Fußball

DFB-Frauen ohne Freifahrtschein Bundestrainerin Jones sucht ihren EM-Kader

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Linda Dallmann: nur 1,58 Meter groß, aber ein echtes Powerpaket. Die 22-Jährige hat sich für die EM empfohlen.

(Foto: imago/Beautiful Sports)

Bis zur Mission Titelverteidigung bei der EM im Juli ist noch viel zu tun. In ihrem ersten Jahr als Bundestrainerin leitet Steffi Jones einen Umbruch im DFB-Team ein, doch viele Ausfälle bremsen ihren Pläne aus. Trotzdem will sie keine Freifahrtscheine verteilen.

Steffi Jones brauchte erst einmal einen großen Schluck Cola, dann äußerte sie ihren großen Wunsch für die Zeit bis zur EM: "Ich hoffe, dass sich keine Spielerin mehr verletzt und wir komplett in die Vorbereitung gehen", sagte die Fußball-Bundestrainerin. Das mühsame 2:1 (1:1) gegen Kanada hat gezeigt: Die ständigen Ausfälle bremsen den von Jones eingeleiteten Umbruch.

Rund drei Monate vor der Mission Titelverteidigung in den Niederlanden weckte der zerfahrene Auftritt in Erfurt wenig Hoffnung auf den neunten deutschen EM-Triumph. "Wir finden uns spielerisch schon gut zurecht, in der Organisation fehlt es aber noch", kritisierte Jones, der beim vorletzten EM-Test elf Spielerinnen fehlten. In der am 18. Juni beginnenden Vorbereitung haben die Olympiasiegerinnen also noch viel Arbeit vor sich.

Kanadas Trainer John Herdman brachte es mit seiner Analyse auf den Punkt: "Deutschland ist taktisch in diesem System beweglicher. Die Spielweise ist immer noch ähnlich, aber die Spielerinnen erscheinen freier. In zwei Jahren werden sie unter dieser Trainerin sehr anders aussehen, aber derzeit stecken sie wohl noch im Umbruch." Ihren Optimismus ließ sich Jones aber nicht nehmen. "Ich bin total guter Dinge und voll auf Kurs", betonte die 44-Jährige. Sie kann es kaum erwarten, in den drei EM-Lehrgängen endlich "kontinuierlich zu arbeiten".

Dallmann empfiehlt sich für Turnier in den Niederlanden

Dass vor der Endrunde nur noch die Generalprobe am 4. Juli in Sandhausen gegen Brasilien ansteht, wird laut Jones kompensiert: "Wir werden in der Vorbereitung auch gegen Jungs spielen, da werden wir auch gefordert." In die Trainingslager, das machte die Bundestrainerin klar, wird sie nur fitte Kandidatinnen mitnehmen. Das langzeitverletzte Trio Melanie Leupolz, Simone Laudehr und Lena Goeßling muss bis Saisonende Vereinsspiele absolviert haben, sonst wird es für die Stammkräfte nichts mit der EM. "Da gibt es keine Ausnahme, ich habe keine Freifahrten zu vergeben", sagte Jones.

Berechtigte Hoffnungen auf ein EM-Ticket darf sich aber Linda Dallmann machen. Die zur Halbzeit eingewechselte 22-Jährige erzielte mit einer Direktabnahme den späten Siegtreffer (86.). "Es war natürlich ein schönes Gefühl, gerade hier vor so einer Kulisse mein erstes Tor zu schießen", sagte der nur 1,58 m große Wirbelwind aus Essen und fügte schmunzelnd hinzu: "Ich gebe eigentlich lieber die Vorlagen."

Von der Chefin erhielt Dallmann nach ihrem vierten Länderspiel ein Sonderlob: "Sie war sehr agil, hat die Zweikämpfe angenommen und konnte Akzente setzen." Die selbstbewusste Newcomerin war wegen der Verletzung von Felicitas Rauch nachnominiert worden und nutzte ihre Chance. "Ich weiß, dass sehr viele Spielerinnen das Potenzial für den EM-Kader haben. Da will man sich natürlich zeigen."

Quelle: n-tv.de, Jana Lange, sid