Fußball

Auslosung der CL-Gruppenphase Darf Bayern Barça schon wieder demütigen?

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Lionel Messi hat in der kommenden - wohl seiner letzten Saison mit dem FC Barcelona - viel vor.. Der Weg könnte früh steinig werden.

(Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON/Pool via Peter Schatz)

Barcelona oder Brügge? Man City oder Midtjylland? Porto oder Piräus? Heute ab 17 Uhr erfahren die vier deutschen Champions-League-Teilnehmer ihre Gruppengegner. Von der 2:8-Revanche bis zum Büchsenwurf-Revival ist (fast) alles drin.

Timo Werner zurück in Leipzig, Bayern schon wieder gegen Barcelona, Dortmund trifft Klopp wieder und Mönchengladbach in einer Todesgruppe mit Real Madrid, Manchester City und Inter Mailand: Wenn im schweizerischen Nyon die Gruppenphase der Champions League ausgelost wird, liegen für die Bundesliga-Vertreter schnelle Wiedersehen, knüppelharte Gegner und sogar ein paar wenige Exoten im Lostopf. Ein Überblick.

Wer ist dabei?

32 Mannschaften aus 15 Ländern kämpfen in dieser Saison um den Titel in der Königsklasse. Oder versuchen es zumindest. Für Exoten wie Ferencváros Budapest, den dänischen Meister FC Midtjylland oder den türkischen Titelträger Başakşehir Istanbul ist schon die Teilnahme ein großer Erfolg.

Die Hälfte des Starterfelds entstammt jedoch den vier Top-Ligen (La Liga, Premier League, Bundesliga, Serie A), einen fixen Startplatz in der Gruppenphase gab es zudem für die Top 3 aus Frankreich, Meister und Vizemeister aus Russland sowie die nationalen Champions aus Portugal, der Ukraine, Belgien, Türkei und den Niederlanden.

Die übrigen sechs Mannschaften haben sich in teils mehreren Runden in der Qualifikation durchgesetzt: Griechenlands Meister Olympiakos Piräus, Österreichs Dauermeister Red Bull Salzburg (tritt im Europapokal als FC Salzburg an) sowie der russische Debütant FK Krasnodar mussten jeweils eine Runde überstehen, Dynamo Kiew setzte sich in zwei Quali-Runden durch, während Midtjylland drei und Ferencváros sogar vier Gegner auf dem Weg in die Gruppenphase auszuschalten hatte.

Wie läuft die Auslosung?

32 Mannschaften werden in acht Vierergruppen gelost. Damit die stärksten Teams nicht bereits in der Gruppenphase aufeinandertreffen, hat die Uefa im Vorfeld vier Lostöpfe gebildet. Zunächst werden die Teams aus Topf 1 gezogen und nacheinander auf eine der acht Gruppen verteilt, danach geht es mit den Töpfen 2, 3 und 4 weiter. In Lostopf 1 befinden sich die nationalen Meister der sechs Top-Verbände (Spanien, England, Deutschland, Italien, Frankreich, Russland) plus der Titelverteidiger sowie der Sieger der Europa League. Da der FC Bayern neben der Champions League auch die nationale Meisterschaft gewonnen hat, rückt der FC Porto als portugiesischer Titelträger in den ersten Lostopf auf. Entscheidend für die Aufteilung der Töpfe 2 bis 4 ist der sogenannte Uefa-Koeffizient, der die Leistungen der Mannschaften in den vergangenen fünf Europapokal-Spielzeiten abbildet.

Wer ist in welchem Topf?

Topf 1: FC Bayern (Titelverteidiger), FC Sevilla (Sieger Europa League), Real Madrid, FC Liverpool, Juventus Turin, Paris Saint-Germain, Zenit Sankt-Petersburg, FC Porto

Topf 2: FC Barcelona, Atlético Madrid, Manchester City, Manchester United, Schachtar Donezk, Borussia Dortmund, FC Chelsea, Ajax Amsterdam

Topf 3: Dynamo Kiew, FC Salzburg, RB Leipzig, Inter Mailand, Olympiakos Piräus, Lazio Rom, FK Krasnodar, Atalanta Bergamo

Topf 4: Lokomotive Moskau, Olympique Marseille, Club Brügge, Borussia Mönchengladbach, Istanbul Başakşehir, FC Midtjylland, Stade Rennes, Ferencváros Budapest

Gibt es Einschränkungen?

Ja, gleich mehrere Einschränkungen machen das Prozedere kompliziert.

