Fußball

So läuft der 9. Spieltag Bayern duscht, Bremen debakelt, HSV tönt

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In München darf schon wieder geduscht werden, gegen Bremen gibt es einen neuen Bundesliga-Startrekord für die Münchner - sagt Bremen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Werder Bremen geht befreit ins Spiel gegen den FC Bayern. Selbst eine 0:12-Niederlage ändert nix an der Weser. Der HSV provoziert seine Ex-Talente und in Köln macht sich der Geißbock schick für die Champions League.

Was macht Guardiolas FC Bayern?

Der kann das nächste Fass Weißbier kalt stellen. Nach dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft fällt am späten Samstagnachmittag der Startrekord der Bundesliga. Neun Spiele, neun Siege - das gab's bisher noch nicht. Warum wir uns da so sicher sind? Nun, Gegner Werder Bremen kapituliert bereits vor dem Anpfiff und spricht Coach Viktor Skripnik selbst bei einer 0:12-Klatsche (das wäre übrigens die Einstellung des höchsten Bundesliga-Sieges) das volle Vertrauen aus. Thomas Eichin nennt das im "Kicker" übrigens Realismus, in Worten ausgesprochen heißt das: "Wir kalkulieren im Heimspiel gegen Bayern keine Punkte ein." Das mit den Punkten ist an der Weser derzeit ohnehin ein heikles Thema. Denn seit Spieltag vier stagniert das Konto bei sieben Zählern. Damals bedeutete das noch einen starken sechsten Platz mit Tendenz nach oben, es standen ja die Spiele gegen die beiden Aufsteiger an.

Durch vier Nullrunden in Serie mit nur einem einzigen Treffer befindet sich Werder nun aber in der akut abstiegsgefährdenden Tabellenregion. Dass mit Aron Johannsson, dessen Nerven in der Hüfte irritiert sind, der letzte Bremer Torschütze ausfällt, macht die Stimmung in Bremen nicht zwingend besser. Bayerns Bilanz in den letzten drei Gastspielen an der Weser lautet übrigens: 9 Punkte, 13:0-Tore.

Wer sind die größten Spielverderber?

Rein tabellarisch die Borussen aus Dortmund. Um nach der 1:5-Abreibung in München Verfolgerchen Nummer eins zu bleiben, bräuchten die Dortmunder nach drei sieglosen Ligaspielen aber mal wieder einen Dreier. Bei Thomas Tuchels eher brisanter als girlandenbehangener Rückkehr nach Mainz träumt der BVB von zwei Wiederauferstehungen: Der von Tuchels Ergebnismonstern, die in den ersten elf Pflichtspielen der Saison die Republik begeisterten. Und der von Marco Reus - falls ihn Tuchel endlich mal richtig einsetzt. "Reus von der Rolle", diese Schlagzeile hätte sich zuletzt regelmäßig angeboten, auch beim Georgien-Krampf der DFB-Elf. Der "Kicker" fragt nun aber auf einer ganzen Seite ganz Fachblatt: "Reus in der falschen Rolle?" Und schießt dann scharf mit Statistiken. Ergebnis: 79 Prozent (45 Tore, 33 Vorlagen) seiner insgesamt 57 Tore und 42 Vorlagen für den BVB verbuchte Reus, wenn er in der Startelf auf links oder in der Mitte ran durfte. Lief er zunächst rechts auf, wie unter Tuchel in dieser Saison, sank seine Effektivität deutlich.

Richtig wohl fühlt sich Reus im Tuchel-BVB noch nicht, das ist nicht zu übersehen. Weil er falsch spielt? "Theorie-Diskussion", befindet BVB-Boss Hans-Joachim Watzke zu diesem Thema und versichert: "Marco wird wiederkommen, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen." Statistisch, das hat der "Kicker" ebenfalls eruiert, stehen die Chancen dafür gegen Mainz bestens: Gegen keinen anderen Verein siegte Reus öfter (8) und scorte besser (8 Tore/5 Vorlagen). Auf welcher Seite er in den Spielen gegen den FSV begann, ist allerdings unbekannt.

