Fußball

Fünf Jahre Haft ab Oktober? Benzema droht der Fall wegen Sexvideo-Erpressung

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Tiefer Fall? Karim Benzema muss um seine Freiheit fürchten.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Karim Benzema schießt für Real Madrid Tore am Fließband, nun wird ihm im Fall der Sexvideo-Erpressung eines Ex-Kollegen der Prozess gemacht. Sechs Jahre ist der Skandal her, der das ganze Land schockte. Nun könnte Benzema dafür ins Gefängnis wandern.

Eigentlich läuft es für Karim Benzema. Und zwar so richtig. Der Stürmer von Real Madrid schießt derzeit Tore am Fließband und macht damit sogar den großen Cristiano Ronaldo fast vergessen bei den Spaniern. In 24 Ligaspielen netzte der Franzose 17 Mal ein, gab sechs Vorlagen und hielt damit fast im Alleingang den spanischen Fußball-Meister im Rennen um die erfolgreiche Titelverteidigung. Zuletzt gelangen ihm zweimal in Folge ein Doppelpack und mindestens ein Treffer in fünf Spielen in Serie. Die Zeitungen überschlugen sich mit Superlativen.

Der 33-Jährige könnte sich also entspannt zurücklehnen während der Länderspiele in der WM-Qualifikation in dieser Woche. Allerdings hat es einen Grund, dass Benzema nicht im Kader der französischen Nationalmannschaft steht. Und dieser Grund ist kein lapidarer: Schon ein halbes Jahr vor der EM 2016 im eigenen Land wurde der Stürmer aus dem Team geworfen, weil er im Juni 2015 als Komplize agiert haben soll bei der versuchten Erpressung seines damaligen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena. Seitdem wird er strafrechtlich verfolgt.

Die Staatsanwaltschaft in Versailles bei Paris berichtet nun, dass der Prozess gegen Benzema und seine mutmaßlichen Komplizen am 20. Oktober beginnt. Dem Star von Real Madrid werden laut der französischen Nachrichtenagentur AFP "Beihilfe zu einem Erpressungsversuch" vorgeworfen - und der Gerichtsfall könnte Konsequenzen haben, die weit über die mögliche Geldbuße von 75.000 Euro, die Benzema wohl gerne in Kauf nehmen würde, hinausgehen: Dem Ex-Nationalspieler droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Bekannte von Benzema hatten Valbuena mit einem Sexvideo erpresst. Benzema soll auf den ehemaligen Kollegen Druck ausgeübt haben, das geforderte "Schweigegeld" von 150.000 Euro zu zahlen. Die Verteidigung Benzemas wies die Vorwürfe stets zurück.

Ex-Präsident Hollande: Benzema ist kein moralisches Vorbild

Zur Erinnerung eine Rekonstruktion: Mathieu Valbuena erhält 2015 während einer Länderspielfahrt der Equipe Tricolore mehrere Anrufe. Seine Gesprächspartner hätten versucht, ihn mit der Ausstrahlung eines Sexvideos zu erpressen, sagt er. Der Ex-Nationalspieler reicht eine Beschwerde ein. Von Juni bis Oktober ermittelt daraufhin die Polizei, am 6. Oktober sprechen Valbuena und Benzema sogar noch persönlich über das Sextape. Dann wird auf einmal der französische Nationalmannschaftskollege Djibril Cissé in Polizeigewahrsam genommen, kurz darauf aber wieder freigelassen.

Am 2. November 2015 wird schließlich Benzema verhaftet, weil er den Kontakt zu Valbuena für die Erpresser hergestellt haben soll, wegen "Mitschuld an versuchten Erpressungen und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung" angeklagt und unter richterliche Aufsicht gestellt. Benzema bezichtigt daraufhin Valbuena der Lüge. Die Anklagen werden zum Teil wieder fallengelassen, aber Benzema wird trotzdem nicht für die Heim-EM nominiert. Der Profi mit algerischem Hintergrund beschuldigt Nationalmannschaftstrainer Didier Deschamps mit der Nicht-Nomminierung "einem rassistischen Teil Frankreichs" nachgegeben zu haben.

Auch die Politik äußert sich zu dem Skandal-Fall. Im März 2016 sagt der damalige Premierminister Manuel Valls, dass er Benzemas Rückkehr in die Nationalmannschaft nicht gerne sehen würde. Ex-Präsident Francois Hollande wird in einem Buch mit der Aussage zitiert, Benzema sei kein moralisches Vorbild.

Zidane kann es nicht glauben

Im Juli 2017 gelingt dem französischen Fußballstar dann eigentlich ein juristischer Erfolg: Das oberste französische Gericht hebt ein früheres Urteil auf, mit dem die bisherigen Justiz-Ermittlungen gegen den Madrilenen gebilligt worden waren. Doch allzu lange kann sich Benzema darüber nicht freuen, denn das Pariser Berufungsgericht rollt das Verfahren neu auf. Drei Jahre später beginnt der Prozess nun tatsächlich und auch die Verantwortlichen bei Real Madrid werden gebannt verfolgen, was mit ihrem Top-Stürmer passiert.

Benzema selbst bezeichnete den bevorstehenden Prozess bereits im Januar als "Farce". Im Mai 2020 bekundete er sogar wieder Hoffnungen, in die Nationalmannschaft zurückkehren zu können. "Ich würde mich freuen, im blauen Trikot zurückzukehren", sagte er damals der französischen Sportzeitung "L'Équipe". Vor gut einer Woche schaltete sich auch Real-Trainer und Frankreichs Fußball-Ikone Zinédine Zidane ein und sagte, dass er nicht verstehe, warum Benzema schon wieder nicht für die französische Mannschaft ausgewählt wurde. Nun wird Zidane hoffen, dass er selbst den Stürmer noch ins Madrid-Aufgebot berufen kann im nächsten Jahr und dieser dann nicht im Gefängnis sitzt.

Quelle: ntv.de

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