Fußball

Die Lehren des vierten Spieltags Das Thomas-Müller-Beben beim FC Bayern

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Krachende Leistung vom Müllerthomas. Auch nicht so schlecht: der Kollege Robert Lewandowski.

(Foto: imago/Revierfoto)

Horrorfouls in Bremen und Stuttgart, Video-Horror in Dortmund, Adler-Horror durch den FC Bayern. Der sorgt am Bundesliga-Schock-Wochenende trotzdem für gute News und gute Laune. Hört, hört. Und Pierre-Emerick Aubameyang ist jetzt perfekt.

Dann macht es bumm, ja und dann kracht's!

Wies'n ist! Zeit für gaaaaaanz viel Bier und gaaaaaanz viel (schlechte) Musik. Also hoch die Kaffeetassen oder in München gerne auch schon die Maß, selbst wenn die bis zu 10,95 Euro kostet. Bitte jetzt nicht an der falschen Stelle sparen, sondern mit einem tüchtigen Prosit auf den zuletzt (zu) viel gescholtenen Weltmeister Thomas Müller anstoßen, den Mann der den FC Bayern gemeinsam mit der Deutschen Fußball-Liga am vierten Spieltag der Bundesliga vorerst aus der schwersten Krise der 2010er Jahre befreite. Mit einer motivierten, motivierenden, spielfreudigen und erfolgreichen Performance beim entspannten 4:0-Erfolg gegen den FSV Mainz 05. Zwar beanspruchte Ego-Außen Arjen Robben das erste Tor der Münchener für sein rechtes Knie, in Wahrheit aber - und so sieht es auch die DFL  - hat es Müller erzielt. Entsprechend der alten Bolzplatz-Regel: Schusskraft zählt! Oder entsprechend dem seit den 60er-Jahren geltenden Münchener Müller-Gesetz:

"Jeden Samstag Nachmittag, ja da ist was los,
immer wieder ist die Spannung riesengroß.

Alle wollen Tore sehn, das ist sonnenklar,

wenn es klappt, dann ist es wunderbar.



Alle rufen laut im Chor: Müller vor, Müller vor.

Ich pass auf und im Moment bin ich da, wenn's brennt.

Dann macht es bumm, ja und dann kracht's

und alles schreit: der Müller macht's.
Dann macht es bumm, dann gibt's ein Tor

und alles schreit dann: Müller vor."

Nun, am Samstagnachmittag haben sie in München auf den bebenden Tribünen der Allianz-Arena etwas anderes gesungen: "Thoooo-mas Müllll-llller" und dann noch "bester Mann". Ist kürzer, einfacher und nicht minder wuchtig in der Botschaft. Als Adressat dieser Lobpreisung durfte sich einmal mehr Müller-Miesepeter Carlo Ancelotti fühlen. Der Coach war ja zuletzt schon von den DFB-Lobbyisten vehement zu mehr Müller-Zeit gedrängt worden und bekam nun aus seiner eigenen Mannschaft zu hören: "Mit Thomas hast du viel mehr Bewegung. Er ist wie ein zweiter Stürmer. Er geht in die Lücke, er geht in die Tiefe, er macht Raum für andere und reißt Lücken auf. Es hat nichts mit anderen zu tun. Aber wenn er auf dem Platz steht, spiele ich auch besser." Gesagt hat das nach dem Spiel der Robben. Und Müller so? "Wir hatten große Lust, mal wieder ein Zeichen zu setzen."

Aubameyang vollendet sich unter Vorbehalt

Statt die Tabellenführung und den vollendeten Pierre-Emerick Aubameyang zu feiern, stresst sich der BVB mit einem dilettantischen Videoschiedsrichter und wütend-protestwilligen Kölnern (siehe nächster Punkt). Allerdings vermutlich ohne dramatische Folgen, wie "Collinas Erben" hier analysieren. Also tief durchatmen, wie weiland Waldi (unterstellt von Rudi Völler) drei Weizen trinken (gerne auch drei Pils) und sich über die spektakuläre 5:0-Ramme gegen einen völlig überforderten Effzeh freuen.

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Phobiebesieger.

(Foto: REUTERS)

An dem war nun endlich auch Torjäger Aubameyang beteiligt. Sechsmal hatte der Gabuner vor diesem Sonntag gegen die Kölner gespielt, sechsmal hatten die ihn erfolgreich am Toreschießen gehindert. Diese FC-Phobie überwand der 28-Jährige nun zunächst aus elf Metern zum 3:0 und legte dann wenige Sekunden später völlig befreit sogar noch einen nach. Ob das Auba-Füßchen (wenn er denn bleibt) gegen die Kölner nun genau so locker wird wie gegen seinen Lieblings-Sparringspartner, den HSV? Gegen den gab's in acht Spielen zackige acht Buden.

