Fußball

Dortmund dreht "groteskes" Spiel Der BVB zeigt, was Favre sehen will

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Zweites Pflichtspiel, zweites Tor: Der BVB weiß schon jetzt, was er an Witsel hat.

(Foto: imago/Uwe Kraft)

Zum Start der Fußball-Bundesliga setzt der BVB ein Ausrufezeichen. Mit viel Moral und ein wenig Glück dreht der Klub die Partie gegen RB Leipzig. Auch wenn der neue Trainer Lucien Favre noch nicht zufrieden ist - der Neuaufbau geht voran.

Die erste gute Nachricht gab es schon, als der Ball noch gar nicht rollte: Gut eineinhalb Jahre nach den erschreckenden Jagdszenen, die sich Dortmunder Fanhorden beim Gastspiel von RB Leipzig geleistet hatten und die zu einem Spiel ohne Zuschauer auf der Südtribüne führten, blieb im Umfeld des Dortmunder Stadions alles ruhig. Keine Übergriffe, kein blinder Hass, alles ruhig und gesittet. Zum Abschluss des ersten Spieltags der neuen Bundesligasaison ging es also ausschließlich um Fußball, und das war auch gut so.

Der BVB gewann eine mehr als ansehnliche Partie vor 80.000 Zuschauern mit 4:1 (3:1), es war ein echtes Ausrufzeichen. Die Borussia grüßt den Rest der Liga von der Tabellenspitze und machte deutlich, dass mit der runderneuerten Mannschaft in dieser Saison zu rechnen ist. Doch was auch immer der neue Trainer Lucien Favre seiner Mannschaft bei seinem Dortmunder Heimspieldebüt als Matchplan mit auf den Weg gegeben haben mag, nach 31 Sekunden waren sämtliche Überlegungen über den Haufen geworfen.

Manuel Akanji produzierte am eigenen Strafraum eine Kerze, Mahmoud Dahoud verlor das Kopfballduell, Abdou Diallo war nicht im Bilde, Jean-Kevin Augustin schob zur Leipziger Führung ein. In der Folgezeit war die Dortmunder Verunsicherung förmlich mit Händen zu greifen. Der Gast aus Sachsen konnte nach Belieben schalten und walten, während die Männer in schwarz-gelb nur hinterherliefen.

"Haben den Weckruf gebraucht"

Die Überlegenheit der Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick war frappierend, der BVB konnte sich bei seinem Torhüter Roman Bürki bedanken, der bei einer weiteren Chance von Augustin fantastisch im Stile eines Handballtorwarts reagierte. Es sah nicht gut aus für die Gastgeber, und doch drehten sie nach 20 Minuten aus heiterem Himmel das Spiel: Marcel Schmelzer wurde links freigespielt, seine schöne Flanke erwischte Dahoud mit dem Kopf und drückte den Ball zum Ausgleich über die Linie.

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Rangnick hat ein "groteskes Spiel" gesehen.

(Foto: imago/Picture Point LE)

Das 1:1 war äußerst schmeichelhaft, doch fortan agierte nur noch die Borussia. "Wir haben diesen Weckruf gebraucht", sagte Sebastian Kehl. Der ehemalige Kapitän ist mittlerweile als Leiter der Lizenzspielerabteilung aktiv, er soll die Mentalität in die runderneuerte Mannschaft bringen, die in der letzten Saison so schmerzlich vermisst wurde. Das scheint zu gelingen, Kehl sprach von einem "sehr guten Auftakt".

Leipzigs Trainer Ralf Rangnick betonte, die Reisestrapazen in der Euro-League-Qualifikation hatten "nichts zu tun mit dem Spielausgang. Wir haben über weite Strecken einen extrem frischen Eindruck gemacht." Dennoch spielte auf einmal nur noch eine Mannschaft. Bis zur Pause erhöhte Dortmund durch ein Eigentor von Marcel Sabitzer, der einen Freistoß von Marco Reus mit dem Kopf ins Tor lenkte, und einen herrlichen Seitfallzieher des enorm präsenten Neuzugangs Axel Witsel auf 3:1. Rangnick schüttelte auch noch eine Stunde nach Spielende mit dem Kopf und sprach von einem "grotesken Spiel". Es sei "ein komisches Gefühl, wenn du siehst, wie das Spiel gelaufen ist und dann in der Halbzeitpause auf der Anzeigetafel dieses Ergebnis siehst".

"Entwicklung braucht Zeit"

Der BVB hatte das Spiel mit ein wenig Glück und ganz viel Moral gedreht und zeigte in der Folgezeit viel von dem, was Favre sehen will: Ballsicherheit, kluge Laufwege, eine robuste Zweikampfführung und einen Torhüter, der einen Glanztag erwischt hatte. Das Projekt Neuaufbau läuft, der Saisonstart beflügelt die Fantasie. Kurz vor dem Spielende veredelte Reus einen Konter über den eingewechselten Sancho zum 4:1. Dennoch sieht der Perfektionist Favre noch viel Arbeit, "wir haben zwar klar gewonnen aber noch viele taktische Fehler gemacht". So kritisch mochte Kehl die Dortmunder Leistung nicht beurteilen. Natürlich brauche die Entwicklung "noch ein wenig Zeit", sagte der ehemalige Profi, "aber einige Abläufe konnte man heute schon sehen".

Vier Tore, da ist es naheliegend, auf die offensiven Fachkräfte zu vertrauen. Dennoch wollen sie im Revier bis zum Ende der Transferperiode am 31. August noch einmal investieren und einen klassischen Mittelstürmer holen. Es verdichten sich die Meldungen, dass der BVB unmittelbar vor der Verpflichtung des spanischen Wunschstürmers Paco Alcacer steht. Wie diverse Medien am Samstag übereinstimmend berichteten, soll das Leihgeschäft mit dem FC Barcelona Anfang der kommenden Woche abgeschlossen werden. Demnach seien nur noch Details zu klären und der obligatorische Medizincheck zu absolvieren. Der 24-Jährige soll für zwei Millionen Euro Leihgebühr bis Saisonende zum BVB wechseln, darüber hinaus, so die Nachrichtenlage, erhalte die Borussia eine Kaufoption im Bereich von 25 Millionen Euro.

Bestätigen mochte Zorc dies jedoch nicht, Dortmunds Sportdirektor mahnte "Geduld" an. So viel dann aber doch: Es sei bis zum Ende der Transferperiode am 31. August "nicht komplett ausgeschlossen, dass wir noch einen Stürmer verpflichten".

Quelle: n-tv.de

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