Stürmen Köln und Hertha in die Champions League?

Im großen Schatten, den am achten Spieltag das Duell FC Bayern gegen Dortmund warf, ging eine Heldentat unter: Die des 1. FC Köln, der Schalkes Hoffnungen auf einen Siegesrekord mit einem 3:0 pulverisierte – in Gelsenkirchen. Ein kausaler Zusammenhang zu aktuellen Meldungen, wonach Schalkes Sportvorstand Horst Heldt im Sommer 2016 seinen Posten verlieren wird, wäre freilich arg konstruiert. Fakt ist aber, dass die Truppe von Peter Stöger derzeit die Nummer eins im Rheinland ist und nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz außerhalb der Champions-League-Ränge liegt. Bedenkt man aber, dass der FC seit 14 Heimspielen ungeschlagen ist und als nächstes Hannover 96 mit Dauer-Wackel-Trainer Michael Frontzeck empfängt, könnte am Sonntag gegen 17.20 Uhr gefühlt schon die Karnevalssaison beginnen - wenn bestenfalls der Sprung auf Platz drei gelingt. Dann lässt Geißbock Hennes bestimmt schon mal Maß nehmen fürs Champions-League-Outift.

Dazu müsste sich Schalke allerdings gegen Hertha BSC im eigenen Stadion mit höchstens einem Punkt bescheiden - was wiederum durchaus realistisch ist. Schalke punktete in dieser Saison trotz oft mäßiger Leistungen bis zur Köln-Klatsche zwar prächtig. Doch Hertha ist, Überraschung!, aktuell Tabellenvierter und liegt nur zwei Zähler hinter den drittplatzierten Schalkern. Ein Punkt in Gelsenkirchen ist durchaus drin, ein Sieg für den Berliner Coach Pal Dardai nicht ausgeschlossen. "Letztes Jahr haben wir es nicht hingekriegt gegen Mannschaften mit großen Qualitäten. Jetzt wollen wir das tun", sagte der Ungar und kündigte forsch an: "Wir werden mit einer Doppelspitze spielen."

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

"Siegen oder fliegen!" Das klingt brisant, was? Noch brisanter ist allerdings die Innovation, an der André Schubert in Gladbach arbeitet. Für ihn könnte demnächst gelten: Siegen und fliegen. Seit er am 22. September den noch warmen Trainerstuhl des getürmten Lucien Favre übernommen hat, feierte die zuvor punktlose Borussia drei Erfolge in Serie. Manager Max Eberl sucht immer noch nach einem neuen Chefcoach, Schubert gilt offiziell weiter als Interimslösung. Allerdings tut sich an der Trainerfront nicht wirklich viel, als letzter Kandidat wurde über den Ex-Bochum-Coach Marcel Koller spekuliert - das war aber schon vor einer Woche. Nächster Gegner der Borussen ist Eintracht Frankfurt - oder sollten wir sagen: nächstes Schubert-Opfer?

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Ihn haben sie in Hamburg nicht mehr lieb: Hakan Calhanoglu.

(Foto: imago/mika)

"Kommt ihr mal nach Hause!" - so droht der Hamburger SV in Richtung seiner rheinischen Zweigstelle in Leverkusen. Gleich fünf Top-Talente packten seit 2010 ihre Seesäcke an der Elbe und heuerten am Rhein an. Während Sidney Sam (FC Schalke 04), Heung-Min Son (Tottenham Hotspur) und Levan Öztunali (an Werder Bremen ausgeliehen) aber schon nicht mehr für Bayer kicken, haben sich Hakan Calhanoglu und Jonathan Tah in der Mannschaft von Coach Roger Schmidt einen Stammplatz erarbeitet. Und gerade Calhanoglu taugt in Hamburg ganz wunderbar zum Judas. Nach seinem quasi erzwungenen Abgang im Sommer 2014 ist der Freistoßkünstler im Rekordtempo am FC St. Pauli vorbeigesaust und steht bei den Fans nun ganz oben auf der Liste des Ungeliebten. In Leverkusen haben sie dagegen nur wenig übrig für diese Feindseligkeiten, die Verständnislosigkeit beruht auf dem eigenen Samaritertum. Denn Bayer hat die Talente ja nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an den Rhein verschifft, sondern satte 34 Millionen Euro an die Elbe überwiesen. Geld, das der klamme Klub in den vergangenen fünf Jahren mehr als gut gebrauchen konnte. Und um das Ganze mal in seinem Satz zusammenzufassen, lassen wir mal Bayers Ex-Manager Reiner Calmund sprechen, der analysiert knallhart: "Das ist kein normales Spiel. Da ist Zündstoff drin."

