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"Es wird ganz, ganz gefährlich" Altstars sorgen sich um den BVB

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Winter-Neuzugang Kevin Kampl war einer der wenigen Lichtblicke beim 1:1 in Düsseldorf.

(Foto: imago/Norbert Schmidt)

Ein Abstieg von Borussia Dortmund aus der Fußball-Bundesliga ist für die meisten Fans unvorstellbar. Doch zahlreiche Ex-Stars machen sich große Sorgen um die Borussia. "Der BVB wird bis zum Ende gegen den Abstieg spielen", warnt Steffen Freund.

Die Situation ist "ganz gefährlich", der Klassenerhalt kein Selbstläufer, Trainer Jürgen Klopp zeigt erste Abnutzungserscheinungen: Im Gegensatz zu der Mehrheit der Fußball-Fans sehen viele ehemalige Stars von Borussia Dortmund den Klassenerhalt des Vizemeisters nicht als Selbstläufer an.

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Jose Pohjanpalo brachte Düsseldorf nach einem Dortmunder Abwehrblackout in Führung.

(Foto: imago/Revierfoto)

Grund dafür ist nicht das magere 1:1 bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf im letzten Testspiel vor dem Rückrundenstart in Leverkusen. Sie machen sich grundsätzliche und ernsthafte Sorgen um den BVB. Allen voran Steffen Freund. "Das beantworte ich einfach mal nicht", sagt der Ex-Nationalspieler auf die Frage, wie viel Geld er auf einen Klassenerhalt der Borussia wetten würde. "Der BVB wird bis zum Ende gegen den Abstieg spielen", sagte der 45-Jährige stattdessen dem SID am Rande der inoffiziellen Schneefußball-WM in Arosa: "Alle sagen, die schaffen das, weil sie zu viel Qualität haben. Ich sage: Es wird ganz, ganz gefährlich dieses Jahr."

Thomas Helmer, der von 1986 bis 1992 das BVB-Trikot trug, berichtet, dass er kürzlich bei zwei Hallenturnieren mit den BVB-Allstars spielte: "Und die machen sich alle Sorgen." Helmer vermutet, dass die Verantwortlichen beim BVB "vielleicht zu lange geglaubt haben, dass man einfach so da rauskommt."

"Wenn der Wurm erst mal drin ist"

Auch Stephane Chapuisat, von 1991 bis 1999 Borusse, spricht von einer "schwierigen Situation, aus der man erst einmal rauskommen muss. Ich denke nicht, dass sie absteigen werden, aber die Lage ist ernst", sagt der Schweizer: "Sie müssen jetzt langsam mal eine Serie starten. Denn es haben schon andere erlebt: Wenn der Wurm erst mal drin ist, kriegt man ihn plötzlich nicht mehr raus."

Jörg Heinrich, der insgesamt fünf Jahre für den BVB spielte, mahnt, dass man "die Situation nicht unterschätzen darf. Sie müssen den Hebel schnell umlegen." Immerhin sagt Heinrich, der sich als "BVB-Fan" bezeichnet: "Ich weiß, dass der BVB nicht absteigt." Das glaubt auch Fredi Bobic, von 1999 bis 2002 in Dortmund, "aber ein Selbstläufer wird es nicht. Wenn man immer nur von Qualität redet, steckt man schnell tief drin." Deshalb sei es zwar "bitter für Dortmund, aber schön für den Fußball, dass auch so eine Mannschaft mal unten reingerät."

Vertrauen in Klopp richtig, aber ...

Dass die Dortmunder nicht an Trainer Jürgen Klopp zweifeln, finden zwar alle grundsätzlich richtig, Freund weist aber auch auf die fehlenden Alternativen hin. "Die Frage ist doch: Was kommt danach? Wenn man den Trainer entlässt, muss man eine bessere Lösung haben", meint er: "Michael Zorc (Manager, d. Red.) und Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer, d. Red.) haben mit diesem Trainer alles Positive erlebt. Aber wenn sie ihn nicht entlassen und am Ende absteigen, fällt natürlich vieles zurück auf die beiden."

Helmer findet es "gut, wie der Verein nach außen damit umgeht", ist sich aber sicher, dass "es intern natürlich anders zur Sache geht. Da werden Diskussion geführt und es werden auch mal deutliche Worte fallen." Er glaubt, "dass es zwischen Klopp und dem BVB noch passt. Aber jeder Spieler wird bestätigen: Jeder Trainer nutzt sich irgenwann mal, ein wenig zumindest, ab." Freund fühlt sich erinnert an die Saison 1999/2000: "Da ist der BVB nach vielen großen Jahren einmal fast abgestiegen. Das wird eine ähnliche Saison werden." Entscheidend werde sein, "dass die Nerven halten."

Ernüchternde Generalprobe

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BVB-Coach Jürgen Klopp sah im letzten Testspiel einiges, das er gar nicht mehr sehen wollte.

(Foto: imago/Revierfoto)

Zumindest das letzte BVB-Testspiel bei Fortuna Düsseldorf sorgte nicht für uneingeschränkten Optimismus. Coach Jürgen Klopp kommentierte die ernüchternde Generalprobe der Dortmunder Borussen für den Abstiegskampf auf seine Art. "Wir sind nicht Aladin mit der Wunderlampe - zweimal reiben, und dann schießen wir alle Gegner aus dem Stadion", so der Trainer des deutschen Vizemeisters nach dem 1:1 (0:1) im letzten Testspiel beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Die Düsseldorfer Führung durch Joel Pohjanpalo (41.) glich Jakub Blaszczykowski per Foulelfmeter (81.) aus.

Bedenken mit Blick auf den Rückrundenstart der Tabellen-17. am Samstag (18.30 Uhr/Sky) beim Dritten Bayer Leverkusen ließ Klopp erst gar nicht zu. "Wir haben große Umfänge trainiert, da es ist klar, dass in den Testspielen die Frische fehlt." Allerdings dürften dem 47-Jährigen eine Defensiv-Blackouts seiner Truppe nicht entgangen sein. "Zweimal haben wir uns in eine total blöde Situation gebracht", gab Klopp zu.

Zumindest habe die Borussia schon einmal ihre  Zweitliga-Tauglichkeit unter Beweis gestellt, spotteten Fortuna-Fans. BVB-Kapitän Mats Hummels, der nicht nur beim Gegentor unglücklich agierte, konnte darüber nicht lachen. Seine Körpersprache sprach Bände, als er sich den Medien stellte. Licht und Schatten hatte der BVB-Kapitän ausgemacht und bilanzierte: "Wir haben auf jeden Fall noch einiges zu verbessern."

Fraglich ist in Leverkusen der Einsatz von Ilkay Gündogan. Der Nationalspieler zog sich in der ersten Halbzeit eine Oberschenkelverletzung zu und musste  in der 30. Minute ausgewechselt werden. Trainer Jürgen Klopp gab zunächst Entwarnung: "Der Muskel hat zugemacht. Die Auswechselung von Ilkay war eine Vorsichtsmaßnahme." Eine Untersuchung soll genauen Aufschluss über die Schwere der Blessur geben.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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