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Hoeneß sichert sich Einfluss Auch das war's jetzt noch nicht

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Uli Hoeneß geht, um zu bleiben.

(Foto: imago images / kolbert-press)

Der FC Bayern ohne den ewigen Uli Hoeneß - das ist eigentlich völlig undenkbar. Und so bleibt's auch bloß ein Gedankenspiel, selbst wenn er sich am 15. November offiziell und doppelt aus der Spitze des Fußball-Bundesligisten zurückzieht.

Was am 16. November dieses Jahres sein wird, das weiß Uli Hoeneß nicht. Wobei das eigentlich nicht ganz richtig ist. Denn eigentlich weiß Uli Hoeneß sehr wohl, was am 16. November dieses Jahres sein wird. Es wird der erste Tag nach 40 Jahren, an dem Uli Hoeneß keine Verantwortung mehr für den FC Bayern trägt. Es wird der erste Tag sein, an dem er nach 40 Jahren aufwacht - ohne einen Plan. Der 16. November ist der erste Tag nach der Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters. Auf dieser Versammlung wird Uli Hoeneß nicht mehr zur Wahl des Präsidenten des Münchener Fußball-Bundesligisten antreten. Und er wird dann auch als Vorsitzender des Aufsichtsrates zurückzutreten. Eine unvermeidliche Konsequenz. Das sagt Hoeneß an diesem Freitagnachmittag in der Münchener Arena. Fast 45 Minuten spricht er. Er erklärt sich, er erklärt seine Entscheidung. Er plaudert. Er scherzt. Er schimpft (ein bisschen). Und am Ende ist klar: Uli Hoeneß geht, um zu bleiben.

Offiziell bis 2023. So lange bleibt er dem Aufsichtsrat erhalten. Als einfaches, ratgebendes Mitglied. Aber als das wohl wichtigste Mitglied. Zwar betont er vor allem die Größe der Kollegen in diesem Gremium, noch mehr betont er aber, wie wichtig es ist, auch einen Mann an Bord zu haben, der 35 Länderspiele für Deutschland absolviert hat. So etwas erhöhe dann doch Akzeptanz bei denjenigen, um die es immer noch geht beim FC Bayern: Um Fußballer wie Robert Lewandowski, wie Joshua Kimmich oder auch wie Leroy Sané. Sané? Jaja, mit dem habe er natürlich gesprochen. Persönlich sogar, mehr mag er dazu nicht sagen. Ist ja schließlich laut des Chefkollegen Karl-Heinz Rummenigge eine verabredete Sache in München: Über umworbene Fußballer von anderen Klubs redet man nicht (mehr).

Karl-Heinz Rummenigge, das ist noch so ein großes Thema, über das Hoeneß nun in der Arena reden muss. Denn sein Kumpel Edmund Stoiber hatte unmittelbar von dem offiziell verkündeten Rücktritt am Donnerstagabend noch erklärt, dass "Zwistigkeiten" mit dem "Kalle" ein Grund für Hoeneß' freiwillige Machtreduzierung sind. Wer das aber glaubt, der hat da etwas gehörig missverstanden. Und das über Jahre. Ach, über Jahrzehnte. Klar, es habe Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen gegeben. Sagt Hoeneß. Es sei dabei auch mal laut geworden. Aber es sei immer nur um Sachfragen gegangen. Und das sei auch gut so. Unabdingbar gar. Denn Erfolg entsteht nur durch Reibung. Zum Beispiel das Double in der vergangenen Saison, das Hoeneß in der Bewertung der äußerst unruhigen Situation beim Rekordmeister zu schlecht wegkommt. Vielleicht auch, weil er das Duett aus Meisterschaft und Pokalsieg als eigenen, als seinen Erfolg verbucht? Als Erfolg gegen Freund-Feind Rummenigge? In der Personalie Niko Kovac, das ist der aktuelle Trainer des FC Bayern, war man Ende des vergangenen Jahres unterschiedlich unterwegs. Kovac-Fan Hoeneß setzte sich durch. Er rettete dem Trainer dem Vernehmen nach den Job.

Drei Einflusssicherer für Hoeneß

Und durchgesetzt hat Hoeneß sich auch bei der Auswahl seines eigenen Nachfolgers. Sein enger Freund Herbert Hainer soll die beiden mächtigen Ämter übernehmen. Als Mitglied des Aufsichtrates kennt er den Klub. Als Ex-Chef von Adidas weiß er, wie man große Unternehmen führt. Und nichts anderes als ein großes Unternehmen ist der FC Bayern unter dem Macher Hoeneß geworden. Ein großes und ein überaus erfolgreiches. Im vergangenen Jahr legte der Verein mal wieder die besten Zahlen der Geschichte vor. "Ich wollte den Klub in einem super Zustand übergeben." Dass das gelungen, daran lässt er keinen Zweifel. Sehr viel Geld haben die Münchener. Alles selbst verdient. Keine Abhängigkeit von einem Oligarchen. Keine Abhängigkeit von irgendeinem anderen großen Gönner. Dass das gut ist, auch daran lässt er keinen Zweifel. Die neuen Spieler auf der Bühne des internationalen Fußballs, Hoeneß beäugt sie kritisch. Sehr kritisch. In München steht der Gegenpol: "Dieser Verein ruht in sich selbst. Er ist in einem Topzustand."

