Fußball

Flicks FC-Bayern-Serie reißt Wenn der Fußball in München verrückt spielt

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Nicht einmal der sonst so treffsichere Serge Gnabry konnte ein Tor erzielen.

(Foto: imago images/Plusphoto)

Der FC Bayern betreibt gegen Bayer Leverkusen überbordenden Chancenwucher. Damit setzt es wieder einmal nach einem Gala-Auftritt in der Champions League eine Niederlage in der Fußball-Bundesliga. Doch das ist kein schlechtes Omen für Interimstrainer Hansi Flick.

Auf dem Weg in die kalte Münchner Nacht schlug Thomas Müller noch einen letzten Haken. Nicht mit Lust und Engagement allerdings, eher aus Pflichtbewusstsein. "Nur kurz", sagte der Offensivspieler des FC Bayern deshalb. Es wurde dann doch ein bisschen länger, obwohl er keine Antworten auf die drängendste Frage des Abends wusste. Unter der Dusche, verriet Müller, hätten er und seine Teamkollegen gerade eben "hin- und herdiskutiert" über diese, wie es der Münchner nannte, "extreme, fast nie dagewesene Ineffizienz" beim 1:2 gegen Bayer Leverkusen am 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga.

Klingt historisch, und das war es auch irgendwie. Zu oft war die Werkself zu ängstlich und respektvoll aufgetreten. Und so liegt die letzte Niederlage der Bayern gegen die Rheinländer im eigenen Stadion bereits sieben Jahre zurück - und das war eben auch die einzige in der Bundesliga in den vergangenen drei Jahrzehnten. Ganz anders agierte Bayer dieses Mal, aber Mut allein hätte im Normalfall gegen den unter Trainer Hansi Flick wiedererstarkten FC Bayern nicht für drei Punkte ausgereicht. Drei Mal landete der Ball am Aluminium des Leverkusener Kastens, mindestens ebenso oft rettete Leverkusens Torwart Lukas Hradecky in höchster Not, insgesamt standen in der Statistik am Ende zwölf Paraden des Finnen. Dazu vergab der Rekordmeister zweimal nach Kontern.

Lewandowski erlebt irdischen Abend

Und der, nach seinen vier Treffern beim 6:0 gegen Roter Stern Belgrad vier Tage zuvor noch in den Himmel gehobene Robert Lewandowski, erlebte einen sehr irdischen Abend - seine wöchentliche Torquote war offenbar schon in der Champions League erfüllt. Die Chancen, die sich die Münchner herausspielten, hätten eigentlich reichen müssen, um drei Partien zu gewinnen. "Zu fahrlässig" sei man damit umgegangen, kritisierte Flick. Der einzige Münchner, der an diesem Abend traf, war Müller - nach torlosen 1360 Minuten beendete er seine persönliche Ineffizienz-Phase (33.). Aber "das hätte ich mir heute gerne gespart" - wenn alle anderen ihre Chancen verwertet hätten. "Manchmal ist der Fußball verrückt", sagte Müller.

Aber eben auch ein bisschen vorhersehbar. Die Bayern haben nicht schlecht gespielt, vor allem in der zweiten Hälfte dominiert, allerdings fehlte manchmal der Esprit und das Tempo der vergangenen vier Wochen. Dazu leisteten sie sich ein paar Fehler, die zuletzt nicht passiert waren. "Keine gute Kontersicherung", gab Leon Goretzka zu, hätte man bei den beiden Gegentoren von Leon Bailey (10. und 34. Minute) gehabt. Leverkusen war da gedanklich einfach schneller, dann trafen einmal Benjamin Pavard und einmal Javier Martinez eine falsche Entscheidung und hatten somit gegen den temporeichen Jamaikaner Bailey keine Chance mehr. "Die Abstimmung stimmte da nicht so ganz", fand Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Am Ende der kräftezehrenden Partie war es für die Gäste aber nur noch ein Kampf ums Überleben in der Münchner Arena, den sie mit "einem Quäntchen Glück", wie Kevin Volland, der Oberbayer in Diensten von Bayer, sagte, gewannen.

Kein schlechtes Omen

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Für Hansi Flick war es die erste Niederlage mit dem FC Bayern.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Vor knapp zwei Monaten hatten die Münchner schon einmal eine Niederlage nach einem Torfestival in der Champions League hinnehmen müssen. Damals verloren sie vier Tage nach dem 7:2 gegen den letztjährigen Königsklassen-Finalisten Tottenham Hotspur gegen die TSG Hoffenheim im eigenen Stadion, ebenfalls 1:2 - der Anfang vom Ende für Niko Kovac. Auf keinen Fall wollen die Bayern nun eine Diskussion um Flick aufkommen lassen, ob die vier Siege mit 16:0-Toren unter Flick womöglich nur ein kurzes Aufbäumen, der Zauber des Trainerwechsels schon wieder verflogen sein könnte. "Sehr viel Gutes" habe das Spiel der Münchner gehabt, "sonst kommst du gar nicht zu den Torchancen", sagte Müller.

Tatsächlich ist der Auftritt gegen Leverkusen nicht mit dem Anfang Oktober gegen Hoffenheim zu vergleichen, jener damals war ideenlos, der am Samstag vor allem glücklos und ist womöglich mit fehlender Konzentration vor dem Tor zu erklären. Ein schlechtes Omen ist die Niederlage jedenfalls nicht. Nach der letzten Heimniederlage gegen Leverkusen verloren die Bayern nur noch ein Spiel in jener Saison - und holten am Ende das Triple.

Quelle: n-tv.de

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