Fußball

Heynckes' Bayern schlagen HSV Auch ein Zittersieg ist ein Sieg

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Gingen am Ende trotz aller Unstimmigkeiten als Sieger vom Platz: die Bayern

(Foto: imago/Uwe Kraft)

Der Rumpelsieg beim HSV mag keinen Schönheitspreis verdient haben. Dennoch hat der FC Bayern unter Jupp Heynckes das Siegergen wiedergefunden. In Hamburg drohen derweil die ersten Trainerdiskussionen.

Drei Pflichtspiele bestritten, alle mit null Gegentoren gewonnen, zudem in der Fußball-Bundesliga fünf Punkte auf den Spitzenreiter Borussia Dortmund aufgeholt - unter Jupp Heynckes sind die Bayern zurück auf der Erfolgsspur. Bereits zwölf Tage nach seiner Rückkehr auf den Trainerstuhl wird der 72-Jährige deswegen bereits als Heilsbringer gefeiert. "Der Trainer hat ganz klar vorgegeben, was Einsatz, Disziplin und Mannschaftsdienlichkeit bedeuten - das sieht man auf dem Platz", schwärmte Sportdirektor Hasan Salihamidžić und fügte hinzu: "Der Trainer macht das einfach super. Er führt viele persönliche Gespräche, macht viele Sitzungen und viele Videoanalysen. Er ist richtig gut drauf."

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Musste sich des öfteren die Haare raufen: Bayerns Trainer Heynckes

(Foto: imago/Revierfoto)

Kann ein so kurzer Zeitraum wirklich genügen, um einer verunsicherten Mannschaft wieder das Siegergen einzupflanzen? Vor nicht einmal einem Monat blieben die Bayern noch drei Pflichtspiele in Folge sieglos und gingen in der Champions League 0:3 gegen Paris Saint-Germain unter. Heynckes hat offenbar die richtigen Maßnahmen getroffen. "Es ging darum, viele Trainingsreize zu setzen", erklärt der Übungsleiter. "Ich musste die Mannschaft wieder in die Spur bringen, musste sie wieder einen besseren Fußball spielen lassen. Und zwar mit Begeisterung, Spaß und Lockerheit."

Ganz rund lief das 1:0 beim Hamburger SV allerdings nicht. In der ersten Halbzeit tat sich der Rekordmeister überraschend schwer. Es gab Abspielfehler, wenig Tempo und lediglich drei Torschüsse - der schlechteste Wert in dieser Saison. Arjen Robben zeigte sich selbstkritisch: "Die Raumaufteilung auf dem Platz war nicht gut. Wir sind überhaupt nicht nach vorne gekommen." In der zweiten Halbzeit allerdings fand München zur altbekannten Souveränität zurück. Sicherlich auch dadurch begünstigt, dass die Hamburger nach der roten Karte für Gideon Jung 51 Minuten in Unterzahl spielen mussten. Zwei Pfostenschüsse verhinderten einen höheren Sieg der Bayern.

Heynckes setzt auf Rotation

Möglicherweise war der schwerfällige Beginn der Bayern auch mit der Rotation zu begründen. Nach dem 3:0 gegen Celtic Glasgow in der Champions League fanden gleich fünf neue Spieler ihren Weg in die Startelf: Niklas Süle, James Rodriguez, Rafinha, Arturo Vidal und der Siegtorschütze Corentin Tolisso. "Wir haben ein riesiges Programm, daher muss ich alle Spieler mit ins Boot nehmen", erklärte Heynckes. Der Trainer weiß, dass so eine Maßnahme nicht frei von Risiken ist: "Das sind zwar alles gestandene Nationalspieler. Aber durch Rotation kann der Spielrhythmus verlorengehen. Die erste Halbzeit war daher Schwerstarbeit."

Wie stark die Bayern unter Heynckes nun wirklich sind, wird die kommende Woche zeigen. Unstrittig ist: Freiburg, Glasgow und Hamburg waren keine Gegner auf Augenhöhe. RB Leipzig hingegen ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Gleich zwei Mal innerhalb von 70 Stunden treffen die beiden Mannschaften aufeinander. Zunächst am Mittwochabend im DFB-Pokal in Leipzig, dann am Samstagabend in der Bundesliga in München.

Der Respekt vor dem Gegner ist groß. "RB Leipzig ist eine super Mannschaft. Die spielen entschlossen nach vorne", weiß Salihamidžić. Innenverteidiger Mats Hummels ergänzte: "Leipzig hat unheimlich viel Qualität. Die spielen mit einem sehr intensiven Gegenpressing. Da muss man von der ersten Sekunde an wach sein. Die werden uns das Leben richtig schwer machen." Fraglich ist, ob der formstarke Thomas Müller mitmischen kann. Der Offensivspieler verletzte sich in Hamburg bei der Torvorlage am Oberschenkel. Eine Untersuchung im Verlaufe des Sonntags soll Klarheit bringen.

Trainerdiskussion in Hamburg?

Ganz andere Sorgen macht sich der HSV. Seit sieben Spielen sind die Hamburger sieglos. In den vergangenen vier Heimspielen wurde nicht einmal ein Tor erzielt. Das hat es in der langen Geschichte des Bundesliga-Dinos noch nie gegeben. Am Sonntag könnten die Hamburger schlimmstenfalls auf Tabellenplatz 17 durchgereicht werden. Ist das ein Grund, um in Hamburg wieder eine Trainerdiskussion zu entfachen? Es wird zwar bereits spekuliert, dass Trainer Markus Gisdol kein weiteres Spiel mehr verlieren darf, Vereinsboss Heribert Bruchhagen stellte nach der Niederlage gegen die Bayern allerdings klar: "Diese Spekulationen sind falsch."

Nächsten Samstag geht es nach Berlin zu Hertha BSC. Eine Mannschaft, bei der der HSV seit Jahren keine gute Figur abgibt. Die vergangenen vier Auswärtsspiele gingen verloren - und das mit einem Torverhältnis von 0:9. Tatsächlich ist es kaum vorstellbar, dass der um Ruhe bemühte Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt die Trainerfrage von so einem Spiel abhängig machen. Eine Woche später allerdings steht ein Heimspiel gegen Aufsteiger VfB Stuttgart an - direkt vor der Länderspielpause. Und das ist bekanntermaßen ein beliebter Zeitpunkt für Trainerwechsel. Ob das dem HSV gut tun würde, darf allerdings bezweifelt werden.

Quelle: n-tv.de

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