Fußball

Havertz und Chelseas Jungstars Das spannendste Fußball-Projekt der Welt

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Wenn Kai Havertz (links) und Timo Werner erstmal zusammen auf dem Platz wirbeln, dürfte Chelsea nur schwer aufzuhalten sein.

(Foto: imago images/Picture Point LE)

Der Wechsel von Kai Havertz ist so gut wie fix - und mit ihm hat der FC Chelsea nun eine der spannendsten Offensiven der Welt. Schnelle und technisch starke Jungstars, die allerdings noch viel lernen müssen. Holt der unerfahrene Trainer Frank Lampard das Beste aus den jungen Edelkickern raus?

Geht es nach der "Sport Bild", ist alles fix: Kai Havertz wird sich in diesem Sommer dem FC Chelsea anschließen. Laut eines Berichts wird der 21-Jährigen mit einem Deal mit einem Gesamtvolumen von 200 Millionen zum teuersten deutschen Fußballer aller Zeiten. Die Ablöse soll sich auf 100 Millionen Euro belaufen, der Nationalspieler soll bei den Blues pro Saison 20 Millionen Euro pro Jahr verdienen. Chelsea ist bereit extra tief in die Tasche zu greifen - denn Havertz würde das Londoner Team augenblicklich zu einem Mitfavorit auf den Premier-League-Titel und einem über die Jahre ernstzunehmenden Konkurrenten für Jürgen Klopp und den FC Liverpool machen.

Die Blues sammeln diesen Sommer einige der spannendsten Spieler Europas zusammen. Nationalspieler Timo Werner (24 Jahre), der dieses Jahr in der Torjäger-Liste der Bundesliga nur von Überstürmer Robert Lewandowski übertroffen wurde, und Assist-Maschine Hakim Ziyech (27 Jahre, 51 Vorlagen in den vergangenen vier Saisons) sind schon gewechselt. Megatalent Havertz (21 Jahre, 54 direkte Torbeteiligungen für Bayer Leverkusen in den vergangenen beiden Spielzeiten) folgt bald. Zusammen machen sie Chelsea zu einem der aufregendsten Projekte des europäischen Fußballs.

Die alternden Leistungsträger Willian, 31 Jahre, und Pedro (32) sind weg, jetzt übernimmt die nächste Generation. Schließlich scharren noch weitere Jung-Profis im Blues-Kader mit den Hufen. Ex-BVB-Star Christian Pulisic (21 Jahre) kommt bei Chelsea immer besser in Fahrt und der 22-jährige Stürmer Tammy Abraham (13 Tore in 25 Premier-League-Spielen der abgelaufenen Saison) schaffte dieses Jahr endlich den Durchbruch: Bei den London Football Awards wurde er jüngst zum besten Spieler und zum besten Jung-Talent gewählt. Der 21-jährige Mason Mount (verpasste dieses Jahr nur ein Premier-League-Spiel, schoss sieben Tore und gab sechs Assists) und Callum Hudson-Odoi (19 Jahre) komplettieren die unglaubliche Jung-Power der Blues.

Havertz' Genialität

Besonders die Geschwindigkeit, Technik und Wendigkeit im Sturm von Werner, Pulisic und Ziyech dürfte gegnerischen Mannschaften zur Verzweiflung bringen. Vor allem bei Gegenstößen. Dann kommt noch Havertz' Spielübersicht und feiner Fuß hinzu, die auch im Ballbesitzspiel um den Sechszehner mehr Gefahr als sonst erzeugen wird. In den Statistiken liest der Fußballinteressierte lediglich die Tore und Vorlagen des 21-Jährigen. Was dort allerdings verloren geht, sind sein für sein Alter schon unglaublich gutes Auge. Seine Spielverlagerungen, die Defensiven auseinander ziehen. Seine Tempoveränderungen, die Löcher in Abwehrreihen reißen. Sein geniales Verzögern oder Anziehen der Spielgeschwindigkeit. Hinzu kommt sein hervorragendes Kopfballspiel und seine für Offensivspieler durchaus ausgeprägte Liebe zum Verteidigen. Und, auch das ist heute bei Jungstars längst nicht mehr selbstverständlich, Havertz bringt all das ohne Allüren auf den Platz.

