Fußball-WM

DFB-Gegner Costa Rica im Check Das zähe Ringen mit dem Ein-Schuss-Wunder

In zwei Spielen produzierte Costa Rica einen Torschuss - und holte damit zwei Punkte mehr als die deutsche Mannschaft.

In zwei Spielen produzierte Costa Rica einen Torschuss - und holte damit zwei Punkte mehr als die deutsche Mannschaft.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Costa Rica galt von Beginn an als Außenseiter in Gruppe E, aber der Überraschungssieg über Japan hält die Mittelamerikaner im Rennen ums Achtelfinale. Bis auf den Torhüter hat Nationaltrainer Luis Fernando Suárez keine großen Stars in seinem Team.

Zum Abschluss der Gruppenphase trifft Deutschland auf Costa Rica. Da die DFB-Elf momentan Letzter ist, muss sie unbedingt gegen den siebenfachen WM-Teilnehmer gewinnen. Die Partie könnte sich als zähe Angelegenheit entpuppen.

Spielstil

Costa Rica nimmt die Rolle des Underdogs an, was sich im Fußball des Teams sehr gut widerspiegelt. Denn Trainer Suárez setzt vor allem auf eine stabile Defensive und punktuelle Konterangriffe. Beim 0:7 gegen Spanien kam ein 4-4-2 zum Einsatz, was sich allerdings als inadäquat gegen das Kurzpassspiel und die Verlagerungsbälle der Iberer entpuppte. Für die zweite Partie gegen Japan stellte Suárez auf das zuvor oft praktizierte 3-4-2-1 um, was zumindest mehr defensive Stabilität brachte.

Stärken des Teams

Die Defensive und Torhüter Keylor Navas waren hauptverantwortlich dafür, dass sich Costa Rica überhaupt für diese WM qualifizieren konnte. Die Zeiten, als "Los Ticos" noch recht ansehnlichen Offensivfußball spielten, sind zumindest für den Moment vorbei, weil strategische Kräfte wie Bryan Ruiz nur noch Reservistenrollen bekleiden oder gar nicht mehr international spielen. Aufgrund der oftmals soliden Arbeit gegen den Ball mit kompakten Reihen und gutem Verschieben zum Ball gelingt es Costa Rica, Gegnern wenig Torschüsse zu erlauben. Ausnahme war das Spiel gegen Spanien vergangene Woche, in welchem sogar Torwart Navas patzte. Ansonsten ist der 35-Jährige ein wichtiger Rückhalt - und war in der finalen Qualifikationsrunde der CONCACAF sogar der beste Spieler aller Nationen.

Schwächen des Teams

Der dezidierte Defensivfokus ist nicht zuletzt auch dem geschuldet, dass Costa Rica nach vorn hin sehr wenig ausrichten kann. Am ehesten funktionieren Angriffe nach Ballgewinnen und dann über die linke Seite mit Bryan Ovideo und Joel Campbell. Aber die Bilanz der ersten beiden Spieltage spricht Bände, denn gegen Spanien und Japan erspielten sich "Los Ticos" insgesamt nur einen Torschuss, der aufgrund eines Fehlers von Shuichi Gonda auch noch zum Siegtreffer gegen Japan führte. Mit einem einzigen Torschuss sammelte Costa Rica drei Punkte - und damit zwei Zähler mehr als das DFB-Team. Es ist ein kleines Wunder dieser WM.

Von den vier teilnehmenden CONCACAF-Teams bei dieser WM erzielte Costa Rica bereits in der Qualifikation die wenigsten Tore, nämlich 13 in 14 Partien. Wenn also schon gegen die teils schwache Konkurrenz in Nord- und Mittelamerika derart wenig herauskommt, kann das bei einer WM nur noch schlimmer werden.

Schlüsselspieler

Der bereits erwähnte Torwart Keylor Navas zählt schon vor seinem Karriereende zu den größten Legenden des costa-ricanischen Fußballs. Er gewann mit Real Madrid die Champions League dreimal und war vor ein paar Jahren noch ein begehrter Name auf dem europäischen Transfermarkt. Mittlerweile ist Navas lediglich der Ersatzmann für Gianluigi Donnarumma bei Paris Saint-Germain, aber das schmälert seinen Status in Costa Rica nicht. Zudem ist er aufgrund seiner Erfolge auch eine wichtige Führungsfigur und soll für Cheftrainer Suárez die Abwehr mit leiten.

Wie muss Deutschland gegen Costa Rica spielen?

Wer einen ungefähren Eindruck erhalten möchte, wie diese Partie ablaufen könnte, der soll sich einmal ein paar Aufeinandertreffen zwischen der deutschen Nationalmannschaft und schwächeren Nationen in der WM-Qualifikation oder der UEFA Nations League anschauen. Deutschland wird bis zu 70 Prozent Ballbesitz haben und immer wieder neue Angriffe von hinten heraus aufbauen. Wichtig ist hierbei Geduld, denn undurchdachte Pässe können schnelle Konterangriffe von Costa Rica einleiten.

Darüber hinaus wird es wichtig sein, dass Deutschland jeden Raumgewinn entsprechend absichert. Wenn also der Ball beispielsweise über Leon Goretzka und Jamal Musiala nach vorn läuft, muss in deren Rücken wenigstens ein Mittelfeldspieler oder Außenverteidiger angemessen positioniert sein, um bei Ballverlusten den Raum zu blockieren oder sogar das Gegenpressing einzuleiten.

Nun treibt Fußball-Deutschland die Frage um, ob sich Niclas Füllkrug einen Startelfeinsatz verdient hat. Zunächst sprechen seine Abschlussqualitäten dafür, aber eventuell würde sich der Bremen-Profi in der ersten Halbzeit gegen die drei Zentralverteidiger Costa Ricas nur aufreiben. Eine Möglichkeit bestünde darin, die Abwehrlinie mit einem Kai Havertz, Thomas Müller oder sogar Youssoufa Moukoko müde zu laufen und Füllkrug in der zweiten Halbzeit einzuwechseln, damit dieser dann Anspiele von Musiala oder auch Leroy Sané effektiv verwerten kann.

Costa Rica gelingt es, phasenweise die Linien sehr kompakt zu halten, aber mit zunehmender Spielzeit wird dieses Element im Spiel des CONCACAF-Vertreters schwächer. Dann könnte wieder die Stunde von Füllkrug schlagen.

Quelle: ntv.de

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