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Dem FC Liverpool gewachsen? Der FC Bayern siegt und nährt die Zweifel

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Niederlage in Leverkusen und bei der Hertha im Pokal alles andere als souverän - die Bayern suchen derzeit ihre alte Sicherheit.

(Foto: REUTERS)

Dominant ja, überzeugend nein. Weil Mats Hummels patzt, muss sich der FC Bayern gegen Berlin quälen, um das Viertelfinale des DFB-Pokals zu erreichen. Das ist zwar geschafft. Aber reicht es für das Team von Trainer Niko Kovac zu mehr?

Niko Kovac durfte mit sich und seiner Mannschaft eigentlich nicht zufrieden sein. "Wir wollen es in der regulären Spielzeit entscheiden", hatte der Trainer des FC Bayern vor dem Achtelfinale im DFB-Pokal bei der Berliner Hertha gesagt. Und hinterher wiederholte er: "Ich hätte mir gewünscht, dass wir das in 90 Minuten schaffen." Doch seine Spieler hatten ihm die Bitte nicht erfüllt. Sie packten, trotz aller Überlegenheit, eine halbe Stunde drauf. Mit 3:2 (1:1, 2:2) nach Verlängerung gewannen die Münchner die Partie letztlich dann doch, weil Kingsley Coman in der 98. Minute höher sprang als drei Berliner um ihn herum und den Ball aus einem Meter mit dem Kopf ins Tor bugsierte.

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Mats Hummels hat schon deutlich bessere Spiele im Bayern-Trikot abgeliefert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nun stehen sie in der Runde der besten acht Teams, die am Sonntag ausgelost wird und Anfang April stattfindet. Zumindest in diesem Wettbewerb haben die Bayern der Konkurrenz aus Dortmund also etwas voraus, der nationale Pokal ist die wohl realistischste Titelchance dieses erfolgsverwöhnten Klubs. Kovac durfte zwar unwidersprochen sagen: "Ich denke, dass wir das Spiel verdient gewonnen haben." Denn das hatten sie. Gleichzeitig aber nährte der ideenlose Auftritt die Zweifel daran, dass es in dieser Saison zu mehr reichen könnte. Auch der Trainer dürfte erkannt haben, dass die Bayern nicht unbedingt siegten, weil sie die bessere Mannschaft waren, sondern schlicht, weil sie die besseren Spieler haben. Viel mehr als ihre individuelle Qualität und knapp zwei Drittel hatten sie neben den drei Toren nicht zu bieten. Vor allem aber hatten sie zwei Gegentore bekommen. Oder wie Kovac es treffend formulierte: "Wir haben wieder zwei Fehler gemacht."

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Flugs stand es 1:1, nachdem Maximilian Mittelstädt in der dritten Minute für die Hertha und Serge Gnabry, der für Thomas Müller in die Startelf gerückt war, in der siebten Minute getroffen hatten. Danach belagerten die Münchner den Strafraum der Gäste, ohne den Ball ins Tor zu schießen. Besonders planvoll und zielgerichtet wirkte das Ganze nicht. Die Außenstürmer Gnabry und Coman zeigten, wie schnell sie sind, James Rodríguez und Thiago Alcántara, wie prima sie mit dem Ball umgehen können, und ihr Mittelfeldkollege Leon Goretzka, dass er wieder zu den Besten seines Teams gehörte. Ihm geschah gleich in der zweiten Minute Unrecht, als ihm Schiedsrichter Markus Schmidt nach einer angeblichen Schwalbe die Gelbe Karte zeigte, anstatt nach dem Foul von Karim Rekik auf Elfmeter für den FC Bayern zu entscheiden.

Mats Hummels verliert den Überblick

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Nach der Pause holten die Bayern erst einmal flugs nach, was sie in der ersten Halbzeit verpasst hatten. Vier Minuten nach dem Wiederanpfiff erzielte Gnabry mit seinem zweiten Tor das 2:1. Und ja, sie hatten es sich verdient. Doch die Hertha zeigte an diesem Mittwochabend Nehmerqualitäten. Der kurz zuvor eingewechselte Davie Selke sorgte in der 67. Minute für das 2:2. Er konnte das tun, weil Münchens Innenverteidiger Mats Hummels ihn nicht auf dem Schirm hatte, als der den Ball zurück zu Sven Ulreich köpfen wollte, der erneut für den am Daumen verletzten Manuel Neuer im Tor stand. Ein Fehler, der passiert, aber eben nicht passieren darf. Hummels schrieb seinen mehr als zwei Millionen Followern auf Twitter, er sei "sehr glücklich und erleichtert, dass wir trotz meines Fehlers weitergekommen sind". Er wusste, dass er die Sache unnötig in die Länge gezogen hatte.

Kovac sagte: "Natürlich schauen sich jetzt alle an, wer hat das Tor verschuldet. Aber das ist nicht so wichtig. Wir müssen jetzt nicht alles über Mats schütten." Er behauptete zwar, seine Mannschaft habe in den 120 Minuten "ordentlich und kompakt" verteidigt, räumte aber auch ein: "Klar, wir haben einfache Fehler gemacht." Und wieder stellte sich die Frage, wie das erst gegen Gegner etwas höherer Güte werden soll, zum Beispiel im Achtelfinale der Königsklasse gegen den FC Liverpool. Nun ja: "Wenn wir dieses Jahr etwas erreichen wollen, im Pokal, in der Bundesliga, auch in der in der Champions League, dann dürfen wir solche einfachen Tore nicht herschenken."

Sind diese Bayern dem FC Liverpool gewachsen? "Ja!"

Und die Berliner? Sie können sich zugute schreiben, dem Favoriten einen großen Kampf geboten, die Partie lange offen gehalten und nur knapp eine Sensation verpasst zu haben. Das ist ein schwacher Trost. Wie in jedem Jahr hatten sie davon geträumt, das Pokalendspiel im eigenen Stadion zu erreichen. Wie in jedem Jahr bleibt dieser Traum unerfüllt. Pal Dardai, der die Berliner seit genau vier Jahren trainiert, brachte es auf den Punkt: "Bayern München mit einem Ballbesitz von unter 30 Prozent zu schlagen ist fast unmöglich." Dabei wissen sie, wie es besser geht.

Was war das für eine vergnügliche Veranstaltung, als der FC Bayern Ende September zum Bundesligaspiel im seinerzeit ebenfalls mit 74.667 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion aufgekreuzt war. Die Herthaner spielten für ihre Verhältnisse groß auf, gewannen verdient mit 2:0 und brachten den Münchnern die erste von inzwischen vier Saisonniederlagen in der Bundesliga bei. Die stürzte sie in eine Zwischenkrise, die ihnen bis heute nachhängt. Nach dem 1:3 in Leverkusen am vergangenen Samstag, bei der die Bayern nach der Pause einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gaben, sind es sieben Punkte Rückstand auf den Tabellenführer aus Dortmund.

Ob er bei all den Unzulänglichkeiten den Eindruck habe, dass seine Mannschaft dem Titelkampf in der Liga und einem Gegner wie dem FC Liverpool gewachsen sei, gegen den es erst am 19. Februar an der Anfield Road und dann am 13. März in München um alles oder nichts geht, wurde Kovac noch gefragt. Da holte der Trainer tief Luft, lächelte und sagte: "Ja!" Dabei dürfte er eigentlich mit seinem FC Bayern nicht zufrieden gewesen sein.

Quelle: n-tv.de

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