Fußball

Immer dieses hässliche Doping ARD toleriert Mehmet Scholls Weltbild

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"Es gab keine negativen Themen": Mehmet Scholl.

(Foto: imago/MIS)

So ein Tag, so wunderschön wie heute - wer mag da schon über Doping im Fußball reden? Mehmet Scholl jedenfalls nicht. Und so verweigert er sich beim Confed Cup. Als Experte will ihn die ARD aber weiterhin. Wahnsinn.

Darauf muss man erst einmal kommen: Da spielen sie in Russland Fußball beim Confed Cup. In Russland findet im Sommer kommenden Jahres die Weltmeisterschaft statt. Die britische Zeitung "Mail on Sunday" berichtet, alle 23 Spieler der russischen Nationalmannschaft seien bei der WM 2014 in Brasilien gedopt gewesen. In Russland hat es jahrelang ein staatlich gelenktes Dopingprogramm gegeben. Beamte, Sportfunktionäre, Laborleiter, Trainer und Athleten haben mitgemacht und 2014 in Sotschi systematisch Proben russischer Athleten bei den Olympischen Winterspielen ausgetauscht. Wada-Sonderermittler Richard McLaren sagt in einem Interview mit der ARD, dass der Fußball Teil dieses Betrugssystems war.

Und Mehmet Scholl? Ist der Meinung, dass es deplatziert sei, während des Confed Cups im Fernsehen über Doping im Fußball zu sprechen. Wahnsinn. Deshalb war er zu den Halbfinals am 28. und 29. Juni nicht an seinem Arbeitsplatz als Experte der ARD erschienen. Warum, das hat er in seiner eigenen Radiosendung begründet. Nachzuhören ist sein Erklärungsversuch ab Minute 48:45. Fazit: Das Thema Doping habe an diesem Tag, dem 28. Juni, keine Relevanz und Brisanz gehabt. Daher habe er, nachdem er den Programmablauf gelesen habe, dafür plädiert, den Bericht mit McLaren nicht zu senden: "Ich möchte, dass die Story für diesen schönen Tag draußen bleibt." Ein Wunsch, der den Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Senders nicht Befehl war: "Und da haben die gesagt: Die bleibt nicht draußen und ich darf mich nicht ins Programm einmischen. Da hab ich gesagt: Ich gehe. Und dann bin ich gegangen."

"Irritierendes Selbstverständnis"

Das Erstaunliche ist nicht, dass sich Scholl wie viele Ex-Kicker und Funktionäre lieber am Fußball und am Erfolg der DFB-Elf erfreut. Er steht offen zu seinem eingeschränkten Weltbild: "Es gab keine negativen Themen. Deutschland war im Halbfinale, der Confed Cup hat gezündet, die U21 ist ins Finale eingezogen und am Abend habe ich mich gefreut auf Portugal gegen Chile." Darüber hätte er gerne geredet. Aber doch nicht über dieses hässliche Thema Doping. Diese Haltung hat er nicht exklusiv, es gibt immer noch Journalisten und Zuschauer, die so denken und das Thema weitgehend erfolgreich tabuisieren.

Das Erstaunliche an dieser Geschichte ist, dass Scholl auch in Zukunft als Experte für die ARD arbeiten darf. "Wir hatten eine Reihe von Gesprächen", sagte Sportkoordinator Axel Balkausky. "Wir haben ganz klar abgesprochen, wie die Regularien sind. Die Redaktionen sind für den Inhalt zuständig, die Experten für die Meinung. Er muss den Inhalt und die redaktionelle Hoheit akzeptieren." Scholl habe zugesagt, "dass das nicht wieder passieren wird". Also arbeitet er weiter für den Senderverbund, der sich mit seiner beim WDR angesiedelten Dopingredaktion um den investigativen Journalisten Hajo Seppelt und seinen Kollegen profiliert hat.

Mehmet Scholl gefällt das nicht, wie er in seiner Sendung sagte: "Immer, wenn ein gewisser Sender das Programm macht, fangen wir grundsätzlich mit negativen Storys an." Aber vielleicht klären sie auch das bei der ARD noch. Seppelt ließ via Twitter verlauten: "Falls Herr Scholl gern mal ausführlich über Doping im Fußball reden will - sehr gerne. Sendung wäre bestimmt erhellend. Herr Scholl, wie wär's?" So ganz will Seppelt die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen: "Nachtrag: Glaubt Mehmet Scholl, ein TV-Fußball-Experte habe redaktionelle Hoheit über Programmentscheidungen? Irritierendes Selbstverständnis." Darauf muss man wirklich erst einmal kommen.

Quelle: n-tv.de

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