Fußball

Millimeter-Rettung gegen Bayern Das knappste "Kein-Tor" der Liga-Geschichte

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Dieser Wahnsinnreflex von Yann Sommer verhinderte die sichere Führung des FC Bayern.

(Foto: dpa)

Yann Sommer hätte auch der tragische Held werden können: Beim Tor des FC Bayern sieht der Torwart von Borussia Mönchengladbach nicht gut aus. Seine lange Zeit überforderten Kollegen drehen das Spitzenspiel aber noch. Und so ist Sommer doch noch der Held.

In Augsburg ereignet sich an diesem Samstagnachmittag eine Szene, die das Potenzial zum skurrilsten Moment der Saison hat. Beim Bundesliga-Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 schießt FC-Stürmer Marko Richter den Ball freistehend so weit am Tor der Gäste vorbei, dass sich der Sky-Moderator schon an den 20. November 2010 erinnert fühlte. An diesem Tag, es war auch ein Samstag, hatte BVB-Legende Jakub Blaszczykowski für den vermutlich kapitalsten Fehlschuss der Liga-Geschichte gesorgt. Ganz alleine - und das heißt ganz alleine - löffelte er den Ball aus elf Metern über das Tor. Ein Wahnsinn.

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Nun, ganz so dramatisch war der Fehlschuss von Richter nicht. Zum Gesprächsthema dieses 14. Spieltags hätte er aber allemal getaugt. Hätte seine Mannschaft verloren (hat sie nicht, 2:1) und hätte Gladbachs Torwart Yann Sommer nicht etwa 521 Kilometer nordwestlich den Mittelfinger seinen linken Hand zur maximalen Ausdehnung gebracht und damit ein Tor des FC Bayern verhindert. Um ein paar Millimeter. Mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Nur mit Hilfe der Technik. Das unumstößlich Ergebnis der Auswertung: kein Tor. Das vielleicht knappste Kein-Tor in 57 Jahren Bundesliga.

Eine blitzschnelle Wendung

Und so eng die Entscheidung zwischen 0:0 und 1:0 in diesem Moment auch war, so eng ging's auch bei der Bewertung von Sommers Eingriff zu. Den flachen Schuss von der Strafraumkante, verantwortlich dafür war Joshua Kimmich, ließ der Schweizer Torwart zunächst durch die Beine flutschen. Doch dann drehte er sich blitzschnell um, warf sich der Länge nach hin, streckte den Arm, die Hand, den Finger und grabbelte den Ball tatsächlich zurück zu sich, ehe er mit vollem Umfang über die Linie gekullert wäre. Es war der Tupfen auf dem i - wie irrsinger Chancenwucher. Wie schon in der Vorwoche gegen Bayer Leverkusen ließen die Münchener allerbeste Möglichkeiten aus, selbst der unfassbare Robert Lewandowski.

Einzig Ivan Perisic traf. Nach 49 Minuten. Und das höchst sehenswert. Ein halbhohes Zuspiel verwandelt er aus der Drehung aus knapp 16 Metern, Sommer ist dran, kann den Einschlag aber nicht verhindern. Von einem Torwartfehler mag niemand sprechen -  das wäre angesichts der technischen Brillanz von Perisic auch nicht gerecht -  wohl aber gab's die charmante Version für "nicht unhaltbar". Sie lautet: Sommer sah nicht besonders gut aus. Er kann's verschmerzen. Nach 60 Minuten ziemlich schlechten Minuten drehte die Borussia tatsächlich noch die Partie. Über den bis dahin ebenfalls ziemlich schlechten Linksverteidiger Ramy Bensebaini. Erst köpfte er nach einer Ecke das 1:1 (60.), dann traf er in der Nachspielzeit noch aus elf Metern. Bayern-Keeper Manuel Neuer hatte die Ecke zwar geahnt. Seine Fingerspitze reichte allerdings nicht, um den Ball zu berühren. 2:1 für Gladbach, Tabellenführung verteidigt.

Quelle: ntv.de, tno