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Manuel Gräfe spricht Klartext.
Manuel Gräfe spricht Klartext.(Foto: imago/Hartenfelser)
Samstag, 19. August 2017

"Zu oft nicht nach Leistung": DFB-Schiri Gräfe attackiert Ex-Bosse frontal

Gusto statt Leistung, nach diesem Kriterium sei im deutschen Schiedsrichterwesen lange nominiert worden. Diese harte Kritik äußert Referee Manuel Gräfe an seinen Ex-Bossen Herbert Fandel und Hellmuth Krug, Aber auch einen aktuellen Kollegen attackiert er hart.

Fußball-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat heftige Kritik am Auswahlverfahren der früheren Chefs der Unparteiischen, Herbert Fandel und Hellmut Krug, geübt. "Die beiden haben sich ihre Schiedsrichterliste so zusammengebastelt, wie sie es wollten", sagte Gräfe dem "Tagesspiegel". "Es ging nicht vorrangig nach Leistung und deshalb zu Lasten des Fußballs, wie man ja auch an dem Leistungsabfall bis zum Sommer 2016 merkte."

Krug war zuletzt von der Deutschen Fußball Liga als Schiedsrichter-Manager zum Deutschen Fußball-Bund zurückgekehrt, Fandel war nach der vergangenen Saison als Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission zurückgetreten. Sein Nachfolger ist Lutz Michael Fröhlich, den Gräfe ausdrücklich lobte: "Seitdem er die Verantwortung trägt, geht es ausschließlich nach Leistung.

Der Gelobte maßregelte den Berliner Unparteiischen allerdings in einer öffentlichen Stellungnahme. "Bei allem Verständnis zu einer öffentlichen Meinungsäußerung geht es entschieden zu weit, wenn ein Schiedsrichter einen Kollegen öffentlich und in dieser Form attackiert", sagte Fröhlich in einem Statement, das der DFB verbreitete. "Darüber muss mit Manuel Gräfe geredet werden, und zwar zeitnah. Gleiches gilt für seine Einlassungen zu Herbert Fandel und Hellmut Krug. Auch das kann man so nicht stehen lassen." Fröhlich kündigte an, "in einem internen Prozess nach einer Lösung suchen" zu wollen.

Äußerst kritisch beurteilt Gräfe den Aufstieg des Berliner Schiedsrichter-Kollegen Felix Zwayer zum Fifa-Referee, obwohl dieser einst in den Skandal um Robert Hoyzer involviert war. "Wie kann so jemand bis in die Spitze der deutschen Top-Schiedsrichter kommen? Kann es vielleicht sein, dass Fandel und Krug dort einen Mann haben wollten, der ihnen zu bedingungsloser Loyalität verpflichtet war?", sagte Gräfe dem "Tagesspiegel".

"Nach Gusto, nicht nach Leistung"

Aus seiner Sicht habe das Image der Schiedsrichter in der Zeit von Krug und Fandel gelitten. Der 43-Jährige bemängelte zudem mangelnde Transparenz, auch das Leistungsprinzip sei außer Kraft gesetzt worden. "Es ging zu oft nach Gusto und nicht nach Leistung", sagte Gräfe. "Da sind Leute in Positionen gekommen, für die sie einfach nicht gut oder weit genug waren. So etwas geht eben eine Zeit lang gut, wenn man sie intern und extern schützt, aber irgendwann fällt es dann auf."

Als Beispiel für Schiedsrichter, die unter ihren Möglichkeiten eingesetzt worden seien, nannte Gräfe neben anderen auch Bibiana Steinhaus. "Jetzt, nach nur einem Jahr unter der neuen Führung, darf sie auf einmal in der Ersten Liga pfeifen. Das ist exemplarisch", sagte der Fifa-Referee. Steinhaus darf diese Saison als erste Frau Spiele der höchsten deutschen Spielklasse pfeifen. Zum Saisonstart wurde sie allerdings noch nicht für ein Erstliga-Spiel angesetzt.

Quelle: n-tv.de