Fußball

Lehren des zweiten Spieltags Der FC Bayern zwingt die Liga zur Aufgabe

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In ihrer eigenen Liga: Die Spieler des FC Bayern.

(Foto: imago/ULMER Pressebildagentur)

Nicht nur aus Selbstschutz hisst Stuttgarts Manager die weiße Fahne und fordert Playoffs in der Fußball-Bundesliga. Die Hertha blüht, die Schalker hadern und die Wolfsburger boomen. Das kann Dortmunds Mario Götze nicht von sich behaupten.

1. Die Liga hisst die weiße Flagge

War's das schon? Stuttgarts Manager ist sich sicher, dass der FC Bayern "deutscher Meister wird - und zwar nicht nur dieses Jahr, sondern dieses, nächstes und übernächstes Jahr". Die Münchner hätten schließlich "eine Granaten-Mannschaft". Mag sein, dass Michael Reschke das am Samstagabend auch aus Selbstschutz gesagt hat. Schließlich hatte sein VfB, die zweitbeste Mannschaft der Rückrunde der vergangenen Saison, beim 0:3 an diesem zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga keine Chance. Doch Reschke weiß, was er sagt, war er doch von 2014 bis 2017 für die Kaderplanung der Bayern zuständig. Läge er richtig, würden sich die Münchner in der Saison 2021/2022 anschicken, die zehnte Meisterschaft hintereinander zu gewinnen. Das ist für alle, die es nicht mit dem FC Bayern halten, eine schlechte Nachricht.

Aber Reschke hat eine Lösung parat. Nicht etwa, dass sich die anderen Teams gefälligst gegen die Dominanz wehren sollten, so wie es die Hoffenheimer am ersten Spieltag versucht hatten. Er machte einen Vorschlag, den es schon länger gibt. Der Fußball solle sich doch an anderen Sportarten wie Basketball und Eishockey orientieren und Playoffs einführen. "Vielleicht muss man sich in der Bundesliga damit beschäftigen", sagte er und schlug vor, dass wieder die Monotonie am Ende der Saison die vier besten Mannschaften in der Tabelle den Meister ausspielen. Abgesehen davon, dass dieser Idee eine sportliche Ungerechtigkeit innewohnt, darf allerdings bezweifelt werden, dass bei diesem System der deutsche Fußballmeister am Ende der Saison jemand anderes ist als der FC Bayern, der nun mit sechs Zählern aus zwei Spielen schon wieder die Tabelle anführt.

2. Kovac nutzt die Möglichkeiten

Uli Hoeneß hingegen, der Präsident des FC Bayern, konstatierte nach der Trainingseinheit im Neckarstadion zufrieden: "Das sah nach Fußball aus." In der Tat war das 3:0 der Münchner eine Demonstration, mit der der neue Trainer Niko Kovac bewies, dass er den Laden im Griff hat und nicht davor zurückschreckt, die Möglichkeiten, die sein Luxuskader hergibt, auch zu nutzen. Das ist insofern nicht unwichtig, als dass ihm der Ruf anhaftet, nicht unbedingt erste Wahl als Nachfolger Jupp Heynckes' gewesen zu sein. Kovac tat das in dem Wissen, dass er am Ende auch daran gemessen wird, wie er in der Champions League abschneidet. Und auch wenn sie in München den Gewinn der Königsklasse vor dieser Saison nicht lautstark als Ziel propagiert haben, ist wie stets mehr gefordert, als nur die Vorrundengruppe zu überstehen. Dort geht es gegen Benfica Lissabon, Ajax Amsterdam und AEK Athen.

