Fußball

So läuft der 16. Spieltag, Teil II BVB wie ein Absteiger, Hummels verwirrt

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Oh mein Gott! Mats Hummels in Berlin. Wie sein Kollege heißt, steht auf seinem Trikot.

(Foto: imago/Thomas Bielefeld)

Van der Vaart blafft einen Reporter an, Hertha verordnet gute Laune und beim BVB wollen sie sich "total einsetzen" - der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga ist in vollem Gange. Davon ist der FC Bayern trotzt vieler Verletzter Lichtjahre entfernt.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

Haben sie schon, haben sie schon. Am Dienstagabend gewann der FC Bayern zum Auftakt dieses 16. Spieltags der Fußball-Bundesliga gegen den SC Freiburg, wobei das Ergebnis weitaus weniger deutlich ausfiel, als es die Überlegenheit des souveränen Spitzenreiters tatsächlich war. Die Datensammler von Opta notierten nicht nur zwei Tore für die Bayern und keinen Treffer für die Gäste, sondern auch ein Ballbesitzverhältnis von 82 Prozent zugunsten der Münchner, die 13 Mal aufs Tor des Gegners schossen, während die Freiburger es gar nicht erst versuchten. 1116 Ballkontakte hatte die Mannschaft von Trainer Josep Guardiola, 365 die des Kollegen Christian Streich.

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Einen Wunsch hat er noch: Josep Guardiola.

(Foto: dpa)

Da bleiben keine Fragen offen. Ach, eins noch: Die Bayern, nun seit 20 Partien ungeschlagen, haben jetzt als erstes Team in der 51 Jahre währenden Geschichte der Liga 13 Hinrundenspiele ohne Gegentor; wieder ein Rekord also. Während die Freiburger nun Tabellenvorletzter sind und zum Abschluss der Hinrunde am Sonntag gegen Hannover spielen, treten die Münchner am Freitag beim FSV in Mainz an. Dabei wird definitiv Mehdi Benatia fehlen. Der Abwehrspieler musste mit einer Leistenverletzung ausgewechselt werden. Fraglich ist zudem, ob Robert Lewandowski, Xabi Alonso und Jérôme Boateng gegen Mainz zur Verfügung stehen. "Wir müssen sehen, ob wir das bis Freitag hinkriegen", sagte Sportvorstand Matthias Sammer. "Es bleibt nicht viel Zeit." Nur das niemand glauben mag, dass die Bayern ohne das angeschlagene Trio ein Problem hätten. Guardiola hat dennoch einen Wunsch: "Besser zu spielen." In den Ohren der Konkurrenz muss das wie Hohn klingen. Doch der Trainer erläuterte noch, was er damit meint: "In diesem großen Verein musst du immer gewinnen. Natürlich können wir unsere Spielweise verbessern - kleine Details. Am Ende, wenn du zum Beispiel in der Champions League spielst, entscheiden die kleinen Details." Genau das ist der Punkt. In der Liga gibt es längst keine Konkurrenz mehr.

Wie läuft die Dortmunder Aufholjagd?

Wenn am vergangenen Samstag jemand im Berliner Olympiastadion gewesen wäre, der sich zwar mit Fußball auskennt, aber nichts über Bundesliga weiß, der hätte konstatiert: Borussia Dortmund spielt wie ein Absteiger. Während sich die Hertha den Sieg mit viel Einsatz, Leidenschaft, einer konsequenten Defensivarbeit, einigen ordentlichen Kontern und einem wunderschönen Tor den Sieg verdiente, kam vom BVB - nichts. Bisher hatten die Dortmunder gut gespielt und verloren. Mittlerweile spielen sie schlecht und verlieren. Und stehen auf Tabellenplatz 16. Dabei ist das, wenn man die Namen der Spieler nimmt, immer noch eine großartige Mannschaft. Aber offensichtlich kein Team, das erkannt hat, wie ernst die Lage ist.