Hainer als Nachfolger, der Verein auf allen Ebenen stabil und die Familie, die mehr Zeit fordert, das sind die erklärten Entscheidungsgründe von Hoeneß. Nichts da mit einem "Karl-Heinz-Konflikt". Und nur ein bisschen da mit Johannes Bachmayr. Bachmayr ist das Mitglied, das ihn bei der letzten Versammlung so vehement attackiert hatte. Und großen Beifall dafür erhielt. Eine Kampagne, wie Hoeneß nun noch einmal sagt. Tatsächlich gibt es im Internet eine "Uliout"-Bewegung. Ob Hoeneß die aber kennt? Zumindest behauptet er, noch nie im Internet gewesen zu sein. Es gibt viele Menschen, die das bestätigen. Die JHV-Attacke, so egal sie Hoeneß nun auch ist, sie war aber ein Moment, der Stein des Anstosses für den Abgang war. Hoeneß wirkte damals angreifbar. Die eskalierte "Wir-lassen-uns-das-nicht-mehr-bieten-Pressekonferenz" hatte die Liebe der Fans zu ihm erkalten lassen. Die war der Antrieb, nach der Haftstrafe noch einmal zurückzukehren. Gefeiert wurden seine Worte: "Das war's noch nicht."

Und auch wenn's nicht ausgesprochen ist: Auch das war's jetzt noch immer nicht. Einer, der das am besten weiß, ist Rummenigge. Kurz vor Ende der Medienrunde an diesem Freitag kommt er als Überraschungsgast. Mit einem Präsent. Mit einer Mini-Laudatio. Darin zitiert der "Kalle" unter anderem den einstigen britischen Premier Winston Churchill: "Wenn zwei dieselbe Meinung haben, ist einer überflüssig." Vielmehr gibt es zum Verhältnis der beiden Alphatiere wohl nicht zu sagen. Die anschließende Umarmung wirkt auch weniger herzlich als verkrampft. Ein bisschen aus der Routine geraten. Ein Abschied ist dieser Moment aber nicht. Ebenso wenig wie der Tag des Ämterverzichts am 15. November. Das weiß der Präsident. Das weiß der Vorstandvorsitzende. "Es ist nicht sein letzter Tag heute", sagt Rummenigge noch, "und es wird nie sein letzter sein." Vermutlich ist es so, dass nur der Tod die Ehe zwischen Hoeneß und den FC Bayern trennen kann.

"Das ist mir großartig gelungen"

*Datenschutz

Hoeneß hat sich Einfluss auch nach seinem Abschied massiv gesichert. Über Hainer an prominentester Position. Über Hasan Salihamidzic, dem aufgrund seiner guten Arbeit, so wertet das Hoeneß, eine Beförderung zum Sportvorstand winkt. Und über Oliver Kahn, für dessen Expertise der 67-Jährige sehr schwärmt, der mit Beginn des kommenden Jahres per Aufsichtsratsentscheidung zum neuen Klubchef aufgebaut werden soll. Zum Nachfolger von Rummenigge also. Hainer, Salihamidzic, Kahn - alles durchgesetzte Hoeneß-Lösungen. Und so kann der Patriarch nun entspannt sagen: "Es gibt so viele Politiker und Wirtschaftsführer, die ganz groß waren und abgeschlachtet wurden. Ich wollte durchs offene Tor gehen, durch das große Tor, ich wollte von niemandem auf der Welt aufgefordert werden, meine eigene Demission zu unterschreiben. Und das ist mir großartig gelungen."

Und nun? Klar, mal ausschlafen. Aber: "Ich werde kein Golf spielender älterer Rentner sein und über den Tegernsee schauen. Sie brauchen sich keine Sorgen machen, von mir wird schon noch was zu hören sein." Vor allem beim FC Bayern. Denn sollten die Verantwortlichen dort seinen Rat suchen, was er als Mitglied des Aufsichtsrates als seine Aufgabe ansieht, seien sie bei ihm am Tegernsee herzlich zu Kaffee, Kuchen und Rostbratwürsten eingeladen. "Mein Tür steht immer riesig weit offen", sagt er. Aber man müsse halt kommen, denn aufdrängen werde er sich nicht.

So und dann? Dann "ham wa's". Abgang. Aber kein Abschied. Garantiert nicht.

Quelle: n-tv.de

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