Fußball-EM

Keine Flitzer, keine Krawalle Uefa zeigt nur die heile EM-Welt

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Im TV soll es möglichst nur um Fußball gehen - Ablenkungen unerwünscht. So will es die Uefa.

(Foto: REUTERS)

Tolle Tore, emotionale Trainer, euphorische Fans: Das ist die Fußball-Welt, wie sie der Uefa gefällt. Das ist auch das, was die Fans vor den Bildschirmen präsentiert bekommen. Unschöne Szenen werden von der Uefa strikt zensiert. Dagegen regt sich Kritik.

Hier sehen Sie richtig - aber nur, was uns gefällt: Die Europäische Fußball-Union (Uefa) zensiert während der Europameisterschaft alle Spiele. Das "Weltsignal" zeigt meist nur Traumtore, jubelnde Fans und schwitzende Trainer. Krawalle auf den Tribünen, Flitzer und Böller hingegen bleiben vielen Zuschauern verborgen. Die EM wirkt dadurch wie eine heile Welt, die sie gar nicht ist.

"Natürlich haben wir die Erwartung, dass auch angesichts der brisanten gesellschaftspolitischen Lage alle relevanten Szenen im Weltsignal der Uefa enthalten sind", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: "Dazu gehören nicht nur die Spielszenen, sondern auch alles, was abseits passiert. Diese Erwartungshaltung haben wir auch klar formuliert."

Auch die ARD wurde aktiv. "Wir haben die Uefa aufgefordert, uns solche Bilder kurzfristig zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus werden wir alles daransetzen, derartige Vorfälle mit eigenen Teams und Kameras zu dokumentieren - wie es uns am Samstag ja auch gelungen ist", sagte ARD-Teamchef Jörg Schönenborn.

Ungewünschte Szenen entblößen Sicherheitslücken

Zwar könnten die deutschen Sender theoretisch bei jedem EM-Spiel bis zu zehn eigene Kameras aufstellen. Das rentiert sich vor allem bei deutschen Spielen. "Da können wir deshalb alle journalistisch relevanten Szenen zeigen", sagte Gruschwitz. Dann gebe es auch keine Zensur: Bei den Übertragungen aus den deutschen Bundesliga-Stadien werden keine Bilder herausgeschnitten. Wenn beispielsweise Pyrotechnik brennt, ist das meist auch zu sehen.

Bei den EM-Spielen sind die TV-Anstalten aber von der Uefa abhängig. Als am Samstag nach dem Hochrisiko-Spiel zwischen England und Russland auf den Tribünen des Stade Velodrome in Marseille die Ausschreitungen begannen, als Familien voller Angst vor der Hooligan-Gewalt flüchten mussten, gab es deshalb davon im deutschen Fernsehen ganz wenig zu sehen.

Wie weit darf Zensur gehen?

Offiziell geht es der Uefa, die das TV-Signal für viele Millionen Euro verkauft, darum, den Randalierern keine Bühne zu bieten und möglichen Nachahmern kein Vorbild zu liefern. Das war am Samstag, als in der Fanzone von Marseille mehrere Tausend Russen und Engländer in der ohnehin schon viel zu aufgeheizten Stimmung das Spiel vor der Großbildleinwand verfolgten, auch hilfreich. Die Gewalt aus dem Stadion hätte sich schnell auf die Fans ohne Ticket übertragen können. In der südfranzösischen Stadt hatte es zuvor blutige Ausschreitungen gegeben, ein Fan befindet sich immer noch in kritischem Zustand.

Dennoch bleibt die Frage, wie weit die Zensur gehen darf. Als am Sonntag im Pariser Prinzenpark ein kroatischer Fan glückselig auf den Platz stürmte und den Treffer von Luka Modric gegen die Türkei mit seinen Idolen feierte, war das im Fernsehen für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen. Passiert ist nichts, spätestens in der Wiederholung hätten die Bilder niemandem geschadet - wohl aber offenbart, welche Sicherheitslücken es in den Stadien gibt. Das gefällt der Uefa selbstverständlich überhaupt nicht.

Quelle: n-tv.de, fma/sid

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