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Köln-Legende Hans Schäfer wurde 90 Jahre alt.
Köln-Legende Hans Schäfer wurde 90 Jahre alt.(Foto: imago/Horstmüller)
Dienstag, 07. November 2017

Trauer um Köln-Legende : 1954er-Weltmeister Schäfer ist tot

Trauer um Hans Schäfer: Der Fußball-Weltmeister von 1954 ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft ist eine Ikone des 1. FC Köln, bei dem er 17 Jahre lang spielte.

Hans Schäfer, Fußball-Weltmeister von 1954 und Legende des 1. FC Köln, ist am Morgen im Alter von 90 Jahren gestorben. Das bestätigte der 1. FC Köln. Schäfer sei im Beisein seiner Ehefrau Isis und seiner Töchter Stefanie und Regine 19 Tage nach Vollendung seines 90. Lebensjahres verstorben, schreibt die "Bild"-Zeitung. Am 19. Oktober feierte er seinen runden Geburtstag und sagte, nun wolle er auch 105 werden. "Ich habe noch viel vor."

Letzter noch lebender Spieler aus der Weltmeister-Elf von 1954 ist nun der 85-jährige Lauterer Horst Eckel. "Das ist ein sehr trauriger Tag. Hans war ein sehr guter Kamerad von mir. Zum letzten Mal Kontakt hatte ich, als ich vor ein paar Wochen mit ihm zu seinem 90. Geburtstag telefoniert habe. Da hatte ich das Gefühl, dass es ihm gut geht", sagte der 85-Jährige der "Bild"-Zeitung. "Jetzt bin ich der letzte der Mannschaft von 1954, ich fühle mich jetzt auch alleine."

"FC-Familie ist in tiefer Trauer"

"Die gesamte FC-Familie ist in tiefer Trauer und wir sind in Gedanken bei Hans Schäfers Angehörigen. Wir verlieren eine der größten Persönlichkeiten, die der 1. FC Köln je hervorgebracht hat. Als Weltmeister und größte Ikone dieses Klubs ist Hans Schäfer unsterblich", wird FC-Präsident Werner Spinner auf der Homepage des Vereins zitiert.

Auch FC-Vize Toni Schumacher trauert: "Von allen großen Spielerpersönlichkeiten des 1. FC Köln ist Hans Schäfer mit dem Wunder von Bern der Größte. Die FC-Familie verliert mit ihm einen Kölner Giganten, der Vorbild für unzählige Fußballer war. Stolz war ich stets darauf, wenn er sagte: Toni, wir beide hätten gut zusammen in eine Mannschaft gepasst. Wir trauern mit seiner Familie und werden sein Andenken in unserem Verein stets in Ehren halten." Die Fahnen am Geißbockheim wurden nach Bekanntwerden des Todes auf halbmast gesetzt.

DFB-Präsident Reinhard Grindel sagt laut Mitteilung: "Mit tiefer Trauer haben wir die Nachricht von seinem Tod aufgenommen. Der deutsche Fußball verliert mit Hans Schäfer einen herausragenden Spieler und eine starke, immer bodenständig gebliebene Persönlichkeit. Er hat 1954 nicht nur ein unvergessliches Kapitel Fußballgeschichte geschrieben, der erste WM-Titel für den DFB hat das gesamte Nachkriegs-Deutschland verändert. Unser Mitgefühl gilt der Familie, unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seinen Töchtern."

Mit Bestürzung reagiert auch Fußball-Legende Uwe Seeler: "Das ist für mich sehr überraschend gekommen. Zu seinem 90. Geburtstag vor wenigen Tagen wollte ich ihm gratulieren, habe ihn aber nicht erreicht und musste ihm aufs Band sprechen", sagte Seeler. Der frühere HSV-Stürmer war lange Zeit Schäfers Mannschaftskamerad in der Nationalmannschaft. "Er war ein toller Junge, ein doller Kamerad. Als Älterer hat er uns immer aufgebaut und Mut zugesprochen. Er war ein äußerst lustiger Typ. Mit ihm hatten wir immer viel Spaß", berichtete der 81 Jahre alte Seeler.

