Fußball

Trump, Angst, "akute Bedrohung"Bundesregierung und Amnesty warnen vor "erhöhten Risiken" bei Fußball-WM

30.03.2026, 05:40 Uhr
imageVon David Bedürftig
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Die WM in den USA erfreut zumindest US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino. (Foto: IMAGO/Brazil Photo Press)

Die Fußball-WM steht vor der Tür - und Amnesty International schlägt Alarm wegen Gefahren für Fans. Die Organisation prangert die "Menschenrechtskrise" in den USA an und identifiziert eine "größte Bedrohung". Die Bundesregierung beschäftigt vor allem Gewalt in Mexiko.

Am Abend möchte die Fußball-Nationalmannschaft nach dem wilden 4:3-Sieg in der Schweiz das vorletzte Testspiel auf deutschem Boden unbedingt für sich entscheiden - und dabei defensiv eine deutliche Steigerung zeigen.

Doch während die DFB-Elf auf die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko hinfiebert, melden sich vermehrt kritische Stimmen hinsichtlich der Sicherheits- und der Menschenrechtslage in den Gastgeberländern. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International veröffentlichte am Morgen den Bericht "Die Menschlichkeit muss siegen" zur Verteidigung der Menschenrechte und Bekämpfung von Unterdrückung bei der WM und forderte ein Turnier ohne Repression, Angst und Ausgrenzung.

"Die aktuelle Politik unter Präsident Trump - geprägt von Menschenrechtsverletzungen und autoritären Tendenzen - stellt die Austragung der WM vor erhöhte Risiken", warnte Maja Liebing, Amerika-Expertin bei Amnesty International in Deutschland, gegenüber ntv.de. "Für Fans aus aller Welt stellt die diskriminierende Einwanderungspolitik der USA eine akute Bedrohung dar." Die Menschenrechtsorganisation erkenne "die realistische Gefahr, dass der in den USA bereits bestehende Repressionsapparat rund um die WM noch einmal verstärkt wird".

Der Ausschuss für Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestags behandelte in einer Sitzung am vergangenen Mittwoch ebenfalls verschiedene Sorgen der Bundesregierung mit Blick auf die WM. Das Bundesministerium des Innern (BMI) teilte dabei mit, dass die DFB-Delegation eine "eigene private Sicherheitsfirma" für ihren Aufenthalt in den USA engagiert hat.

Gefahr für LGBTI+-Fans bei WM

FIFA-Präsident Gianni Infantino betonte ein aufs andere Mal, dass die WM 2026 die inklusivste und gastfreundlichste Ausgabe aller Zeiten wird. Amnesty sieht das anders und spricht im neuen Bericht von einer "Menschenrechtskrise" in den USA.

Dahinter steckt die Politik Donald Trumps. Die Regierung des US-Präsidenten "baut mit rasender Geschwindigkeit menschenrechtliche Standards ab und etabliert eine autoritäre Politik", sagte Liebing zu ntv.de. Konkret nannte die Expertin etwa die Bedrohung der Presse, die Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen und -verstöße erschwere, "einschüchternde Vergeltungsmaßnahmen gegen Proteste", oder auch "Angriffe auf Gerichte und Kontrollgremien", die die Durchsetzung von Rechenschaftspflichten erschweren.

Auf Fans, die aus Deutschland und anderen Orten der Welt zur WM in die USA reisen, warten etliche Gefahren. "Wir raten niemandem von einer Reise zur WM ab, möchten aber auf mögliche Risiken hinweisen", sagte Liebing. So bestünden etwa Zweifel, ob LGBTI+-Fans vor Ort sicher an der WM teilnehmen können.

"Nachdem Präsident Trump Initiativen für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion beendet hat, hat auch die FIFA Antidiskriminierungsmaßnahmen beendet", erklärte die Amnesty-Expertin. "Einige Länder haben ihre Staatsangehörigen gewarnt, dass an der US-Grenze die Gefahr einer Einreiseverweigerung bestehen könnte, wenn die im Reisepass angegebene Geschlechtsidentität von ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht abweicht oder wenn dort der Buchstabe "X" vermerkt ist." Auch politische Symbole, wie beispielsweise die Palästina-Flagge, würden derzeit in den USA pauschal kriminalisiert.

