Fußball

Einen Meister gibt es trotzdem Belgien bricht Saison im Profifußball ab

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Club Brügge ist belgischer Fußballmeister 2020.

(Foto: imago images/Panoramic International)

Die Saison im belgischen Profifußball ist vorbei. Als erste große europäische Fußball-Liga bricht Belgien vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie den Wettbewerb ab. Zum Auf- und Abstieg äußert sich die Liga nicht, einen Meister gibt es aber trotz des vorzeitigen Endes.

Der erste Dominostein ist gefallen: Die belgische Pro League hat als erste große Fußball-Liga weltweit die Reißleine gezogen und die Saison angesichts der anhaltenden Corona-Krise vorzeitig abgebrochen. Damit steht Tabellenführer Club Brügge als belgischer Meister 2019/20 fest. "Competitie afgelopen: Club Brugge kampioen", titelte die Zeitung "Het Laatste Nieuws" auf ihrer Internetseite, dazu gab es ein Bild mit feiernden Brügge-Spielern. Doch zum Jubeln war in dieser schweren Stunde niemandem zumute, auch der neue Champion hielt sich zunächst zurück.

"Es besteht die Gefahr, dass mögliche Infektionen eines Spielers oder des Spielerkerns den sportlichen Verlauf des restlichen Wettbewerbs in inakzeptabler Weise beeinflussen", hieß es in einer Mitteilung der Liga. Auch Geisterspiele seien deshalb keine Option. Von der Entscheidung sind auch die deutschen Trainer Hannes Wolf (KRC Genk) und Bernd Hollerbach (Royal Excel Mouscron) betroffen. Um den früheren Nationalspieler Andreas Beck (KAS Eupen) und Lasse Sobiech (Mouscron) spielen auch fünf deutsche Profis in der Pro League.

Vorbild für weitere Ligen?

In der regulären Saison hätte noch ein Spieltag ausgetragen werden müssen, danach wären Play-offs vorgesehen gewesen. Wie der Auf- und Abstieg nun geregelt wird, war der Mitteilung nicht zu entnehmen. Brügge hatte 15 Punkte Vorsprung auf KAA Gent und darf sogar noch auf das Double hoffen: Das Pokalfinale gegen Royal Antwerpen wurde auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben, ob es irgendwann auch ausgetragen werden kann, blieb zunächst offen. "Der Vorstand setzt eine Arbeitsgruppe ein, die die sportlichen Knoten und die finanziellen Auswirkungen dieser Entscheidung prüfen werden", hieß es in der Erklärung der Liga weiter. Am 15. April findet eine Generalversammlung statt, in der finale Ergebnisse erwartet werden.

Die Entscheidung in Belgien könnte wegweisend auch für andere mittelgroße Ligen sein. Nachbar Niederlande diskutiert bereits ein ähnliches Szenario. Rekordmeister Ajax Amsterdam hat auf die Entscheidung des Verbandes KNVB, die restlichen acht Spieltage der Ehrendivision bis 3. August auszutragen, mit Unverständnis reagiert. "Warum geht es in diesem Augenblick um Geld und nicht um die Volksgesundheit? Ich hatte gehofft, dass der KNVB selbständig entscheidet und sich nicht hinter dem Rücken der UEFA versteckt", sagte Sportdirektor Marc Overmars dem "Telegraaf": "Viele Klubs denken genauso. Die Ehrendivision ist tot. Der Spaß ist weg."

Allerdings sind die Klubs in Belgien oder den Niederlanden auch nicht so stark von den bei einem Abbruch wegfallenden TV-Geldern abhängig wie etwa die Bundesliga oder andere Top-Ligen. Dort machen wie auch in der Schweiz die Zuschauereinnahmen einen viel größeren Teil der Einnahmen aus. In den Topligen hoffen die Verantwortlichen noch auf ein gutes, sportliches Ende - notfalls mit Geisterspielen.

Quelle: ntv.de, tsi/sid