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Otto Rehhagel trainiert unter anderem Rudi Völler. Und steuert "die dritte Vizemeisterschaft hintereinander" an.
Otto Rehhagel trainiert unter anderem Rudi Völler. Und steuert "die dritte Vizemeisterschaft hintereinander" an.(Foto: imago/Laci Perenyi)
Samstag, 23. Dezember 2017

Redelings über die Saison 85/86: Rehhagel landet in der Schwarzwaldklinik

Von Ben Redelings

Bremens Trainer Otto Rehhagel ist verzweifelt: Ein Elfmeter gegen die Bayern verfehlt in letzter Sekunde das Ziel. Seine einzige Hoffnung ist nun Professor Brinkmann aus dem TV. Und es ist die Saison der spektakulären (Eigen-)Tore!

Für die ersten Lacher sorgt schon vor dem ersten Anstoß der neue Trainer des VfB Stuttgart. Otto Baric kommt aus Österreich nach Deutschland und wird von Journalisten gefragt, ob er denn auch Ahnung von der Bundesliga habe. Baric antwortet stolz: "Seit drei Jahren habe ich in Wien Kabelfernsehen. Ich kenne den deutschen Fußball von daher gut!"

Für den FC Bayern beginnt die Saison kurios-spektakulär. In der 34. Minute überwindet Helmut Winklhofer seinen eigenen Keeper Jean-Marie Pfaff mit einem herrlich gezirkelten Heber aus 35 Metern. Den wunderschönen Sonnenschein genießt an diesem Tag nur der Heimklub. Bayer Uerdingen gewinnt mit diesem "Tor des Monats" 1:0. Das letzte Wort soll allerdings Bayern-Trainer Udo Lattek gehören, der Winklhofer in der Halbzeit aus der Partie nimmt und dies so begründet: "Das ist jetzt unser Torjäger. Ich wollte ihn für das nächste Spiel schonen!"

"Dritte Vizemeisterschaft hintereinander"

Trotz dieses ungewöhnlichen und punktelosen Auftakts werden die Bayern am Ende wieder Meister. Und das liegt vor allem an der Schwäche der Bremer, denen zum Schluss der Saison einfach die Nerven versagen. Michael Kutzop ist es, der zum großen Unglücksraben der Spielzeit wird. Am 33. Spieltag empfängt Werder Bremen den FC Bayern München. Eine Minute vor Schluss pfeift Schiri Volker Roth Elfmeter für Werder. Antreten wird Michael Kutzop. Und er ist ein guter Schütze. Doch in diesem Moment soll es einfach nicht sein. Die Partie endet nach Kutzops Fehlschuss mit 0:0.

Schon drei Spieltage vor Schluss hatte Otto Rehhagel gesagt: "Nach dieser Saison bin ich reif für die Schwarzwaldklinik!" Nun lässt er sich erst recht einweisen. Andere Werder-Offizielle versuchen die Angelegenheit mit Humor zu nehmen: "Jetzt steuern wir den Hattrick an. Die dritte Vizemeisterschaft hintereinander."

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In der Relegation kommt es zu einem packenden Finale zwischen Fortuna Köln und Borussia Dortmund. Bis in die Nachspielzeit der zweiten Partie ist die Fortuna aufgestiegen. Doch dann schlägt in allerletzter Sekunde die "Kobra" zu. Jürgen Wegmann nach der Begegnung ganz locker: "Wenn ich im Sturmzentrum spiele, mache ich immer meine Kirschen. Das war immer so und wird auch immer so bleiben."

"Lieber zum chinesischen Wattepusten"

Ein kurioses Tor, über das die Bundesliga lacht, erzielt am 28. Spieltag bei der Partie SV Werder Bremen gegen den 1. FC Kaiserslautern (2:0) Manni Burgsmüller. Der Werder-Stürmer schildert den Treffer in der 55. Minute aus seiner Sicht so: "Der Ehrmann hält den Ball, ich liege so neben dem Tor, rappel' mich auf und will zur Mitte. Da seh' ich, wie der Gerry vor sich hinpennt. Ich geh' zu ihm hin und schubse dem mit der Hand die Pille aus dem Arm. Fällt der Ball auf den Boden und ich schieb' ihn rein." Der Lauterer Torwart ist alles andere als erfreut und droht Burgsmüller mit der Faust. Burgsmüller: "Der Ehrmann machte ja Bodybuilding und konnte kaum laufen vor Kraft. Wenn der mir eine gescheuert hätte …" Es wäre wohl verdient gewesen! Denn Burgsmüller flüstert dem erregten Keeper noch ins Ohr: "Tor ist, wenn der Schiedsrichter pfeift." Dann geht er schnell flitzen!

Am 8. Februar 1986 schafft der Stuttgarter Michael Nushöhr einen ganz besonderen Bundesligarekord. Beim 7:0 gegen Hannover 96 verwandelt er als Erster überhaupt drei Elfmeter in einem Spiel. Nushöhr hinterher ganz aufgewühlt: "Beim dritten wusste ich nicht mehr, wohin ich schießen sollte!"

Eine Art Saison-Schlusswort spricht Franz Beckenbauer: "Was mich am Fußball reizt, ist der Star, die Persönlichkeit. Die Mannschaft muss sich auf ihn einstellen und nicht umgekehrt. Ich hasse den sozialistischen Gedanken der Gleichmacherei im Mannschaftssport. Wenn die Entwicklung so weitergehen sollte, dass kein Platz mehr für Stars ist, dann gehe ich lieber zum chinesischen Wattepusten." Im Schnitt wollen nur noch 17.662 Zuschauer die Partien der 1. Bundesliga sehen!

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Quelle: n-tv.de