getroffen, der letzte Elfmeter in der finalen Fußballlotterie gehörte ihm, er traf - und ließ sich dafür feiern, als habe er den Pokal alleine gewonnen.

Und nun stand er am Samstagabend wieder am Punkt, breitbeinig wie stets, dieses Mal für Portugal bei der Europameisterschaft im Spiel der Gruppe E gegen eine Mannschaft aus Österreich, die auch beim geneigten Betrachter den Verdacht aufkeimen ließ, dass das Fußballspielen ihre Sache nicht sei. 79 lange Minuten hatten Ronaldo und seine Kollegen den 44.291 Zuschauern im Prinzenpark zu Paris gezeigt, dass sie es besser können als der Außenseiter. Doch sie litten unter ihrer an Dilettantismus grenzenden Gabe, aus ihrer Überlegenheit nichts zu machen. Dann aber rang Martin Hinteregger, der für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga spielt, Ronaldo kurz vor dem Fünfmeterraum nieder, indem er beide Arme von hinten um ihn schlang. Und der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzi verhängte völlig zu Recht einen Elfmeter - gegen Österreich und für Ronaldo.

Natürlich trat der Kapitän selbst an, der mit nun 128 Länderspielen die Legende Luis Figo als Mann mit den meisten Partien für Portugal abgelöst hat. Wer auch sonst? Bis dahin hatte er angedeutet, warum sie ihn dreimal zum besten Fußballer des Planeten gewählt haben. Der Mann mit der weißen Nummer sieben auf dem roten Trikot war fast überall präsent, arbeitete für seine Mannschaft, wirkte auch als Vorbereiter und machte nach einer harten Saison und einer Verletzung am Oberschenkel einen gesunden und motivierten Eindruck. Doch seine Torchancen hatte er wie Angriffskollege Nani auch allesamt vergeben, und das in Serie. Just eine knappe Viertelstunde vor diesem Strafstoß war Ronaldo zweimal binnen einer Minute an Österreichs Torhüter Robert Almer gescheitert, der über sich hinauswuchs. Doch damit nicht genug, die Fans des Gegners hatten sich einen Spaß daraus gemacht, den Namen Lionel Messis zu skandieren, den des aktuellen Weltfußballers.

20 Torschüsse, kein einziger Treffer

Nun aber konnte er es ihnen zurückzahlen. Ronaldo lief an, fünf Schritte, er schoss mit dem rechten Fuß - und der Ball ging von ihm aus gesehen an den linken Pfosten, sprang zurück auf den Rasen und irgendein Österreicher schlug ihn weg. Ronaldo schlug die Hände vors Gesicht und schlich von dannen. Er, einer der sichersten Schützen der Welt, einer, der fähig ist, aus fast jedem Winkel und beliebiger Entfernung ein Tor zu erzielen, war gescheitert.

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Am Ende bewies Ronaldo Stil - verscheucht geduldig Ordner, bis der Fan zu seinem Selfie kommt.

(Foto: AP)

Überhaupt läuft es bei dieser EM nicht: 20 Mal hat Ronaldo bisher aufs Tor geschossen, jedes Mal vergeblich. Die Fans der Österreicher triumphierten. Und in ihren Jubelschreien lag mindestens so viel Häme wie Erleichterung darüber, dass für ihre Mannschaft diese EM doch noch nicht zu Ende ist. "Ein verwandelter Elfmeter hätte bedeutet, dass wir wahrscheinlich nach Hause fahren", sagte Trainer Marcel Koller hinterher. "Wir sind glücklich, dass er verschossen hat", assistierte Verteidiger Sebastian Prödl. Mit diesem schmeichelhaften 0:0 aber haben die Österreicher ihren ersten Punkt ergattert und nun am Mittwoch nächster Woche mit einem Sieg gegen Island, das - ebenfalls am Samstag - 1:1 gegen Ungarn spielte, doch noch die Chance, das Achtelfinale zu erreichen.

Dabei war der verschossene Elfmeter nicht die letzte Pointe des Cristiano Rolando in dieser Partie. Nur sieben Minuten später war er wieder da. Und endlich lag der Ball im Netz, weil er aus zehn Metern und einem Freistoß des Kollegen João Moutinho mit dem Kopf getroffen hatte. Doch der Linienrichter zeigte Abseits an, der Jubel war verfrüht, dito das Entsetzen der Österreicher. Die feierten dieses Remis wie einen Sieg. Und Ronaldo? Ihm dürfte das als tragische Figur an einem für Portugal so bitteren Abend nicht gefallen haben. Schon die Isländer hatten ihr 1:1 im Auftaktspiel ausgiebig zelebriert. Der Star war beleidigt und motzte: "Sie haben gefeiert, als wären sie Europameister geworden, unglaublich. Das ist für mich eine schwache Mentalität und damit kann man in einem Turnier nichts gewinnen."

In Paris nun wahrte er nach dem Schlusspfiff die Fassung und das in bewundernswerter Manier. Ein junger Fan hatte es auf den Rasen geschafft und ihn um ein gemeinsames Foto gebeten. Das Problem war nur, dass der Eindringling vor lauter Aufregung offenbar nicht mit seinem Handy zurechtkam. Doch Ronaldo verscheuchte souverän die Ordner, bis der Fan sich im Griff und das Selfie im Kasten hatte. Am Ende eines gebrauchten Abends bewies er Stil - und ließ hoffen, dass er vielleicht doch etwas begriffen hat. Wäre ja auch tragisch gewesen, wenn selbst das mit dem Foto nicht geklappt hätte.

Quelle: n-tv.de

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