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"Unser Auftrag ist es, das Maximale herauszuholen": Jürgen Klopp.

(Foto: AP)

Hinzu kommen Misstöne, die dem unbeirrt guten Verhältnis zwischen Mannschaft und zu den Fans, die auch in Berlin ihre Mannschaft wieder feierten, ganz gewiss nicht guttun. Während Trainer Jürgen Klopp und seine Spieler nach dem Abpfiff am Samstag zu den Anhängern in die Kurve gingen, schlich sich einer davon. Kapitän Mats Hummels ging erst wortlos an Klopp vorbei, als der von der Bank aufs Spielfeld schritt, zog weiter in Richtung Fans, um dann aber abzudrehen und mutterseelenallein in Richtung Kabinen zu gehen. Danach ward er nicht mehr gesehen. Hinterher hatte Hummels seinen Abgang zwar mit Rückenschmerzen begründet. Die Fans aber hatten wenig Verständnis dafür, dass die Kraft nicht einmal mehr gereicht haben soll, um sich kurz für die - angesichts der Misere immer skurriler anmutende - Unterstützung zu bedanken und kurz tschüss zu sagen. Verwirrend das Ganze. Da trifft es sich schlecht, dass in dieser Situation heute (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) der Tabellenzweite aus Wolfsburg zu Gast im natürlich ausverkauften Westfalenstadion ist. Trainer Klopp macht das, was er seit Wochen macht. Er beteuert, dass alle wissen, worum es geht. "Wir sind uns der Wichtigkeit der letzten Fußball-Woche des Jahres 2014 bewusst. Sie muss ein Geschenk für den Verein und die Fans werden." Und: "Unser Auftrag ist es, das Maximale herauszuholen. Ich kann versprechen, dass wir uns total einsetzen werden." Wir sind gespannt.

Was passiert sonst noch?

Der Kampf der Kellerkinder geht weiter, heute sind Werder Bremen (in Mönchengladbach), Hertha BSC (in Frankfurt) und der SC Paderborn (gegen Schalke) an der Reihe. Immerhin gehen die Berliner und die Ostwestfalen gestärkt in diese Partien. Während die Hertha wie erwähnt am Wochenende den BVB schlug, ergatterten die Ostwestfalen einen Punkt in Wolfsburg. In Berlin haben sie sogar, wie der "Tagesspiegel" berichtete, positives Denken verordnet. Denn wenn man nach einem Sieg keine gute Laune hat, "verfehlt man auch irgendwie seinen Beruf", sagt Trainer Jos Luhukay. Und beim SC Paderborn haben sie sich Großes vorgenommen. "Wir müssen alle Kräfte bündeln, um zu Hause erstmals auch einen Großen zu schlagen", fordert Übungsleiter André Breitenreiter. Klingt doch ganz kampfeslustig.

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"Hast du schlecht geschlafen?": Rafael van der Vaart.

(Foto: dpa)

Wie sehr aber der drohende Abstieg an den Nerven zehren kann, wissen sie nicht nur in Dortmund. Auch Hamburgs Kapitän Rafael van der Vaart ist, sagen wir, etwas gereizt. Nach der Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart blaffte er gestern am späteren Abend erst einmal Rolf Fuhrmann vom Bezahlsender Sky an. "Hast du schlecht geschlafen?" Dabei hatte der Reporter doch nur mal nachgefragt, warum van der Vaart nach seinem Fehlpass vor dem Gegentor denn nicht zurücklaufen war und seinen Kollegen in der Abwehr geholfen - oder es zumindest versucht - hatte. Und warum er in der zwölften Minute Georg Niedermeier von VfB Stuttgart ohne Not einfach umgerannt hatte. "Soll ich dafür eine Rote Karte kriegen? Was stellst du mir für komische Fragen?" Vielleicht wäre van der Vaart besser wortlos in die Kabine gegangen.

Wo wird's brisant?

