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Symbolbild Hoffnung.
Symbolbild Hoffnung.(Foto: imago/MIS)
Mittwoch, 25. Oktober 2017

Regionalliga statt Bundesliga: Der Niedergang des 1. FC Kaiserslautern

Von Michael Wilkening, Kaiserslautern

Wenn die Lauterer im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart spielen, ist auf dem Betzenberg vom einstigen Glanz nichts mehr zu sehen. Der Klub kämpft um seine Existenz, der Absturz in die Regionalliga droht. Wie konnte das passieren?

Es waren nur noch wenige Minuten zu spielen, als Jeff Strasser die Arme verschränkte und eine ganze Weile regungslos am Spielfeldrand stand. Seine Mannschaft lag gegen den MSV Duisburg mit 0:1 zurück. Möglicherweise bereitete sich der Trainer des 1. FC Kaiserslautern schon gedanklich darauf vor, die Niederlage zu erklären. Im dritten Spiel unter seiner Leitung verloren die Pfälzer in der zweiten Fußball-Bundesliga erstmals, verblieben auf dem letzten Tabellenplatz und machten deutlich, dass sie dort völlig zurecht stehen. Der Wechsel von Norbert Meier hin zu dem Luxemburger ist verpufft - weil nicht der Anleiter der Kicker das Problem des darbenden Traditionsklubs ist, sondern die strukturelle finanzielle Misere.

Der 1. FCK war mal wer

Der 1. FC Kaiserslautern war mal wer, der Betzenberg beim Gegner gefürchtet - die Älteren erinnern sich. "Am besten schicken wir die Punkte gleich mit der Post", sagte Paul Breitner 1982, nachdem der FC Bayern dort mal wieder verloren hatte. Zweimal gewann der Klub den Pokal, viermal die deutsche Meisterschaft - in der Saison 1997/1998 mit Trainer Otto Rehhagel gar als Aufsteiger. Das hat sonst niemand geschafft. Der 1. FCK ist Gründungsmitglied der Bundesliga, spielte dort von 1963 bis 1996 ohne Unterbrechung.

Ganz am Ende der vergangenen Saison hatte Uwe Stöver Alarm geschlagen. Wenige Tage vor dem letzten Saisonspiel, in dem der FCK noch ein Unentschieden benötigte, um dem Abstieg zu entgehen, warb der Sportdirektor der Pfälzer bei einem Fanklub um Unterstützung. Die Anhänger waren unzufrieden ob der schlechten Leistungen in den Wochen zuvor und es bedurfte einigen Geschicks von Stöver, die Stimmung in dem Raum zu drehen. Mit einem Satz, der beinahe beiläufig fiel, machte der FCK-Sportchef die Lage deutlich, die nicht zum Anspruchsdenken im Umfeld der Roten Teufel passt. "Wir haben weniger Geld als der SV Sandhausen zur Verfügung", erklärte Stöver im Mai.

Sandhausen musste als Synonym für Zweitliga-Provinz und auch Tristesse herhalten, so wie früher der SV Meppen und die SpVgg Unterhaching. Sandhausen steht allerdings derzeit auf Platz fünf. Stöver aber zeichnete das Bild, um den Absturz seines Klubs zu erklären. Aktuell zeigen sich wieder die Auswirkungen dieses Umstands: Die Lauterer haben nur eins von elf Ligaspielen gewonnen, stehen auf dem 18. Rang - und es gibt wenig Hoffnung, dass sich daran dauerhaft etwas ändert. Stöver hatte schon vorher kapituliert. Wenige Tage nach dem Klassenerhalt durch ein 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg hatte der Sportchef Kaiserslautern verlassen. Offiziell erklärte er, den Rückhalt im Klub vermisst zu haben. Aber die Schwere, wenn nicht gar die Unmöglichkeit der Aufgabe, eine Mannschaft zusammenzustellen, die wettbewerbsfähig bleibt, war ein weiterer Grund für die Demission.

Das Stadion frisst den Klub auf

Nach einigem Hin und Her - unter anderem war Klub-Legende Hans-Peter Briegel als Nachfolger auserkoren - übernahm der vorherige Chefscout Boris Notzon die Aufgaben von Stöver. Ihm oblag der Auftrag, einen Kader zu schmieden, der den Absturz in die dritte Liga verhindern kann. Nach knapp einem Drittel der Saison sieht es so aus, als ob der gescheitert wäre. Gerade einmal sechs Punkte haben die Lauterer gesammelt und dabei kümmerliche sieben Tore erzielt. Ohne Angreifer Sebastian Andersson, der fünf Mal traf, wären die Pfälzer möglicherweise noch weiter abgeschlagen. Bei der Niederlage gegen Duisburg leistete die Mannschaft von Strasser einen Offenbarungseid ab, gegen den Aufsteiger war sie chancenlos und hätte höher als mit 0:1 verlieren können.

Groß und teuer: Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern.
Groß und teuer: Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern.(Foto: imago/Thomas Frey)

Seit Jahren muss der FCK seine besten Talente verscherbeln, um irgendwie über die Runden zu kommen. Inzwischen ist der Substanzverlust zu groß geworden. Hauptgrund für die finanzielle Misere ist das Stadion in Kaiserslautern, das für die WM 2006 aufwendig modernisiert und vergrößert wurde und seither zur Kostenfalle geworden ist. Immer noch knapp zehn Millionen Euro fallen jährlich für Miete und Betrieb der 48.000 Zuschauer fassenden Arena an, obwohl die Stadt als Eigentümerin dem Klub immer wieder finanzielle Zugeständnisse gemacht hatte. Das ist viel Geld, das im sportlichen Bereich fehlt. Die finanzielle Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist zu groß geworden. Eine Trendwende ist nicht absehbar, denn die Suche der Vereinsführung nach zahlungskräftigen Investoren verlief ergebnislos.

An diesem Mittwoch (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) treffen die Lauterer in der zweiten Runde des DFB-Pokals auf den VfB Stuttgart. Früher hätte ein Flutlichtspiel im Pokal auf dem Betzenberg mächtige Emotionen ausgelöst. Heute hat es an Bedeutung verloren, denn am Samstag muss der FCK zu einem weiteren Kellerduell in der zweiten Liga nach Regensburg. "Das einzig Positive ist, dass Regensburg weiter in Distanz zu uns ist", sagte Strasser nach dem ernüchternden Spiel gegen Duisburg.

Drei Punkte und Plätze liegt der Aufsteiger vor den Pfälzern, eine Niederlage würde die prekäre Situation des FCK zementieren. Vor ein paar Monaten hatte Finanzvorstand Michael Klatt die Alternativen ob der schwierigen Lage plakativ so beschrieben: "Bundesliga oder Regionalliga." Es sieht so aus, als sollte die zweite Variante bald Realität werden.

Auf dem Weg ins Stadion auf dem Betzenberg müssen Mannschaften und Fans an einem Kreisverkehr, dem Elf-Freunde-Kreisel, vorbei, an dem in Lebensgröße die Helden der Vergangenheit in Bronze gegossen sind: Fritz und Otmar Walter, Horst Eckel und viele andere. Anstelle der Anhänger des FC Bayern oder des SV Sandhausen könnten dort in ein paar Monaten die Fans des SV Wehen-Wiesbaden oder - schlimmer noch - die von Eintracht Stadtallendorf vorbeilaufen.

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Quelle: n-tv.de