Fußball

Hoeneß' Spott, Ancelotti genießt Der FC Bayern dosiert seine neue Gier

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Robben, Lewandowski, Vidal: Garanten der jüngsten Bayern-Siege.

(Foto: picture alliance / Tobias Hase/d)

Der FC Bayern zelebriert gegen den FC Schalke 04 im DFB-Pokal 30 Minuten Spitzenfußball, verwaltet danach hochklassig. Der Gegner ist kein Gegner, weil die Münchener sich wiederentdecken und obendrein gibt’s auch noch Häme.

Für Holger Badstuber endete der ohnehin völlig verkorkste Mittwochabend mit bitterem Spott. Der geliehene Abwehrspieler des FC Schalke 04, der ja eigentlich dem FC Bayern gehört, versuchte bei seiner zweiten Heimkehr binnen 26 Tagen gerade einigermaßen gefasst zu analysieren, was da im Viertelfinale des DFB-Pokals in der Münchener Arena so alles schief gelaufen war - es war freilich eine ganze Menge - , da knuffte ihm, dem Gelb-Rot-Sünder (77. Minute), unvermittelt Bayerns Chef-Alphatier Uli Hoeneß in die Seite. "Mensch, dass du so viel Foul spielst ..."

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"Mensch, dass du so viel Foul spielst ...": Holger Badstuber, zurück in München.

(Foto: imago/ActionPictures)

Ein joviales Grinsen folgte, ein freundlicher Gruß und dann der ganz schnelle Abgang des Bayern-Bosses. Mehr reden wollte er offenbar nicht. Stattdessen einfach nur genießen. Und zwar nicht nur den souveränen 3:0-(3:0)-Erfolg gegen die Schalker, sondern vor allem den Sieg über all die kritischen Besserwisser, die die Saison im Prinzip schon als verlorenes Jahr für den Klub gebrandmarkt hatten. Der FC Bayern, so lässt sich der Mini-Auftritt von Hoeneß neben Badstuber durchaus lesen, ist und bleibt eben "mia san mia". Alles wie immer also und doch irgendwie ganz neu.

Zart gegrüßt hatte dieses nun endgültig aufgetauchte Münchener Selbstverständnis schon etwas länger. Erstmals in der Champions-League vor zwei Wochen, als die Bayern den FC Arsenal im Achtelfinal-Hinspiel mit 5:1 besiegten. Und am Wochenende, als sie den HSV mit 8:0 verdroschen. Starke Ergebnisse waren das, außerhalb des inneren Bayern-Zirkels aber gerne hergeleitet von der Schwäche der Gegner.

Dosierte Dominanz

Nun folgte also der nächste Nachweis der aufgeploppten und sportlich abermals sehr anständig belegten neuen Münchener Gier: die absolute Dominanz gegen Schalke. Gegen das Schalke, das noch bis kurz vor Anpfiff immer stärker geredet wurde, weil es doch vor vier Wochen an gleicher Stelle im Liga-Duell einen verdienten Punkt (1:1) geholt hatte. Gegen das Schalke, das seit sieben Spielen ungeschlagen war. Aber jenes Schalke, das doch nun wirklich nicht so schwach ist, versagte komplett. Nach 139 Sekunden waren die Gäste von den hyperaktiven Bayern so gestresst worden, dass sie den Ball verloren, dass sie Eroberer Franck Ribéry passen und Robert Lewandowski (er erzielte später noch das 3:0) einschießen lassen mussten.

27 Minuten machten die Bayern genauso weiter, zwangen Schalke mit ihrem wüsten Pressing in ein irrwitziges Fehlpassdesaster und deuteten eine mögliche Pokalschlacht im Eiltempo in eine zunächst intensive, später immer regenerativere Trainingseinheit um. Sie taten das vor allem dank des französisch-polnischen Duos und ihres kongenialen spanischen Adjutanten Thiago - er köpfte auf Vorlage von Lewandowski zum 2:0 ein. Und genauso dosiert wie er seine Spieler auf dem Rasen zunächst dominieren und später austrudeln ließ, fasste Trainer Carlo Ancelotti beinahe gelangweilt zusammen: "Das Spiel war gut. Wir haben viel Druck ausgeübt und mit hohem Druck verteidigt. Vorne haben wir sehr gut attackiert, schon am Anfang. Später haben wir das Resultat verwaltet."

Kurze Sätze, kurzer Auftritt. Weder freundlich, noch unhöflich. Business halt. Als wäre nie etwas gewesen. Keine wiederholt schwachen Auftritte seiner Mannschaft wie in der Hinrunde, keine Kritik an ihm und seinem System. Carlo Ancelotti hat das äußerlich so gelassen ausgesessen, wie er jetzt den Erfolg und die Dominanz genießt. Wohlweislich worum es im Klub eigentlich nur geht: Titel.

Die Bayern haben ihn auch deswegen gegen Angriffe von außen beharrlich verteidigt. Immer wieder auf das Abwarten vertröstet, auf die zweite Saisonhälfte gesetzt, vehement, auch wenn sie sich mit ihren Parolen mitunter wohl selbst genervt haben. Die gewaltige Anziehungskraft der Titel, so der vermittelte Glaube in München, sie wird die Mannschaft immer mehr zur erfolggarantierenden Ancelotti-Dynamik treiben. Und ja, so scheint es: Je wichtiger das Spiel, desto stimmiger wird plötzlich die Leistung. Bislang gehen alle Titel-Pläne voll auf. Der Klub dosiert sich und seine Gier. Bis auf einen. Uli Hoeneß.

Quelle: n-tv.de

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