Das gilt übrigens so gar nicht für das Heimspiel der Augsburger gegen den SV Darmstadt. In Darmstadt sind sie total glücklich, dass sie auch nach acht Spieltagen noch total sorgenfrei durchs Mittelfeld der Liga wabbern. Und auch die Augsburger sind irgendwie nicht unzufrieden, trotz Relegationsrang 16. So erkannte Kapitän Paul Verhaegh: "Wir machen viel richtig." Aber: "Uns fehlt vorne die Effektivität" und "Wir haben zu wenig Punkte." Zumindest für die letzten beiden Erkenntnisse können wir sagen: Stimmt! Und …

Für welchen Trainer wird's eng?

… gehen sogar noch einen Schritt weiter, wenden Verhaeghs Lehren nämlich auf Tabellenschlusslicht Stuttgart an. Der VfB steht in dieser Saison bislang für maximales Spektakel bis vors Tor, doch dort leiden die Schwaben an derselben Infektion wie die Weltmeister-Elf. Da will das Runde plötzlich nicht mehr ins Eckige. Die nächste Chance auf Genesung gibt's für das Team von Alexander Zorniger am Sonntagabend zum Abschluss des Spieltags gegen Ingolstadt. Und die freuen sich so richtig, dass sie mal wieder auf Reisen gehen dürfen. Denn, Obacht, das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl ist das ERFOLGREICHSTE Auswärtsteam der Bundesliga, zehn Punkte sammelte der Aufsteiger bei bisher vier Gastspielen. Kommen in Stuttgart Punkte dazu, wird es für Zorniger doch langsam eng.

Vielleicht für Markus Gisdol? Vielleicht aber auch nicht. So richtig weiß das der Trainer wahrscheinlich selbst nicht. Nur so ist seine Analyse der gegenwärtigen Hoffenheimer Situation zu interpretieren. Nach fünf Punkten aus den letzten drei Spielen sagt er: "Wären das die ersten drei Spiele gewesen, würde jeder sagen: guter Start." Doch es waren die Spieltage sechs, sieben und acht. Und deswegen sagt Gisdol jetzt: "Es gab da vorher schon fünf Spiele, das ist ein bisschen blöd." Verworrene Situation. Ein bisschen mehr Klarheit zur Standfestigkeit seines Trainerstuhls könnte da zum Beispiel ein Sieg bei den der Spitze hinterherhechelnden Wölfen bringen. Die sind mittlerweile auf Rang neun abgerutscht und ringen nach der 1:5-Klatsche bei den Bayern und dem VW-Abgasskandal immer noch um frische Luft. Gisdol hat das registriert, beschreibt die Situation aber sehr devot: "Es läuft sicherlich auch in Wolfsburg noch nicht alles rund." Um dann bei den Zielen noch devoter zu werden: "Es wäre schön, wenn wir da einen Punkt mitnehmen."

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Lederhose, ich habe alles dabei. Im Trainingsanzug werde ich nicht dastehen, ich werde ein schönes Outfit anhaben. Lasst euch überraschen." Stefan Effenberg freut sich auf ein rundum schönes Trainerdebüt beim SC Paderborn 07 - in der, richtig, 2. Liga.

Quelle: ntv.de

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