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Fußballklub macht Zugeständnisse Frauenpower unter Wappen von Holstein Kiel

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Holstein Kiel = Holstein Women. Die Frauenabteilung bekommt wortstarke Unterstützung.

(Foto: imago/Werner Otto)

Fußballklub Holstein Kiel verkündet Ende April, seine Frauenabteilung auszugliedern. Dagegen wehren sich die Spielerinnen, der Aufschrei in Medien und Politik ist enorm. Der Verein rudert zurück - und einigt sich mit den Frauen auf einen Verbleib.

Rund um die Kieler Sportvereinigung Holstein herrscht derzeit viel Wirbel. Der mögliche Aufstieg über die Relegation in die Bundesliga, der Stadion-Ausbau, das Verbot der Deutschen Fußball-Liga im Falle des Aufstiegs Heimspiele im Holstein-Stadion auszutragen - und der überhastete Rauswurf der Holstein Women, also der gesamten Frauenabteilung.

"Das war schon überraschend", kommentiert Bernd Begunk, Trainer des ersten Frauenteams, im Gespräch mit n-tv.de die Entscheidung des Vereins. "Gedanklich hatte ich mich schon damit befasst, dass es vielleicht keine positive Meldung gibt. Aber dass es nun komplett der Rauswurf wird, damit hatte keiner gerechnet." Vor allem wie die Ausgliederung ablaufen sollte, hatte in der vergangenen Woche für einen mächtigen Aufschrei gesorgt. Nämlich ohne das Wissen der Frauen; sie wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Klub wollte Geld sparen - und "sich ganz der Arbeit im Herrenbereich und im männlichen Nachwuchs" widmen. Nach großer medialer und politischer Kritik ruderte Holstein Kiel zurück - und bot den Frauen an, zu bleiben. Präsident Steffen Schneekloth räumte ein, die Situation falsch eingeschätzt zu haben.

"Normales Training gar nicht möglich"

Trainer Begunk bestätigt, dass die Aufmerksamkeit der Frauenabteilung sicherlich geholfen hat. "Mit dieser breiten Unterstützung war ja gar nicht zu rechnen." Ein großer Dank gehe etwa an die Fans, die am Sonntag beim Zweitligaspiel in Düsseldorf das Banner "Holstein Kiel = Holstein Women" aufgehängt haben. Schneekloth sagte laut Vereinsmitteilung, dass der Klub zu einer neuen Einschätzung gekommen sei, weil man viele positive Signale aus Politik und Wirtschaft vernommen habe. "Mit dieser breiten Unterstützung sind wir zuversichtlich, dass wir gemeinsam die Situation für die Holstein Women nachhaltig verbessern können."

Das hofft auch Begunk: "Die Bedingungen sind einfach so schlecht, dass ein normales Training gar nicht möglich ist. Wir fahren ja schon manchmal auf externe Plätze, um dort zu trainieren." In Verhandlungen mit dem Verein habe sich die Frauenabteilung mit dem Verein auf bestimmte Punkte geeinigt, die sich nun ändern sollen. "Über die kann ich jetzt aber nicht sprechen, weil es noch offene Verhandlungen sind." Letztlich hätten die Frauen nicht lange Zeit gehabt, sich zu entscheiden, wie es weitergehen soll - denn die Mannschaften mussten sich für die kommende Saison beim Verband NFV melden.

Doch eins macht Begunk deutlich: "Natürlich ist da große Skepsis, auch bei den Spielerinnen, ob jetzt alles so eingehalten wird. Und da ist natürlich einiges zerbrochen." Allerdings: "Wenn die besprochenen Punkte so geändert werden, haben wir Vorteile, bei Holstein zu bleiben." Sportlich läuft es trotz der Querelen gut für die Holstein Women. Das Regionalligateam bestreitet in dieser Saison noch zwei Spiele - gegen den SV Henstedt-Ulzburg II und gegen St. Pauli. "Wir können sogar 39 Punkte erreichen, das wären vier mehr als in der vergangenen Saison", sagt Begunk mit hörbarem Stolz. Denn der Zusammenhalt, der ist stark.

 

Quelle: n-tv.de

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