Fußball

"Wie ich behandelt werde, tut mir leid" Blatter greint und will sich wehren

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"Ich schäme mich dafür, dass dieses Komitee existiert": Joseph Blatter.

(Foto: AP)

Seine Zeit als Fußballfunktionär ist vorbei - doch Joseph Blatter kündigt an, gegen seine achtjährige Sperre durch die Ethikkommission der Fifa vorgehen zu wollen. "Ich werde kämpfen." Und überhaupt: "Ich bin immer noch ein Punching-Ball."

Eines immerhin hatte Joseph Blatter erkannt: "Zu sagen, dies wäre ein guter Tag für mich, ein guter Tag für die Fifa, ein guter Tag für den Fußball, wäre völlig falsch", sagte er auf einer eilig angesetzten Pressekonferenz in Zürich. Die Ethikkommission des Weltverbandes Fifa hat ihn, den Präsidenten, für acht Jahre gesperrt; und Michel Platini, den Präsidenten des europäischen Verbandes Uefa auch. Zum Verhängnis wurden den beiden Funktionären jene dubiosen 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten bekommen hatte. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich hierbei um Schmiergeld gehandelt, mit dem Blatter seine Wiederwahl im Sommer 2011 gekauft haben soll.

Und was sagt Blatter? "Ich werde kämpfen. Ich werde für mich und die Fifa kämpfen! Ich glaube an Gott und auch an mich. Es ist noch längst nicht vorbei. Ich bin immer noch der Präsident." Er kündigte an, vor die Berufungskommission der Fifa ziehen zu wollen und auch den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas sowie vor ein ziviles Schweizer Gericht nicht zu scheuen. Das Urteil der Ethikhüter hält er für komplett falsch und mithin für eine Frechheit: "Ich schäme mich dafür, dass dieses Komitee existiert." Schließlich sei er doch der gewählte Präsident: "Acht Jahre gesperrt - für was?" Schande empfinde er nicht: "Ich bin ein Mann der Prinzipien. Diese Prinzipien sind, kein Geld anzunehmen, das man nicht verdient hat, und seine Schulden zu zahlen."

"Immer noch ein Punching-Ball"

Die Ethikkommission hatte in ihrer Urteilsbegründung argumentiert: "Weder in seiner schriftlichen Stellungnahme noch während seiner Anhörung war Herr Blatter in der Lage, eine rechtliche Grundlage für diese Zahlung nachzuweisen. Seine Behauptung eines mündlichen Vertrags wurde als nicht überzeugend eingestuft und von der Kammer zurückgewiesen." Eine Einschätzung, die Blatter nun nicht daran hinderte, das zu wiederholen, was er bereits der Kommission dargelegt hatte. Sein Version geht so: Platini und er hätten sich 1998 nach der Weltmeisterschaft in Frankreich geeinigt, dass Platini für die Fifa arbeitet - mündlich, so von ehrenwertem Funktionär zu ehrenwertem Funktionär.

Dafür, sagte Blatter, gebe es Zeugen. Nur die Ethikkommission, die er als Tribunal bezeichnete, wolle davon partout nichts wissen. "Etwas, was nicht wahr ist, kann nicht bewiesen werden. Und wenn etwas nicht bewiesen werden kann, kann ich auch nicht schuldig sein." Überhaupt geschehe ihm Unrecht, klagte Blatter. "Schon meine Suspendierung hat einen Tsunami ausgelöst. Es hat viele Kollateralschäden gegeben. In den Familien, auch in meiner Familie. Wir wurden gemobbt. Freunde wurden gemobbt. Die gesamte Fifa-Gemeinschaft ist in einer Krise." Er sieht sich immer noch als der große Bewahrer und Förderer des Fußballs - das wurde bei dieser zeitweise bizarr anmutenden Fragestunde wieder einmal deutlich.

So leitete er seine Ausführungen damit ein, dass er über "Menschlichkeit in der Welt des Fußballs und in unserer geopolitischen Situation" räsonierte: "Humanität hat keine andere Bedeutung, als sich gegenseitig zu respektieren." Nur er, der erst suspendierte und nun gesperrte Präsident, erfahre diesen Respekt nicht: "Es tut mir wirklich leid. Es tut mir leid, dass ich immer noch ein Punching-Ball bin. Es tut mir sehr leid für die Fifa." Und: "Wie ich behandelt werde, das tut mir auch sehr leid." Es ist kein guter Tag für ihn.

Quelle: ntv.de