Fußball

Wie geht's jetzt weiter? Brexit bedroht Existenz der Premier League

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Der Spanier Juan Mata und der Franzose Anthony Martial stehen bei Manchester United unter Vertrag. Künftig dürfte es für ausländische Spieler schwieriger werden, auf der Insel zu spielen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Großbritannien stimmt mehrheitlich für "leave". Die Premier League fürchtet die Konsequenzen des Brexits. In vielen englischen Vereinen gehörten Spieler aus der EU bisher zu den Leistungsträgern.

Gary Lineker konnte es nicht fassen. "Bloody hell!", verdammter Mist, twitterte die englische Fußball-Legende am Morgen, als er vom "Brexit" erfuhr. Dann, eine gute halbe Stunde nach dem ersten Schock: "Was haben wir getan?" Am Nachmittag legte Lineker noch einmal nach: "Ich schäme mich für meine Generation. Wir haben unsere Kinder und deren Kinder im Stich gelassen."

Wie dem ehemaligen Nationalstürmer ging es nach dem Volksentscheid für den EU-Austritt vielen Vertretern des Fußballs. Die Premier League, die reichste Liga der Welt, fürchtet um ihre Existenz. Ligaboss Richard Scudamore hatte zuvor betont, "leave" (verlassen) sei mit der "Kultur der Offenheit" der Premiership "unvereinbar".

Kein Dimitri Payet, kein David De Gea oder Emre Can: Wenn der "Brexit" irgendwann umgesetzt wird, muss die Liga dichtmachen - für Spieler aus der EU oder EWR-Staaten wie Norwegen. Zumindest, wenn die seit 2015 auf Initiative der FA verschärften Bestimmungen für den Erhalt einer Arbeitserlaubnis nicht aufgeweicht werden. Seitdem muss ein nicht-europäischer Profi einen gewissen Prozentsatz Länderspiele bestritten haben, wenn er auf die Insel wechseln will. Die Anzahl ist geringer, je höher das Land in der Weltrangliste platziert ist. Künftig sollen auch die Stars vom Kontinent unter diese Regeln fallen.

"Verheerende Konsequenzen"

Wäre das Arbeitsrecht bereits jetzt so verschärft, wie nach einem Brexit erwartet, hätten zwei Drittel der 160 EU- und EWR-Spieler der Premier League nie dorthin wechseln dürfen. Darunter Payet, De Gea und Can, aber auch Stars wie Juan Mata und Anthony Martial von ManUnited, die Meisterspieler Robert Huth und N'Golo Kanté (Leicester City), Samir Nasri, Jesús Navas, und, und, und. Scudamore fürchtet "weltweiten Ansehensverlust" und einen milliardenschweren Imageschaden. Laut BBC wären 332 aktuelle Profis aus den ersten beiden Staffeln in England und Schottland nicht spielberechtigt.

David Beckham schlug deshalb schon vor der Abstimmung Alarm. "Vielleicht hätten wir auch so Titel gewonnen", sagte er über seine große Zeit bei Manchester United, "aber die Mannschaft wurde besser und erfolgreicher durch den dänischen Torhüter Peter Schmeichel, die Führungsqualitäten des Iren Roy Keane und das Können des Franzosen Eric Cantona."

Karren Brady, Parlamentsabgeordnete der Torys und Vereinsvize von Payets Klub West Ham United, sah "verheerende Konsequenzen" auf die Liga zukommen und die angesehene Spieleragentin Rachel Anderson meinte: "Die EU zu verlassen, hätte einen viel größeren Effekt auf den Fußball, als die Leute denken."

Beschränkungen für Nicht-EU-Spieler

Weil das britische Pfund am heutigen Freitag abstürzte, ist plötzlich auch der tolle neue TV-Vertrag weniger wert. Und: Die 40 Millionen Euro, die West Ham für Michy Batshuayi von Olympique Marseille bot, sind über Nacht 34 statt 31 Millionen Pfund. Arsène Wenger behält recht: Der Spielermarkt, hatte der Teammanager des FC Arsenal gesagt, stünde nach einem Brexit "vor unangenehmen Fragen".

Das gilt übrigens auch für den umgekehrten Weg. Gareth Bale, Waliser und bester Spieler der EM in Frankreich, hätte 2013 nicht so einfach von Tottenham Hotspur zu Real Madrid wechseln können. In der spanischen Primera División nämlich gelten Beschränkungen für die Verpflichtung von Nicht-EU-Spielern.

Quelle: ntv.de, cro/sid/dpa