Fußball

Profi spendet für Kolleginnen Crystal Palace lässt Frauenteam blechen

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Die Frauen von Crystal Palace sollen plötzlich Vereinsbeiträge zahlen.

(Foto: REUTERS)

Während die Fußballer beim Premier-League-Klub Crystal Palace gutes Geld verdienen, sollen die Zweitliga-Frauen sogar ihre Vereinsbeiträge selbst zahlen. Das sorgt für Unverständnis - und für eine schöne Geste des Topstürmers Wilfried Zaha.

Crystal Palace ist in Feierlaune: Der Premier-League-Klub konnte in der Sommerpause Max Meyer vom FC Schalke 04 nach London locken. Auch der erfolgreichste Stürmer der vergangenen Saison, der ivorische Nationalspieler Wilfried Zaha, bleibt dem Team erhalten. Freilich, das kostet Geld. Meyer bekommt dem Magazin "11Freunde" zufolge wöchentlich 190.000 Euro, Zaha 143.000 Euro, hat der englische "Guardian" ausgerechnet.

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Schöne Geste: Wilfried Zaha hilft den Frauen.

(Foto: imago/MB Media Solutions)

Auch mit seiner Frauenmannschaft hat der Klub große Ziele - "eine neue Ära" stehe bevor, hieß es in einer Pressemitteilung. Denn die weiblichen "Eagles" spielen in der neugegründeten zweiten Liga, der FA Women's Championship. Am Sonntag starten sie gegen Leicester City in die Saison. Der große Traum von Crystal Palace: In die erste Liga aufsteigen und professionell Fußball spielen. Denn bislang arbeiten fast alle Spielerinnen in anderen Berufen und können nur nach Feierabend trainieren.

Doch diese großspurigen Worte passen so gar nicht zu den Taten des Klubs: Während für die Männer das Geld da ist - wird bei den Frauen kräftig gespart. Die Spielerinnen sollen ihre Mitgliedsbeiträge zahlen, 250 Pfund (278 Euro) pro Person und Jahr.

"Das ist alles sehr herablassend"

Die Spielerinnen haben dafür wenig Verständnis. Dem "Guardian" sagte eine Sprecherin des Frauenteams: "Manche Spielerinnen, besonders die jüngeren, machen sich wirklich Sorgen, das Geld nicht zusammenzubekommen. Wir wissen natürlich, dass die Männermannschaft nochmal etwas ganz anderes ist, aber einige von uns haben diese Strukturen und die Botschaft, die dadurch vermittelt wird, einfach satt." Von der Vereinsführung hätten die Frauen einen vorgefertigten Brief bekommen, den sie an mögliche Sponsoren weiterleiten sollen. "Das ist alles sehr herablassend."

Dem "Guardian" liegt dieser Brief vor. Darin steht unter anderem: "Als zukunftsorientierter und progressiver Klub bieten wir talentierten jungen Frauen unvergleichliche Möglichkeiten. Mit ebenso progressiven und zukunftsorientierten Partnern können wir unsere Ziele nicht nur erreichen, sondern sie auch übertreffen." Und weiter: "Wir müssen kreativ denken, um unseren Spielerinnen dabei zu helfen, den finanziellen Aufwand zu decken." Einige Spielerinnen beschwerten sich nach dem Erhalt des Briefes beim Klub.

Daraufhin teilte dieser mit, dass der feste Stamm der Mannschaft den Vereinsbeitrag gar nicht zahlen müsste. Jedoch werden sie ermutigt, "Sponsoren zu finden, um das Profil des Klubs zu verbessern und Verbindungen mit der Wirtschaft zu knüpfen", heißt es von der Vereinsführung. Die Perspektivspielerinnen - meist junge Frauen auf dem Sprung in die erste Mannschaft - sollen die 250 Pfund dagegen aufbringen. Diese erhalten - anders als die 21 Spielerinnen der ersten Mannschaft - auch keinen Lohn. Der Klub beschreibt das Vorgehen so: Jedes Vereinsmitglied zahle einen Jahresbeitrag, einige werden vom Verein subventioniert. Diejenigen, die davon profitierten, seien nun darauf hingewiesen worden, "dass ihre Mitgliedsbeiträge vollständig erlassen werden, wenn sie einen Sponsor finden, der 250 Pfund zahlt".

Zaha spendet für die Frauen

Crystal Palace gibt sich aufgrund der Sorgen, die Beiträge nicht zahlen zu können, generös: Die Spielerinnen dürfen monatliche Raten à 50 Pfund zahlen. Von allen Spielerinnen zusammen fordert der Verein übrigens 5500 Pfund (6110 Euro). Eine Summe, die die Männer so ganz nebenbei verdienen.

Das dachte sich offenbar auch Zaha und ging mit gutem Beispiel voran: "Wir freuen uns mitteilen zu können, das Wilf Zaha sich an den Klub gewandt hat, um einen substanziellen finanziellen Beitrag zu leisten, um die Entwicklung unserer Amateurspieler zu unterstützen", teilte der Verein mit. Wie viel Geld Zaha spendet, ist nicht bekannt. Die Fans des Klubs feiern den 25-Jährigen als Vorbild gefeiert. Er selbst reagierte zurückhaltend auf die Twitter-Lobpreisungen: "Kein Problem. Glücklich, helfen zu können." Darüber hinaus hat sich auch ein Crystal-Palace-Fanklub in den USA zusammengetan und spendete rund 860 Euro der nötigen 1120 Euro, um die Beiträge der Torhüterinnen zu finanzieren.

Diese Geschichte des Klubs aus dem Süden Londons erinnert sehr an das Vorgehen des deutschen Zweitligisten Holstein Kiel. Der Klub wollte seine Frauenabteilung, die Holstein Women, gleich ganz aus dem Verein ausgliedern. Nachdem die Frauen das öffentlich machten, folgte ein Aufschrei der Fans sowie aus Politik und Medien. Der Verein ruderte schließlich zurück.

Quelle: ntv.de