Fußball-EM

"Noch sind wir in Europa" Wales, Nordirland und das Brexit-Derby

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Wales und Nordirland spielen im Achtelfinale gegeneinander. Es ist nicht nur sportlich ein spannendes Duell.

(Foto: imago/VI Images)

Die Briten haben es schon nicht leicht: erst die Abstimmung über den Verbleib in der EU, dann die Achtelfinalspiele bei der Fußball-EM in Frankreich. Da stehen sich nun ausgerechnet zwei Teams aus dem Vereinigten Königreich gegenüber.

Der Zufall ist schuld. Dass Wales und Nordirland im EM-Achtelfinale ein Tag nach dem Brexit-Votum aufeinandertreffen, war nicht geplant. Vor dem Turnier hätten wahrscheinlich selbst Waliser kaum zu träumen gewagt, dass ihre Nationalmannschaft Gruppensieger werden würde. Von einem zweiten britischen Derby nach dem Vorrundenmatch gegen die Engländer ganz zu schweigen.

So ganz ausblenden lassen werden sich die politischen Ereignisse nicht, wenn beide Teams an diesem Samstag in Paris (ab 18 Ihr im Liveticker bei n-tv.de) aufeinandertreffen. Auch wenn Wales-Trainer Chris Coleman noch am Freitag beteuerte: "Noch sind wir in Europa. Über alles andere reden wir, wenn wir zuhause sind." Über die Nordiren sagte er: "Sie sind unser Gegner, spielen in andersfarbigen Trikots. Woher die kommen, ist irrelevant."

"Es geht ums Weiterkommen"

Tatsächlich dürften die Nachrichten zum Brexit am spielfreien Freitag die britischen Teams sehr wohl beschäftigt haben. So weit sind die Teams aus Wales, Nordirland und England schließlich nicht von der Heimat entfernt. Bei der Abstimmung über den Verbleib in der EU hatten die Länder auf den britischen Inseln sehr unterschiedlich abgestimmt. Laut BBC votierten 55,8 Prozent der Stimmberechtigten in Nordirland für den Verbleib in der EU. In Wales stimmten 52,5 Prozent der Wähler für den Brexit, in England 53,4 Prozent.

Nordirlands Trainer Michael O'Neill bedauerte am Freitag sogar öffentlich, dass seine Spieler keinen Einfluss auf das Brexit-Votum nehmen konnten. Es ärgere ihn im Nachhinein, "dass ich den Spielern nicht die Chance zur Briefwahl gegeben habe", sagte O'Neill. Seine Spieler seien wegen des Brexits nicht besorgt, sondern auf das Spiel gegen den britischen Nachbarn konzentriert. "Aber es geht hier nicht ums Derby. Es geht für beide Teams ums Weiterkommen", sagte er. Er wolle mit seinen Spielern so lange wie möglich in Frankreich bleiben.

Gute Chancen auf das Halbfinale

Als wäre das Match von der Konstellation noch nicht spannend genug: Der Schiedsrichter ist ebenfalls ein Brite. Engländer Martin Atkinson pfeift das Achtelfinalspiel. Auch rein sportlich verspricht die Partei Spannung. Während bei den Engländern die Anspannung nach der durchwachsenen Vorrunde groß sein dürfte, herrscht bei Walisern und Nordiren Euphorie. Kein Wunder: Die Neulinge hoffen darauf, dass das Abenteuer EM noch ein bisschen weitergehen möge. Zumindest für eines von beiden Teams ist noch viel drin im Turnier.

Wales und Nordirland stehen auf der vergleichsweise leichten Hälfte des Spielplans. Der Sieger aus der Partie trifft im Viertelfinale auf Ungarn oder Belgien, in einem möglichen Halbfinale hieße der Gegner Kroatien oder Portugal. Die ganz dicken Brocken wie Deutschland, Italien, Spanien oder Frankreich bleiben vorerst erspart und warten erst im Finale. Die Chancen auf das Halbfinale stehen also gar nicht so schlecht.

Das bisher letzte Aufeinandertreffen war übrigens weniger glamourös. Beim Nation Cup trafen die beiden Nationalmannschaften im Mai 2011 in Dublin aufeinander. Die Waliser gewannen - damals noch ohne Superstar Gareth Bale - mit 2:0. Nur: Auf großes Interesse traf das Ganze nicht gerade. Während die anderen Spiele des Turniers bis zu 20.000 Zuschauer anzogen, saßen bei Wales gegen Nordirland lediglich 529 im 51.700 fassenden Aviva Stadium.

Quelle: ntv.de

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