Kleiner Exkurs: Auch der 1. FC Köln hatte einst einen Stürmer, der der Vollendung ganz nah war. Sein Name: Anthony Modeste. Gegen alle amtierenden Erstligisten hatte er getroffen, sogar gegen seine Kölner. Einzige Ausnahmen: Augsburg, Leipzig, Hoffenheim und Mainz. Aktuell verdient er sein Geld in China, dort, wo auch Aubameyang hinwechseln möchte. In vier Ligaspielen hat Modeste bereits viermal getroffen. An diesem Wochenende per Doppelpack gegen Chongqing Lifan.

Tor ist, wenn Dortmunds Watzke ausflippt

Nochmal kurz zurück zum Stress-Zoff-Thema des Wochenendes: Man kann es natürlich sehen wie BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Der sagte nach Tor-Videobeweis-Protest-Chaos - den ganzen Sachverhalt können Sie hier nachlesen - von Dortmund: Reguläres Tor, was soll die Aufregung? Seine Erklärung: "Klar wird nur, dass der 1. FC Köln nicht verlieren kann. Wenn man nicht verlieren kann, dann greift man eben zu solchen Mitteln. Wenn man so auftritt nach einem 0:5, dann: Chapeau!" Man kann es allerdings auch sehen, wie Kölns Sportdirektor Jörg Schmadtke, der etwas regelkundiger, aber kaum weniger emotional polterte: "Das war ein klarer Regelverstoß. Und wenn gegen das Regelwerk entschieden wird, dann ist das eine Neuansetzung. Wir werden auf jeden Fall Protest einlegen. Dieses Spiel wurde durch einen Fehler des Schiedsrichter-Teams entschieden. Wir kriegen innerhalb von 20 Minuten die Hütte hier voll, aber die entscheidende Szene passiert vor dem 2:0." Weil ein Wiederholungsspiel aber ziemlich unwahrscheinlich ist, halten wir fest: Tor ist, wenn Dortmunds Watzke ausflippt.

Adler, du arme Sau!

Im 19. Spiel gegen den FC Bayern (0:4) hat Torwart René Adler am Samstag seine Gegentreffer 58, 59, 60, 61 kassiert, ein fürchterlicher Schnitt von 3,2105263158 kassierten Toren pro Spiel. In keiner einzigen Begegnung musste die ehemalige Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft nicht mindestens einmal hinter sich greifen. Das Schlimme: Fast immer ist Adler die arme Sau, hält, was zu halten ist. Selbst beim albtraumhaften 2:9 seines Ex-Arbeitgebers HSV in München am 30. März 2013 überzeugte er die "Kicker"-Kollegen mit einer soliden Leistung, Note: 3,5. Klingt komisch? Ist aber so. Und damit sie die Bilanz richtig einordnen können: Die zweitschlimmste Bilanz hat der Frust-Schnapper gegen den BVB, 32 Gegentore in 15 Spielen (Schnitt von 2,1333333). Dabei aber immerhin zweimal zu Null.

Sandro Wagner trifft für ...

...  (wohlwollend geschätzt) 11.577 Live-Zuschauer vor den Fernsehern. Wo die sich das frühste Tor der Bundesliga-Geschichte (was die Uhrzeit angeht) durch den Hoffenheimer Stürmer beim 1:1 gegen Hertha BSC am Sonntag um 13.36 Uhr angesehen haben, nun darüber gibt's keine offizielle Statisik. Der Kollege von der "Zeit" mutmaßt, dass sie irgendwo zwischen dem abendlichen Ulan-Bator (19.36 Uhr) und dem noch etwas abendlicheren Tokio (20.36 Uhr) mitgefiebert und -gefeiert haben müssen. Ein Hoch auf die Spieltagszersplitterung. Und je nach Ort und Tageszeit: einen Kaffee, eine Maß oder einen Shōchū!

Ohne Rücksicht auf Verluste

Beinharte Bundesliga: Schalkes Thilo Kehrer senst den Bremer Max Kruse so kompromisslos um, dass der mit gebrochenem Schlüsselbein mindestens zwei Monate aussetzen muss - und entschuldigt sich auf Twitter mit einem fragwürdigen Foto. Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels stürmt so vehement in eine Flanke, dass er dem Stuttgarter Christian Gentner den Augenboden, das Nasenbein und den Oberkiefer bricht. Er entschuldigt sich ebenfalls, allerdings pietätvoll. Und in Leipzig tritt RB-Antreiber Naby Keita dem Gladbacher Knockout-Weltmeister Christoph Kramer mit voller Wucht ins Gesicht. Das "Sorry" gibt's noch auf dem Weg in die Kabine. In allen drei Fällen wird den Beteiligten keine Absicht unterstellt. Alles andere wäre freilich als Körperverletzung von einem Gericht zu verhandeln. Aber nur in einem Fall gab's Rot, für Keita. Dass so etwas in Zeiten der Videoschiedsrichter durchgeht, diese Wertung sei gestattet, ist kein gutes Argument für den ohnehin schon angezählten TV-Beweis.

Quelle: ntv.de

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