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"Da würde ich ein bisschen demütiger bleiben": Leon Goretzka.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Also stellte Kovac den deutschen Nationalspieler Mats Hummels in die Startelf und die Innenverteidigung neben den deutschen Nationalspieler Jérôme Boateng - und ließ dafür den deutschen Nationalspieler Niklas Süle auf der Bank. Und er beorderte den deutschen Nationalspieler Leon Goretzka in die Mittelfeldzentrale auf die Achterposition neben den deutschen Nationalspieler Thomas Müller. Goretzka, im Sommer vom FC Schalke 04 gekommen, ersetzte dort den Spanier Javier Martínez und war bei seinem Debüt in der Anfangsformation gleich einer der Besten seiner Mannschaft - mit seinem erstes Tor für die Münchner zum 0:1, der Vorlage zum 0:2 von Robert Lewandowski und vielen Aktionen, die durchaus gefährlich waren. Kovac war mit sich und seiner Mannschaft zufrieden: "Als Spieler denkst du nur für dich. Der Trainer muss an die Mannschaft denken." Für die Spieler ist es schwerer geworden, in dieser Mannschaft einen Platz zu bekommen. Das mit dem Konkurrenzkampf scheint zu funktionieren. Kovac setzt auf das Leistungsprinzip. Über Goretzka sagte er: "Leon hat eine sehr gute Vorbereitung gespielt. Er hat das richtig gut gemacht in den Spielen, in die er reinkam. Deshalb hat er auch von Beginn an spielen dürfen." Kovac sagte aber auch: "Er hatte ja noch einen Kopfball, den er danebengesetzt hat." Bloß nicht abheben, lautet das Motto. Goretzka ist dessen bisher unverdächtig. So wollte der gebürtige Bochumer auch nichts vom nächsten Titeldurchmarsch des FC Bayern wissen: "Da würde ich ein bisschen demütiger bleiben. Es war erst der zweite Spieltag." Aber nach Fußball sah es schon aus.

3. Hertha blüht und Schalke hadert

Dass die Münchner sich dennoch sicher fühlen dürfen, liegt nicht nur an ihrer Stärke, sondern daran, dass die Teams hinter ihnen in ihrem Leistungs(un)vermögen dicht beieinander liegen. Das heißt, sie nehmen sich gegenseitig die Punkte weg. Das ist ein strukturelles Problem, das sich im Laufe der Saison immer klarer herauskristallisieren wird. Im Moment ist es so, dass es hinter den Bayern nur zwei Mannschaften gibt, die beide Spiele gewonnen haben. Der VfL Wolfsburg steht nach den Siegen gegen Schalke und nun in Leverkusen auf Platz zwei. Die Herthaner haben am Sonntag dank zweier Tore Ondrej Dudas, der nebenbei noch Schalkes Neuen, Sebastian Rudy, aus dem Spiel nahm, und eines überragenden Torhüters Rune Jarstein ebenfalls gegen die Schalker gewonnen, auswärts gar, zum ersten Mal seit 14 Jahren. Am ersten Spieltag hatte es ein glückliches 1:0 gegen den Aufsteiger aus Nürnberg gegeben. Damit sind die Berliner als einzige noch ohne Gegentor. Sie bleiben das mindestens bis zum 15. September, wenn es am dritten Spieltag zum, nun ja, Topspiel nach Wolfsburg geht. Bis dahin pausiert die Liga und es finden Länderspiele statt. Die deutsche Nationalmannschaft trifft am Donnerstag (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in München zum Auftakt der neuen Nations League auf Weltmeister Frankreich und am Sonntag dann in Sinsheim im Testspiel auf Peru. Derweil haderte der Gelsenkirchener Trainer Domenico Tedesco: "Wenn wir die Bälle mit Brötchen substituieren, wären die Stürmer verhungert." Und sein Berliner Kollege Pal Dardai lobte sich selbst: "Es war ein riesen taktisches Spiel. Wir haben tausendmal umgestellt, der Gegner auch." Vor allem aber gelte: "Wir haben sechs Punkte und hinten steht die Null."

