Fußball

3:0-Führung dramatisch verspielt Barças Kollaps setzt Xavi massiv unter Druck

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Depay kann es kaum fassen.

(Foto: REUTERS)

Beim FC Barcelona wird alles gut, so scheint es bis zur Halbzeitpause im Spiel bei Celta Vigo. Vereinslegende Xavi wird neuer Trainer, der katalanische Fußballklub führt souverän. Um dann gnadenlos zu zerbrechen. Der zukünftige Coach muss sich schleunigst etwas einfallen lassen.

Dieser Samstag, er schickte sich an, der Wendepunkt in der Krise des FC Barcelona zu werden. Erst bestätigte der katalanische Klub, dass die Vereinslegende Xavi neuer Cheftrainer wird. Am Nachmittag spielte das Team in der Liga bei Celta Vigo groß auf. Um dann doch noch das zarte Pflänzchen der Hoffnung gnadenlos wieder zu zerrupfen. "Willkommen, es gibt eine Menge Arbeit", titelte die "Sport" und schickt ketzerische Grüße an Xavi.

Die Krise, sie ist beim FC Barcelona längst nicht ausgestanden. Supertalent Ansu Fati hatte sein Team früh in Führung gebracht (5.), ehe Kapitän Sergio Busquets (18.) nachlegte und Memphis Depay (34.) noch vor der Pause auf 3:0 erhöhte. Dieser Samstag, er lief perfekt, der Weg für Xavi schien gar nicht mehr so steinig, wie alle gemutmaßt haben. Dass er es doch ist, liegt am 3:3-Endstand. Denn Barça verspielte die komfortable Führung tatsächlich noch. Es war das erste Mal seit Januar 1998, dass der Klub eine 3:0-Führung hergab, damals zog der FC Valencia noch mit 4:3 vorbei. Nun retteten Iago Aspas (52., 90.+6) und Nolito (74.) Celta einen Punkt.

Barça dümpelt auf Platz neun der spanischen Primera Division herum, Xavi, von dem natürlich nichts weniger als Heldentaten erwartet werde, hat eine Monsteraufgabe vor sich. Der 41-Jährige, der am Montag offiziell von Vereinspräsident Joan Laporta vorgestellt wird, freut sich eigener Aussage zufolge riesig auf seinen neuen Job: "Ich komme mit einer Maximalforderung zu Barça, wir sind der beste Klub der Welt", sagte er "Mundo Deportivo".

Das ist mindestens gewagt, was der Mann, der als Spieler nur für Barcelona kickte, da sagt. Klar, er muss es sagen, schon seines Jobs wegen. Und für einen, der bereits 20 Jahre im Verein hinter sich hat, mag das auch wirklich die Überzeugung sein. Doch mindestens diese Saison straft ihn Lügen. Und da sind die mehr als eine Milliarde Euro Schulden noch gar nicht eingerechnet. Schulden übrigens, die mit seiner Verpflichtung noch anwachsen, schließlich will der katarische Klub Al Sadd fünf Millionen Euro Ablöse haben.

Massives Lazarett

Sportlich geht aktuell wenig bis gar nichts in Barcelona. Das gilt nicht nur national, sondern auch international für die Champions League, wo Barca das Weiterkommen noch längst nicht sicher hat. Ronald Koeman musste gehen, Interimstrainer Sergi Barjuan hat es nicht leicht - und das wird auch für Xavi gelten. Der Kader der Verletzten ist fast so groß wie der der Spielfähigen. Die Offensiven Ousmane Dembélé, Sergio Agüero, Martin Braithwaite, Sergi Roberto und Pedri fehlen ebenso wie die Defensiven Sergiño Dest, Gerard Piqué und Moussa Wagué sowie Ersatzkeeper Neto. In der Halbzeit bei Celta mussten dann auch noch Fati mit einer Oberschenkelverletzung und Innenverteidiger Eric Garcia ausgewechselt werden, in der zweiten Halbzeit traf es zudem den 19-jährigen Mittelfeldmann Nico Gonzalez.

Wer soll da überhaupt noch für den dringend nötigen spielerischen Aufschwung sorgen? Dass Xavi genug Baustellen zu bearbeiten hat, steht außer Frage. Auswärts hat Barça in dieser Saison noch gar nicht gewonnen, da führt die Partie bei Celta die unrühmliche Statistik nur fort. Das nächste Auswärtsspiel steht beim kriselnden beim Europa-League-Gewinner FC Villarreal an. Da kommt es Xavi und Barça gelegen, dass der Klub noch schlechter dran ist als man selbst, nur Platz 14 für Villarreal. Allerdings galt das auch für Celta, das noch hinter Villarreal platziert ist.

Länderspielpause verschafft etwas Zeit

Doch auch das nächste Spiel ist kein einfaches: das Stadtderby gegen Espanyol (Samstag, 20. November, 21 Uhr). Sollte Espanyol siegen, zieht der kleine Nachbar in der Tabelle vorbei. Auch wenn diese verzerrt ist, weil Barça ein Spiel weniger absolviert hat. Dass die Länderspielpause ansteht, verschafft Xavi indes etwas Zeit. Zeit, das Team kennenzulernen, ihm neue Hoffnung einzuimpfen, die größten Fehler zu bereinigen. Andererseits wird der 41-Jährige mit einem Rumpfkader in dieser Zeit auskommen müssen, schließlich werden viele Profis zu ihren Nationalmannschaften fliegen.

Erst 19 Tore selbst geschossen, dafür schon 15 kassiert, diese Statistik zeigt die allumfassenden Schwächen des Teams. Real Madrid steht bereits bei 28 Saisontoren. Gerade einmal drei Liga-Spiele zu null sind zu wenig für die Spitze. Entsprechend hart geht "Mundo Deportivo" mit dem Klub ins Gericht: Die Defensive ist zu anfällig, der Zug zum Tor fehlt, das komplette Team hat keine gefestigte Mentalität, es fehlt ein Anführer. Das sind nur einige Kritikpunkte. Auch, dass Stürmer Luuk de Jong und Verteidiger Samuel Umtiti keine wirkliche Rolle spielen, bemängelt die Zeitung. Schließlich wären sie gesund und einsatzbereit.

"Alles, was Xavi reparieren und korrigieren muss", lautet der Titel dieser Handlungsanweisung. Eine Liste, die Xavi einfach nur abarbeiten muss - wäre Fußball denn nur so einfach. Der FC Barcelona sucht sich selbst. Nach dem Abgang von Vereinslegende Lionel Messi gibt es auf dem Platz viel zu viele falsche Entscheidungen. Da lässt sich die nächste Vereinslegende wahrlich auf eine Monsteraufgabe ein. Dafür steht dieser Samstag sinnbildlich.

Quelle: ntv.de

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