Fußball

Trainer weiter auf Bewährung Bayerns Fußballer halten Kovac im Amt

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Alles gut beim FC Bayern? Die Laune jedenfalls stiimmt und offenbar auch die Atmosphäre: Franck Ribéry umarmt Nico Kovac nach seiner Auswechslung.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Dem FC Bayern gelingt mit dem 5:1 gegen Benfica und dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League ein kleiner Befreiungsschlag. Doch die Probleme sind damit noch nicht gelöst - weder die des Teams noch des Trainers.

Uli Hoeneß hatte an diesem späten Dienstagbend nichts zu sagen, oder zumindest nicht allzu viel. Er sei sehr zufrieden, verkündete der Präsident des FC Bayern München genüsslich und verwies für weitere Ausführungen auf den Sportdirektor. Dieses Mal, fand Hoeneß, sei Hasan Salihamidzic an der Reihe, der Mann für die Siege, nicht für die Krise. Das 5:1 gegen Benfica Lissabon, mit dem sich die Münchner bereits am vorletzten Spieltag der Champions-League-Gruppenphase für das Achtelfinale qualifizierten, hat beim Tabellenfünften der Fußball-Bundesliga die Wogen wieder etwas geglättet - und dem zuletzt arg unter Druck stehenden Trainer Niko Kovac den Job gerettet. Vorerst.

FC Bayern - Benfica 5:1 (3:0)

FC Bayern: Neuer - Rafinha, Süle, Jerome Boateng, Alaba - Kimmich - Robben (72. Sanches), Thomas Müller (81. Jeong), Goretzka, Ribery (77. Wagner) - Lewandowski; Trainer: Kovac.
Benfica: Odisseas Vlachodimos - Andre Almeida, Conti, Ruben Dias, Grimaldo - Fejsa (76. Alfa)- Pizzi (46. Gedson Fernandes), Gabriel - Rafa Silva, Jonas (59. Seferovic), Cervi; Trainer: Vitoria.
Schiedsrichter: Orsato
Tore: 1:0 Robben (13.), 2:0 Robben (30.), 3:0 Lewandowski (36.), 3:1 Gedson Fernandes (46.), 4:1 Lewandowski (51.), 5:1 Ribery (76.) Zuschauer: 70.000 (ausverkauft)

"Der Abend spricht für sich", fand Salihamidzic, als er um Mitternacht endlich in den Katakomben der zuvor mit 70.000 Zuschauern ausverkauften Arena erschien. Er schickte gleich eine in diesen Fällen oft bemühte Floskel hinterher: "Die Antwort hat die Mannschaft auf dem Platz gegeben, was auch nötig war." Es sei ein erster Schritt gewesen, sagte der Sportdirektor: "Und jetzt fahren wir nach Bremen."

Salihamidzic klang fast so, als ob er die bayerische Schwächephase ein für alle Mal für abgeschlossen erklären wollte. Die Fans hatten dies schon während des Spiels getan. "Wir holen den Cup nochmal", tönte es aus der Kurve. Arjen Robben (13./30.) und Robert Lewandowski (36./51.) je zweimal sowie Franck Ribéry (76.), der den Trainer bei seiner Auswechslung gegen Sandro Wagner (77.) für alle im Stadion bestens sichtbar in den Arm nahm, hatten zuvor getroffen. Mit Ausnahme des Supercups Mitte August waren den Bayern noch nie fünf Treffer in dieser Saison gelungen.

Ein Schlendrian-Anfall ohne Folgen

Dass Kovac an diesem für den Trainer sehr sorgenfreien Abend trotzdem einmal den Kopf schütteln musste, weil die Mannschaft auch gegen Benfica wieder einen Schlendrian-Anfall erlitt, spielte hinterher keine große Rolle mehr. Das Gegentor des zur Halbzeit erst eingewechselten Top-Talents Gedson fiel gleich nach dem Wiederanpfiff, blieb aber diesmal ohne Folgen. Die Bayern verloren nicht wie gegen Fortuna Düsseldorf am vergangenen Wochenende die Kontrolle, sondern spielten die Partie seriös und souverän zu Ende. "Der Sieg tut uns gut, auch dem Trainer", sagte Thomas Müller.

Aber sogar Kovac selbst meldet Zweifel an, dass mit diesem Triumph gegen die sehr schwachen Portugiesen die Probleme der vergangenen zwei Monate gelöst sein würden. Denn anders als in der Bundesliga war die Mannschaft in der europäischen Königsklasse mit Ausnahme des Unentschiedens gegen Ajax Amsterdam bisher ohnehin ziemlich souverän aufgetreten, wenngleich selten glänzend. "Anscheinend braucht sie aber die großen Spiele. In Dortmund und in der Champions League haben wir es gut gemacht, aber gegen die vermeintlich kleineren Mannschaften tun wir uns schwer, offenbar weil die Mannschaft denkt, es geht von alleine", sagte der Bayern-Trainer.

Kein Kontakt zu Arsène Wenger

Kovac sieht den Sieg als "Statement, nicht nur für mich, sondern auch für die Mannschaft." Alle im Team hätten gespürt, was sie können, glaubt Kovac. "Ich hoffe, dass sie das auch so in Zukunft abrufen können."Das Finale um seinen Job hat der Kroate also erst einmal für sich entschieden, doch es gibt wenig Zweifel daran, dass er auch am Samstag in der Bundesligapartie bei Werder Bremen auf Bewährung spielt.

Salihamidzic, der Mann für die siegreichen Spiele, mag nichts davon wissen, dass der Trainer unter Beobachtung stehe. Man habe sich in den vergangenen Tagen natürlich unterhalten, aber nicht über Kovac, sagte er. Auch versicherte der Sportdirektor bei Sky, dass es zum angeblichen Nachfolgekandidaten Arsène Wenger "zu hundert Prozent keinen Kontakt" gegeben habe. Das muss er allerdings - egal, ob es stimmt oder nicht - auch sagen, um Kovac nicht noch mehr zu schwächen. Aber vielleicht wäre es bei einem Zweifel am Trainer, den es ja offensichtlich gibt, sogar fahrlässig, auf eine Sondierung des Trainermarktes zu verzichten. "Wenn du am Samstag nicht gewinnst, ist wieder Unruhe", weiß Robben. In der Mannschaft, im Verein - und vor allem um Kovac.

Quelle: n-tv.de

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