Abgesehen davon, dass alle nach Dortmund schauen, ist auch die Partie in Mönchengladbach ganz interessant. Für die Bremer, weil dieses Spiel der Anfang vom Ende sein könnte. Verliert die Mannschaft von Viktor Skripnik und dann auch noch die Partie am Samstag gegen den BVB, dann überwintert Werder auf dem letzten Tabellenplatz. Für die Gladbacher hat diese Partie einen gewissen Reiz, weil sie sich mit einem Sieg heute und sagen wir einen Punkt zum Abschluss der Hinrunde am Samstag in Augsburg auf einem der Plätze festsetzen könnten, die im kommenden Jahr zur Teilnahme an der Champions League berechtigen. Kurzum, es steht einiges auf dem Spiel. Das weiß auch Gladbachs Manager Max Eberl: "Wir spielen eine sehr gute Hinrunde." In der Tat hat die Borussia, zählt man DFB-Pokal und Europaliga mit, nur drei von 25 Pflichtspiele verloren. "Jetzt wollen wir das Halbjahr mit entsprechenden Ergebnissen abrunden." Und die Bremer? Haben einen Plan für die letzten beiden Begegnungen in diesem Jahr. Sie wollen nämlich, wie Trainer Skripnik sagte, so viele Punkte wie möglich sammeln. Genial. "Sechs Punkte wären perfekt, vier sehr gut und so weiter."

Für welchen Trainer wird es eng?

Am Anfang der Saison haben alle über die Leverkusener gestaunt. Sie spielten schnell, sie spielten aggressiv, sie spielen gut - und sie gewannen. Roger Schmidt war so etwas wie der Trainer der Stunde. Mittlerweile spielt Leverkusen wieder wie Leverkusen, was nicht heißt, dass sie schlecht spielen, aber eben auch nicht überragend. In dieser Liga reicht das immer noch für Platz drei, aber richtig zufrieden sind sie nicht. Nach dem Remis gegen Gladbach am Sonntag gab Geschäftsführer Michael Schade zu bedenken: "Ich sage das noch mal: Wir sind unter unseren Erwartungen, wir haben zu viele Punkte liegen gelassen." Er hat seine Kritik zwar, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, im lockeren Plauderton vorgetragen. Aber er hat auch gesagt: "Sechs Siege aus 15 Spielen - das ist erschreckend wenig."

Allerdings: "Dafür stehen wir erschreckend gut." Will meinen: Der FC Bayern spielt eh in seiner eigenen Welt, was aber das erneute Erreichen der europäischen Königsklasse betrifft, ist noch alles drin. Allerdings hat die TSG Hoffenheim, bei der Bayer Leverkusen heute gastiert, als Tabellensiebter nur einen Punkt weniger auf dem Konto. Das legt den Schluss nahe, dass es Schmidt nicht zum Nachteil gereichen würde, wenn seine Mannschaft gewönne.

War sonst noch was? Phantomtor? Flutlichtspiel? Na, klingelt's? Genau. Dennoch bemüht sich Hoffenheims Trainer Markus Gisdol, sich nicht zu erinnern. Wohl wissend, dass das bis heute letzte Gastspiel der Werkself in Sinsheim am 18. Oktober 2013 eine kleine Revolution auslöste. Nach zwei Anläufen hat die Liga mittlerweile beschlossen, zur kommenden Saison die Torlinientechnik einzuführen, weil Leverkusens Stefan Kießling seinerzeit den Ball von außen durch ein Loch im Netz ins Tor geköpft hatte, was Schiedsrichter Felix Brych übersah und den Treffer zum 2:0 anerkannte. Geht es nach Gisdol, hat Kießling heute aber nichts zu befürchten: "Unsere Fans sind immer korrekt aufgetreten. Ich denke nicht, dass da etwas Besonderes zu erwarten ist."

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Es ist mir relativ egal." Hoffenheims Trainer Markus Gisdol will vor dem Spiel gegen Leverkusen von der Sache mit diesem Phantomtor partout nichts mehr wissen.

Quelle: ntv.de