- Mannschaften aus dem gleichen Land können nicht in dieselbe Gruppe gelost werden, da es in der Champions League laut Reglement erst ab dem Viertelfinale zu nationalen Duellen kommen darf.

- Russische Mannschaften dürfen aus politischen Gründen nicht mit den Vertretern aus der Ukraine in einer Gruppe landen.

- Außerdem hat die Uefa die Auslosung in zwei Hälften geteilt (Gruppe A-D & Gruppe E-H) und dafür Mannschaften "gepaart". Damit die beliebtesten Vereine eines Landes nicht am selben Tag spielen und nicht um wertvolle TV-Zeit konkurrieren, bilden beispielsweise Bayern München und Borussia Dortmund ein Paar, Leipzig und Mönchengladbach das andere. Wird nun etwa der FC Bayern in eine der Gruppen A bis D gelost, steht bereits fest, dass Dortmund in der unteren Turnierhälfte (Gruppe E bis H) landet.

Sind Topspiele schon in der Gruppenphase realistisch?

Ja, das ist fast unvermeidlich. Der FC Barcelona könnte bereits zum Auftakt Revanche am FC Bayern üben für die 2:8-Packung im Viertelfinale der gerade erst vergangenen Saison. Für Borussia Dortmund ist eine anspruchsvolle Gruppe mit dem FC Liverpool, Atalanta Bergamo und Stade Rennes möglich. Leipzig darf auf ein Duell mit dem FC Chelsea und damit auf ein Wiedersehen mit Timo Werner hoffen. Richtig kitschig könnte es in Mönchengladbach werden, sollten sich die Borussia und Inter Mailand am 20. Oktober am Niederrhein treffen, dem 49. Jahrestag des legendären "Büchsenwurfs".

Allerdings droht einmal mehr eine unausgewogene Auslosung. Kommen zwei oder sogar drei Topteams in die gleiche Gruppe, gibt es im Umkehrschluss auch vermeintlich unattraktive Gruppen. Statt gegen Liverpool, Barcelona und Inter, könnte es für die Gladbacher zum Beispiel auch gegen Sevilla, Donezk und Piräus gehen. In München würden sich die Diskussionen über einen möglicherweise zu kleinen Kader wohl dann relativieren, wenn die ersten Gegner Ferencváros, Krasnodar und Ajax heißen. Wer Lust hat, die Auslosung zu simulieren, klickt hier.

Wann wird gespielt?

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Die Cola-Dose des "Büchsenwurfspiels" befindet sich mittlerweile im Gladbacher Vereinsmuseum.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wegen des verspäteten Saisonstarts wird die Gruppenphase regelrecht durchgepeitscht. Los geht es am 20. und 21. Oktober. Der zweite und dritte Spieltag folgen in den Wochen danach. Nach einer dreiwöchigen Europapokal-Pause gehen die Rückspiele dann in einem weiteren dreiwöchigen Block vom 24. November bis 9. Dezember über die Bühne. Der genaue Spielplan wird nach der Auslosung vom Computer erstellt. Es geht in diesem letzten Schritt unter anderem darum, sicherzustellen, dass Mannschaften aus der gleichen Stadt nicht zur gleichen Zeit ein Heimspiel haben.

Allerdings könnte es beim Spielplan noch Veränderungen geben. Wegen der Corona-Pandemie behält sich die Uefa vor, die Gruppenphase bis zum 28. Januar zu verlängern. Die K.-o.-Runde soll in jedem Fall mit den ersten Achtelfinal-Duellen am 16. Februar beginnen, das Finale ist für den 29. Mai im Atatürk-Stadion in Istanbul terminiert.

Welche Fragen sind offen?

Dass große Teile Europas von Bundesregierung und Robert-Koch-Institut als Risikogebiete eingestuft wurden, bereitet Vereinsvertretern hierzulande Sorgen. "Tatsächlich fehlen noch die rechtlichen Voraussetzungen, um diese Spiele überhaupt austragen zu können", mahnte BVB-Sportdirektor Michael Zorc in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Wenn man unter der Woche in der Champions League in einem Risikogebiet spiele, "sollten die Grundlagen geschaffen sein, dass wir anschließend samstags in der Bundesliga wieder spielen dürfen." Auch Gladbachs Manager Max Eberl werde es "mulmig, wenn in der Champions League Dynamo Kiew als unser Gruppengegner ausgelost wird".

Quelle: ntv.de