Fußball

WM-Ausrichter investierte viel Bearbeitete Katar Ex-DFB-Boss mit CIA-Methoden?

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Theo Zwanziger im Jahr 2013.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der 76-jährige Theo Zwanziger gilt lange Zeit als einer der größten Kritiker der WM-Vergabe an Katar. Mithilfe eines von einem ehemaligen CIA-Agenten geführten Unternehmens will der Golf-Staat den damaligen DFB-Präsidenten drehen. Die Operation dauert über zwei Jahre. Erfolgreich ist sie nur bedingt.

WM-Gastgeber Katar hat einem von einem ehemaligen CIA-Agenten geführten Unternehmen mehr als 10 Millionen Dollar bezahlt, um den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger zu beeinflussen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Die Agentur hatte bereits im November über den Themenkomplex berichtet und weitere Recherchen ergaben nun den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als Hauptziel des "Project Riverbed".

Zwanziger, von 2004 bis 2012 DFB-Präsident, erst als Doppelspitze mit Gerhard Mayer-Vorfelder und ab 2006 als alleiniger Präsident, galt als einer der größten Kritiker der WM-Vergabe an den Wüstenstaat. Von 2011 bis 2015 war er Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. Nach der WM-Vergabe an Katar im Jahr 2010 und kurz vor der Wahl in die FIFA-Exekutive hatte er sich kritisch geäußert.

"Die Vergabe einer WM, das steht außer Frage, darf nicht erkauft werden. Diese Verdachtsmomente werden derzeit in den Medien erhoben. Das macht nachdenklich und bedarf einer sehr genauen Klärung", hatte er im Dezember 2010 erklärt und die Transparenz der Vergabe angezweifelt. Offensichtlich Grund genug für Katar, mit Geheimdienstmethoden auf Zwanziger einzuwirken. Wie AP berichtet, sei es Ziel des "Project Riverbed" gewesen, "Zwanziger als Bedrohung für Katars Ambitionen, die Fußballweltmeisterschaft 2022 auszurichten, zu neutralisieren".

"Ein bisschen naiv"

Das Unternehmen, Global Risk Advisor (GRA) um den Besitzer Kevin Chalker, einem ehemaligen CIA-Agenten, habe dazu unter anderem "erfolgreich komplexe nachrichtendienstliche Methoden eingesetzt, um Personen in Zwanzigers Einflussbereich anzusprechen und die Stimmung im Zusammenhang mit der WM in Katar zu verändern", heißt es in den von AP eingesehenen Dokumenten.

Chalker bestätigte in einem Statement gegenüber AP, dass er an "Projekt Riverbed" gearbeitet habe. Er teilte auch mit, dass der AP-Bericht auf "falschen Informationen von nicht identifizierten Quellen" basiere. AP betonte, man habe die Dokumente in mehreren Schritten auf Echtheit überprüft. Viele der eingesehenen Dokumente entsprechen denen, die auch bei einer Klage eines ehemaligen Donald-Trump-Fundraisers gegen Chalker vor einem US-Gericht eingebracht wurden.

Die Dokumente sollen ebenfalls zeigen, dass ein "Influencer"-Netzwerk Zwanzigers Meinung über Katar lenken. Letztendlich habe man das Augenmerk Zwanzigers dann auf die Menschenrechtssituation in Katar gelenkt und darauf, wie man diese verbessern können. GRA bezeichnete die Operation letztendlich als gelungen. Er habe nun auch auf Wandel durch Dialog gesetzt.

Rückblickend sieht sich Zwanziger von der FIFA zu der Zeit in der Tat "ein Stück in diese Richtung gedrängt", sagte Zwanziger AP in einem Interview, das ntv.de in ungekürzter Form vorliegt. Er habe "natürlich gespürt, dass es bei der FIFA in der Spitze von der Leitungsebene, aber auch im Hauptamt starke Bestrebungen gab, die einmal nach Katar vergebene WM nicht mehr anzutasten". Und er habe sich dann auch damit beschäftigt, wie "die Menschenrechtssituation in Katar, das 'Kafala'-System, die Arbeitssituation" verbessert werden konnte. Er sei beim Thema Menschenrechte in Katar "auch ein bisschen naiv" gewesen.

Zwanziger ernüchtert

"Das ist schon ein sehr, sehr komisches Gefühl", sagte Zwanziger über die verdeckte Operation des WM-Veranstalters. "Das wirft natürlich ein ganz schlechtes Bild auf diejenigen, die diese Aufträge erteilt haben." Langfristig erfolgreich war das "Project Riverbed" jedoch nicht. Ein Jahr nach dessen Ende bezeichnete der Jurist Katar als "Krebsgeschwür des Weltfußballs". Nach einer Unterlassungsklage des katarischen Fußballverbands sah das Landgericht Düsseldorf die Aussage durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

"Ich glaube nicht mehr daran, dass Sportveranstaltungen zu dem Zwecke vergeben werden können, die Menschenrechtssituation zu verbessern", sagte Zwanziger und ergänzte mit Blick auf die WM 2018 in Russland und die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking: "Gerade das aktuelle Beispiel in China oder vorher in Russland zeigt uns doch: Wenn die Spiele rum sind, dann ist es genau wie zuvor."

Auch die Menschenrechtssituation in Katar bleibt rund neun Monate vor Beginn des Turniers kritisch. "Elf Jahre, nachdem Katar den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft erhalten hat, vier Jahre nach dem Versprechen, das der Sklaverei ähnliche 'Kafala'-System abzuschaffen, leidet die Mehrheit der Arbeiter weiterhin unter Missbrauch", sagte Hiba Zayadin, leitende Golf-Expertin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), im Januar im Gespräch mit ntv.de. "Der katarische Staat lässt die Arbeiter weiterhin weitgehend im Stich."

Quelle: ntv.de, sue

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