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Über HSV zur Pokalfinal-Premiere "Brutale" Leipziger träumen auf der Couch

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Die Rasenballsportler Halstenberg, Poulsen, Forsberg und Haidara (v.l.n.r.) stehen erstmals im DFB-Pokalfinale.

(Foto: imago images / Joachim Sielski)

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Erstmals in seiner Klubgeschichte steht Rasenballsport Leipzig im DFB-Pokalfinale. Ob der FC Bayern München oder Werder Bremen das Endspiel komplettieren, ist den Fußballern aus Sachsen völlig egal. Der Traum vom ersten Titel animiert das ganze Team. Die Fans feiern schon.

Wenn sich am Abend der SV Werder Bremen und der FC Bayern München im zweiten Halbfinale des DFB-Pokals gegenüberstehen (ab 20.45 Uhr bei ARD und im Liveticker bei n-tv.de), hat Offensivmann Emil Forsberg von Rasenballsport Leipzig einen simplen Plan: "Wir können uns einfach ganz ruhig auf die Couch legen und sehen, wer gewinnt." Das sagte der Fußballer nach dem 3:1-Sieg seines Teams beim Hamburger SV. Der Schwede hatte mit seinem Treffer zum Endstand dazu beigetragen, dass die Sachsen weiterhin vom ersten Titel der Klubgeschichte träumen können.

Hamburger SV - RB Leipzig 1:3 (1:1)

Tore: 0:1 Poulsen (12.), 1:1 Jatta (24.), 1:2 Janjicic (53., Eigentor), 1:3 Forsberg (72.)
Hamburg:
Pollersbeck - Jung, Lacroix, van Drongelen, Santos - Vagnoman (69. Hwang), Janjicic (73. Hunt) -  Narey, Mangala, Jatta - Lasogga; Trainer: Wolf.
Leipzig: Gulacsi - Konate, Orban, Klostermann - Laimer, Kampl (90.+2 Demme), Halstenberg - Sabitzer (90. Haidara), Forsberg (73. Mukiele) - Poulsen, Werner; Trainer: Rangnick
Zuschauer: 52.365
Schiedsrichter:
Brych (München)

"Wir freuen uns extrem, dass wir es geschafft haben, in einem Finale zu stehen", so sein Teamkollege Yussuf Poulsen. Abwehrchef Willi Orban sagte: "Es ist ein besonderer Moment", so der Kapitän: "Ich glaube, ein paar Kaltgetränke stehen schon in der Kabine bereit, Musik ist angeschmissen, wir müssen den Moment feiern."

Und wer soll der Finalgegner werden? Laut Poulsen völlig egal: "Vom Gefühl her kann uns im Moment keiner schlagen. Aber wir wissen, dass ein Finale wahrscheinlich etwas anderes wird. Es ist das erste Mal für alle Spieler." Bislang hat in den Reihen der Leipziger nur Forsberg große Erfolge vorzuweisen: Mit Malmö FF ist er zweimal schwedischer Meister sowie zweimal schwedischer Superpokalsieger geworden. Für alle anderen wäre es wie für ihren Verein eine Premiere. Knapp zehn Jahre nach der Klubgründung also hat sich RB Leipzig von den Tiefen des Amateurfußballs bis in die Bundesliga, das Pokalfinale und die Champions League vorgearbeitet. Fußball im Schnelldurchlauf, auch dank der Unterstützung des Brausekonzerns Red Bull. Das schmeckt nicht jedem.

Doch der sportliche Erfolg gibt den Rasenballsportlern recht - und überstrahlt längst häufig die Vorbehalte. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff jedenfalls sagte selbstbewusst: "Ich glaube, dass wir ein extremst attraktiver Verein sind." Auch HSV-Torhüter Julian Pollersbeck hatte einen Superlativ für RB übrig: "Die Leipziger haben eine brutale Qualität. Sie sind die beste Mannschaft in Deutschland neben den Bayern."

Jatta düpiert Gulacsi

Diese "brutale Qualität" nutzte RB im Hamburger Pokalhalbfinale allerdings lange nicht aus. Zwar gingen die Sachsen schon in der zwölften Minute durch ein Kopfballtor von Poulsen in Führung, doch gaben sie in der ersten Halbzeit die Herrschaft über das Spielgeschehen aus der Hand. Dabei hätten sie in der 16. Minute schon eine Vorentscheidung erzwingen können, innerhalb von Sekunden trafen Poulsen und Marcel Sabitzer jeweils nur den Pfosten.

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Der Ausgleich für den Zweitligisten kam noch überraschend: Bakery Jatta (24.) - er wurde später zum Spieler des Spiels gekürt - schlenzte den Ball von halblinks, Leipzigs Torwart Peter Gulacsi stand etwas zu weit draußen und konnte den Ball nicht mehr entscheidend ablenken. Weitere Chancen verdiente sich die Elf von Trainer Hannes Wolf spielerisch, ein Tor aber gelang nicht.

In der zweiten Halbzeit übernahmen dann wieder die Gäste. Pechvogel des Spiels war HSV-Verteidiger Vasilije Janjicic, der in der 53. Minute einen Querpass von Kevin Kampl über die Linie drückte. Auf der Stadionleinwand wurde übrigens Poulsen als Torschütze ausgewiesen, doch der bekannte klar: "Ich habe nur ein Tor geschossen." Das zweite "war kein Abschluss meines Körpers." Über das dritte RB-Tor war vor allem der Torschütze erleichtert, Forsberg wurde direkt im Anschluss an das 1:3 in der 73. Minute ausgewechselt: "Zum Glück habe ich das Tor gemacht, sonst wäre ich keine gute Auswechslung gewesen", sagte Forsberg. "Es darf so wieder passieren."

Berlin bei beiden Klubs im Fokus

"Wir hatten das Gefühl, dass wir nicht verlieren können. Dass wir vorne wie hinten alle mitmachen und alle für das gleiche Ziel kämpfen. Und das ist zu gewinnen", erklärte Poulsen die Stärke seines Teams. HSV-Trainer Wolf sagte: "Wie sie ihre Pässe ausspielen, mit welcher Präzision, mit welcher Schnelligkeit. Heute hätte alles zusammenkommen müssen, um RB zu schlagen." Die HSV-Fans trösteten sich in der Nachspielzeit auf ihre Art: "Hamburg ist viel schöner als Berlin, schöner als Berlin, schöner als Berlin", schallte es aus der Kurve. Als sich ihre Spieler nach Abpfiff für die imposante Unterstützung bedankten, gab es Applaus für das Team, das gegen den favorisierten Erstligisten gut mitgehalten hat.

Währenddessen sangen sich die mitgereisten Leipzig-Fans in einen Rausch. Das allseits beliebte "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" wechselte sich ab mit "Oh, wie ist das schön". Und dann konterten die Hamburger das doch noch mit ihrem ganz eigenen "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" - am Sonntag (13.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) ist der Hamburger SV zu Gast beim 1. FC Union Berlin. Mitten drin im Aufstiegskampf für das allergrößte Ziel: Die Rückkehr in die Bundesliga. RB Leipzig könnte seinerseits am Samstag (15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) eine Liga-Etage höher brillieren und das Ticket für die Champions League fest buchen.

Quelle: n-tv.de

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