Er prägte die Klubgeschichte

Im WM-Finale von 1954 duelliert sich Schäfer mit Ungarns Torwart Gyula Grosics.
Im WM-Finale von 1954 duelliert sich Schäfer mit Ungarns Torwart Gyula Grosics.(Foto: imago/Ferdi Hartung)

Schäfer wurde 1927 im Kölner Stadtteil Zollstock geboren, beim dortigen Klub DJK Rheinland begann er mit dem Fußball spielen. Später wechselte er zum FC und war über fast zwei Jahrzehnte die prägende Figur im Spiel der Kölner. Er absolvierte 507 Pflichtspiele und schoss dabei 304 Tore. In den Jahren 1962 und 1964 wurde er mit seinem Klub deutscher Meister. Schäfer steht sinnbildlich für Meistertitel und eine der erfolgreichsten Epochen der Klubgeschichte, auf die auch heute noch viele Fans sehnsüchtig zurückblicken. Bis zuletzt, solange es ihm gesundheitlich möglich war, nahm Schäfer regen Anteil, war fast regelmäßig Gast bei den Heimpartien seines 1. FC Köln.

Beim ersten deutschen WM-Triumph 1954 in Bern gegen Ungarn (3:2) gehörte Schäfer zu den Leistungsträgern der Mannschaft um Kapitän Fritz Walter des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger. Verewigt ist Schäfer in der legendären Radio-Reportage von Herbert Zimmermann, der das Finale gegen Ungarn kommentierte: "... und Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball. Er hat den Ball - verloren diesmal, gegen Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball - abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen ..." Für Schäfer war das "Wunder von Bern" allerdings gar keins: "Es war einfach eine großartige Leistung einer großartigen Mannschaft." Auch von dem Begriff "Held" nahm er immer Abstand. Es sei doch kein Heldentum, wenn man ein Spiel gewinne, und sei es auch ein WM-Finale.

Herberger schätzte den "Mitreißer"

Schäfer war der erste deutsche Nationalspieler, der an drei WM-Endrunden hintereinander teilnahm (1954, 1958, 1962). In 39 Länderspielen erzielte er 15 Tore. Er war nie ein Mann des großen Trubels. Viel lieber waren ihm Besuche am Geißbockheim im Kölner Grüngürtel, wenn er dort die Geschäftsstellen-Mitarbeiter begrüßte und immer ansprechbar war, Anekdoten aus seinem an Erfolgen und Ehrungen reichen Fußballer-Leben berichten sollte. Und offen bekannte, dass er seinem FC nahe sein wollte, "bis ich Hundert werde und dann bei einem Glas Kölsch tot an der Theke umfalle", wie er anlässlich seines 75. Geburtstags wissen ließ.

Im Kölner Stadtteil Zollstock wurde ihm auch das Einmaleins des Fußballs beigebracht. Und seine Lehrmeister erkannten schnell, dass der Knirps ("Ich wollte als Kind immer Fußballspielen - morgens, mittags, abends") als Linksfuß eine Schusstechnik hatte, die ihn zu einem gefürchteten Torjäger machen sollte. Mit dem FC und dem damaligen Trainer Hennes Weisweiler stieg er 1949 in die Oberliga West auf. Es sollten noch viele Erfolge werden: Westdeutscher Pokalsieger (1953, 1964), Westdeutscher Meister (1954, 1960, 1961, 1962, 1963), schließlich Deutscher Meister 1962 und 1964 sowie "Fußballer des Jahres" 1963.

Im Notizblock des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger stand Schäfer schon lange vor seinem Debüt im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes, bei dem er am 9. November 1952 in Augsburg gegen die Schweiz zweimal traf. Herberger schätzte den "Mitreißer" Schäfer als einen, der nie aufgab, nie resignierte, seine Mitstreiter immer wieder animierte.

Quelle: n-tv.de

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