Schon dieses Jahr spielte Chelsea offensiv starken Fußball. Nach der Übernahme durch Vereinslegende Frank Lampard qualifizierte sich die Mannschaft als viertplatzierte für die Champions League und erreichte das FA-Cup-Finale. Nach dem Abgang des Megastars Eden Hazard im vergangenen Sommer und ohne die Möglichkeit, einen Ersatz einzukaufen, hatten wohl die meisten Blues-Fans mit weniger gerechnet. Mit den Neuzugängen wird Chelsea noch um einiges gefährlicher und konstanter werden - und profitiert, das im Sommer 2019 mit einem Transfer-Bann belegt worden war, vom Corona-Markt. Werner wäre sonst womöglich zu Klopp nach Liverpool gewechselt, Havertz wohl eher zu Bayern München oder Real Madrid. Aber im Vergleich zu den Londonern hatten diese Klubs haben kein Geld mehr auf dem Konto, um den Megatransfer zu stemmen.

Nun hat Chelsea, wenn der Havertz-Transfer dann endgültig fix ist, eine relativ unerfahrene, aber vor allem sehr hungrige Truppe: Die Jungstars haben alle noch nichts gewonnen und brennen auf Titel. Das hatte schon beim FC Liverpool dieses Jahr dazu beigetragen, dass der Klub Manchester City davonrannte in der Tabelle. "Wir befinden uns in einem Prozess", sagt Chelsea-Verteidiger Andreas Christensen. "Wir wissen, was wir können. Wir sind momentan sehr selbstbewusst. Wir haben eine gute Balance zwischen erfahrenen und jungen, spannenden Talenten und wir sind alle hungrig, unsere Ziele zu erreichen."

Lampard will's besser machen als Mourinho

Damit das klappt und Klopp und Liverpool wirklich die Stirn geboten werden kann, braucht Chelsea dringend die Kaltschnäuzigkeit der Neuzugänge vor dem Tor. Auch, damit die eigenen Jungen Talente dazulernen können. Denn nicht nur Abraham ließ in der Saison viele Chancen aus. Lediglich Liverpool und Man City waren in diesem Jahr besser darin, klare Torchancen herauszuspielen. Aber in der Verwertung lagen die Blues nur auf Platz 15. Kann der ebenfalls noch unerfahrene Lampard seinen Youngsters den Killerinstink und die absolute Sieger-Mentalität, den er als Spieler unter Trainer Jose Mourinho erlernte, beibringen?

Um seine Mannschaft zu einer Truppe mit echten Gewinnern umzubauen und eine Mourinho'eske Dynastie aufzubauen, muss Lampard nun noch die Defensive aufpeppen (Chelsea kassierte in der Liga 54 Treffer, vier mehr als Chrystal Palace, die auf Rang 14 abschlossen). Jan Oblak soll von Atlético Madrid als Torhüter kommen, Leicesters Ben Chilwell für die linke Verteidigerposition und Brightons Kapitän Lewis Dunk für die Innenverteidigung. Aber Lampard muss auch den wilden Jungen in der Offensive Vertrauen schenken. Dann könnten die Blues über Jahre erfolgreich sein. "Wenn wir nicht geduldig sind und nicht auf die jungen Spieler bauen, dann haben wir erneut die Situation, in der Weltklassespieler im Alter von 20 oder 21 für Chelsea spielen, dann aber den Klub verlassen." Ein Seitenhieb auf Mourinho, der in seiner Zeit als Trainer die jungen Mohamed Salah und Kevin De Bruyne ziehen ließ.

Lampard will es also besser machen als sein ehemaliger Mentor. Es wird spannend zu beobachten sein, wie schnell die Talente zusammenfinden und was Chelsea in der nächsten Spielzeit letztendlich auf den Platz bringt. Das Potenzial mit den Jungstars um Werner, Pulisic und bald auch Havertz ist so groß wie sonst fast nirgendwo anders auf der Welt.

Quelle: ntv.de