ICE-Behörde als "größte Bedrohung"

Insgesamt hätten nur vier von 16 WM-Städten bisher Menschenrechtspläne veröffentlicht und keiner davon enthielte Schutzmaßnahmen gegen Missbrauch durch die Einwanderungsbehörden. "Außerdem könnten Besucherinnen und Besucher bei der Einreise zu Überprüfungen ihrer Social-Media-Konten gezwungen werden", so Liebing.

Dieses Risiko hat auch die Bundesregierung im Blick. Annette Walter, die Beauftragte für Lateinamerika des Auswärtigen Amts, sagte bei der Ausschusssitzung für Sport am vergangenen Mittwoch, die Themen Datenabfrage und Social-Media-Überprüfungen am Flughafen "beobachten wir mit Interesse", es gebe bisher aber lediglich einen Vorschlag der Grenzschutzbehörde und noch sei nichts beschlossen.

Des Weiteren beobachte das Auswärtige Amt laut Walter einen möglichen Einsatz von ICE-Beamten bei der WM, habe bisher aber "keine Einsicht" in die Pläne der US-Regierung. Ein solcher Einsatz stellt laut Amnesty International "die vielleicht größte Bedrohung" sowohl für Fans als auch die lokalen Gemeinschaften dar.

Amnesty fordert verbindlichen Schutz

Die Abkürzung ICE steht für "US Immigration and Customs Enforcement" - eine Vollstreckungsbehörde für Zoll- und Einwanderungsangelegenheiten, deren vermummte Agenten seit gut einem Jahr gewalttätige Razzien in den gesamten USA durchführen. Etliche Migrantinnen und Migranten sind bereits in ICE-Hafteinrichtungen gestorben, in Minnesota erschoss die paramilitärähnliche Truppe zwei Demonstranten.

"ICE-Operationen stehen symbolisch für die menschenfeindliche und rassistische Agenda der Trump-Regierung", sagte Liebing. "Fußball zählt in vielen migrantischen Communities in den USA zu den beliebtesten Sportarten; es werden Fans und Spieler aus aller Welt anreisen. Trotzdem haben weder die FIFA noch die US-Behörden Garantien gegeben, dass diese Menschen vor Racial Profiling, willkürlichen Razzien, rechtswidrigen Festnahmen und Abschiebungen geschützt sind." Die FIFA und die USA müssten jetzt unbedingt verbindliche Schutzmechanismen für alle Beteiligten vorlegen.

Doch die WM findet nicht nur in den USA statt, und so konzentrierte sich der Bericht der Bundesregierung im Ausschuss für Sport des Bundestags vor allem auf die Lage in Mexiko. Das Auswärtige Amt sprach dabei zwar "zum jetzigen Zeitpunkt" keine allgemeine Reisewarnung aus, für bestimmte Regionen des Landes aber schon. "Wir raten dazu, wachsam zu sein", sagte die Lateinamerika-Beauftragte Walter. Außerdem forderte sie Deutsche dazu auf, sich auf die ELEFAND-Krisenliste der Bundesregierung einzutragen. Man habe diese Empfehlung auch an den DFB weitergegeben.

Wie entwickelt sich die Gewalt in Mexiko?

Im Februar hatte nach der Tötung eines Kartellchefs durch mexikanische Einsatzkräfte eine Welle der Gewalt das Land getroffen, die mindestens 73 Menschen das Leben kostete. Darunter auch die Stadt Guadalajara, wo WM-Spiele ausgetragen werden. Damals wurden Fußballspiele ausgesetzt, das soll beim Turnier im Sommer nicht passieren. "Die Lage in Mexiko ist insgesamt sehr angespannt", fasste es Andreas Schmenkel-Backhoff vom BMI in der Ausschusssitzung zusammen.

"Die Gewaltrate ist in Mexiko generell hoch. Das Land leidet unter struktureller Gewalt durch kriminelle bewaffnete Gruppen, Straflosigkeit und einer systematischen Bedrohung der Menschenrechte", sagte auch Liebing von Amnesty und warnte: "Fans, die zur WM nach Mexiko reisen, sollten sich gut über die aktuelle Sicherheitslage informieren und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen."

Quelle: ntv.de

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