Fußball

Das Ende der Ära Blatter Der König ist mattgesetzt, endlich!

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Schachmatt, Joseph Blatter.

(Foto: AP)

Er galt als unangreifbar, nun hat es ihn aber doch erwischt. Die Ethikkommission der Fifa sperrt Präsident Joseph Blatter für 90 Tage. Der Schweizer muckt zwar noch ein letztes Mal auf. Doch das Spiel ist aus.

Dieser Satz setzt allem die Krone auf: "Er freut sich auf drei Monate Ferien, die er sich auch redlich verdient hat." So kommentiert Blatter-Berater Klaus J. Stöhlker die 90-Tage-Strafe seines Klienten. Was für ein Hohn! Was für eine Frechheit! Auch in seiner größten Krise als Chef des Fußball-Weltverbands lächelt der 79-jährige Blatter weiter alle Probleme einfach weg. Dabei ist der Schweizer selbst zum größten Problem im Weltfußball geworden. Denn kaum eine Person des Sports steht weltweit so stellvertretend für Korruption, Bestechung und Vetternwirtschaft wie Blatter. Und kaum eine andere Person wurde bislang so sehr als "heilige Kuh" behandelt wie der Schweizer. Skandale und Blatter? Falsch verbunden. So lautete stets der Tenor. Das ist vorbei. Die Ethikkommission sperrt den Fifa-Chef. Seine Karriere an der Spitze des Weltverbands ist damit faktisch beendet. Und das ist eine sehr gute Nachricht für alle, die dem Fußball auf ehrliche Weise verbunden sind.

Vieles erreicht, aber mit welchen Mitteln?

17 Jahre hat Blatter die Fifa geführt, davor aber bereits 17 Jahre als Generalsekretär auf der höchsten Verbandsebene mitgewirkt. Er hat eine ganze Menge für den Weltfußball getan - gerade für die kleineren Nationen in Afrika und der Karibik. Das dürfte unbestritten sein. Aber mit welchen Mitteln? Spätestens seit 2002, als elf Mitglieder des Exekutivkomitees, darunter fünf Vizepräsidenten, Anzeige gegen Blatter wegen Veruntreuung erstatteten, ist die Amtszeit des Schweizers von Skandalen und Vorwürfen begleitet. Stets lavierte sich der stolze Funktionär erfolgreich aus allen Schwierigkeiten heraus. Wie auch immer ihm das gelang, es ist sein Geheimnis und wird es vielleicht auch für immer bleiben. Fakt ist: Ploppte ein Skandal auf, schickte Blatter seine Getreuen nach vorne und opferte sie, wenn nötig. Wie ein König beim Schach.

Doch die Armee der Getreuen um Blatter wurde kleiner. Die Skandale hingegen größer. Der Sommer 2015 bildet den Wendepunkt in dem Spiel, indem Blatter nicht matt zu setzen schien. Als Ende Mai sieben hochrangige Funktionäre des Verbandes in Zürich verhaftet werden - wegen des Verdachts der Korruption und der Bildung einer kriminellen Vereinigung - nehmen auch die Angriffe auf den König zu. Doch der lächelt weiter, bietet sogar ein Bündnis mit den Ermittlern an. Will kooperieren und den kriminellen Sumpf mitausheben, den er geschaffen hat. Denn völlig unabhängig davon, ob sich Blatter selbst die Hände schmutzig gemacht hat, hat er zugelassen, dass sich die Fifa zu einer kriminellen Organisation entwickelt hat. Als Kopf hat er das Tun des Verbandes zu verantworten - vor allem wenn auf der Ebene unter ihm kollektiv gegen Gesetze verstoßen wurde. Das dort horrende Summen auf illegale Weise bearbeitet und transferiert wurden, darf einem Chef nicht entgehen. Und es fehlt einfach der Glaube, dass es ihm entgangen seien könnte, denn der Machtmensch Blatter ist alles andere als ein nachlässiger Müßiggänger.

Große Herausforderung, große Chance

Die Karriere von Blatter an der Spitze der Fifa ist beendet. Spätestens am 26. Februar wird ein neuer Präsident gewählt. Dass der Weltverband viereinhalb Monate vor dieser Entscheidung am Boden liegt, ist gewaltige Aufgabe und große Chance zugleich. Die neue Führungskraft - und sie möge nach den Enthüllungen der vergangenen Tage und Wochen bloß nicht Michel Platini heißen - übernimmt einen Verband mit gewachsenen Strukturen. Es gilt sie alle genau zu untersuchen und zu "entblatterisieren". Denn der Fußball braucht einen Weltverband. Einen Weltverband allerdings, der verantwortungsvoll mit der Sache umgeht, die Milliarden Menschen auf der Welt erfreut: dem Fußball!

Quelle: n-tv.de

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