4. Der Trend spricht für die Wolfsburger

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Was ist nur los mit den Wolfsburgern? Im Mai rettete sich das Team von Bruno Labbadia in der Relegation vor dem Abstieg, nun schlägt es den Tabellenzweiten und den Tabellenfünften der vergangenen Saison und steht, wie erwähnt, auf Platz zwei. Wie gut, dass Jörg Schmadtke seit Sommer der Sportdirektor ist. Der reagierte gewohnt gelassen auf die Glückwünsche nach dem 3:1 in Leverkusen: "Machen wir Klamauk oder reden wir ernsthaft?" Ganz ohne Spaß: Der Trend spricht für den VfL, es war der sechste Sieg hintereinander. Es begann mit dem 4:1 gegen den 1. FC Köln im letzten Ligaspiel der vergangenen Saison, es folgten ein 3:1 und ein 1:0 in der Relegation gegen den Zweitligisten Holstein Kiel. In dieser Spielzeit gewannen die Wolfsburger im DFB-Pokal mit 1:0 beim Regionalligisten SV Elversberg - und eben beide Bundesligaspiele. Mittelfeldspieler Maximilian Arnold aber hält es mit Schmadtke: "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Wir haben doch gerade erst begonnen, sie zu bauen." Und Labbadia erklärt sich den Aufschwung so: "Wir haben aus der Relegation viel Kraft gezogen, außerdem hat die Mannschaft sehr hart und intensiv in der Vorbereitung gearbeitet. Und wir haben uns Erfolgserlebnisse geholt, das Selbstvertrauen ist gestiegen." Vielleicht liegt's auch am Baby-Boom, sechs Profis sind jüngst Väter geworden. "Das kann schon einen Schub geben", sagte Renato Steffen. "Aber ich kann ja jetzt nicht jede Woche ein Kind bekommen. Ich muss probieren, das irgendwie anders zu kompensieren." Besser ist das. Der Hamburger SV, Wolfsburgs Vorgänger als Relegations-Abonnent, startete in der vergangenen Spielzeit ebenfalls mit zwei Siegen. Das Ende ist bekannt.

5. In Leverkusen brennt schon der Baum

Noch schlimmer als die zwei Niederlagen zum Ligastart inklusive eines Torwart-Eigentors ist für Bayer 04 Leverkusen nur der Blick auf den Spielplan. Der beschert Bayer als nächsten Gegner nach der Länderspielpause den FC Bayern. Und wie das so ist, steht angeblich Trainer Heiko Herrlich, der die Mannschaft in der vergangenen Saison stabilisierte und immerhin in die Europaliga führte, bereits zur Disposition. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, der Österreicher Ralph Hasenhüttl, zuletzt in Diensten der Rasenballsportler aus Leipzig, stehe bereit, um den Job zu übernehmen. Derweil hat Torhüter Ramazan Özcan kein Hehl aus seinem Frust gemacht. Nach der Pleite gegen Wolfsburg schimpfte er: "Mir fehlen die Besessenheit, die Gier und die Galligkeit, jeden Zweikampf gewinnen zu wollen. Jeder darf Fehler machen, ich schau beim 1:1 auch nicht gut aus. Aber ich will, dass wir uns den Hintern aufreißen." Hm, "nicht gut" ist gut. Özcan hatte nach einem Schuss des Wolfsburgers Yannick Gerhardt von der Grundlinie den Ball ins eigene Tor bugsiert. Sagen wie es so: Um die Stimmung in Leverkusen scheint es nicht allzu gut bestellt. Und am 15. September geht es dann nach München.

6. Götze bleibt nur noch der Trotz

Erst nimmt ihn der Bundestrainer nicht mit zur WM nach Russland, was vielleicht im Nachhinein gar nicht so schlimm war. Aber auch für die beiden Länderspiele gegen Frankreich und Peru hat Joachim Löw ihn nicht eingeladen. Noch mehr aber dürfte den 26 Jahre alten Mario Götze treffen, dass ihn Dortmunds neuer Trainer, Lucien Favre, in dieser Saison noch keine einzige Minute in der Bundesliga eingesetzt hat. Das sind 15 Minuten weniger als sein sechs Jahre jüngerer Bruder auf dem Konto hat. Felix Götze hat am Samstag beim 1:1 gegen Mönchengladbach sein Debüt für den FC Augsburg in Deutschlands höchster Spielklasse gegeben und seine Sache sehr ordentlich gemacht.

Nun ist die Frage, wie lange Mario Götze beim BVB noch warten muss, bis er wieder spielen darf. "C'est comme ça", so sei es, bügelte Favre die Nachfrage ab, warum er trotz Dortmunder Einfallslosigkeit bei der Nullnummer in Hannover seinen Kreativling wieder 90 Minuten auf der Bank ließ. Der Trainer verzichtete gar darauf, seine Wechselmöglichkeiten auszuschöpfen. Götze reagierte auf seine neue Rolle mit reichlich Symbolik. Seine 8,7 Millionen Follower bei Instagram konnten am Wochenende sehen, dass es für den einstigen Fußball-Liebling der Nation nun nur noch bergauf gehen soll. Zurück in Dortmund sprintete Götze Treppen hoch und verbreitete die Bilder im Netz. Und er gratulierte seinem Bruder.

Quelle: n-tv.de

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