Fußball

Trapp macht Sieg-Ansage Der fahrlässige Eintracht-Chancenwucher

Eintracht Frankfurt spielt gegen den FC Barcelona stark auf, kommt zu deutlich mehr Torschüssen. Am Ende aber steht ein Remis, der Sieger des Rückspiels im Camp Nou zieht ins Halbfinale der Europa League ein. Wie diese Partie laufen soll, dafür hat Torhüter Kevin Trapp mindestens einen Wunsch.

"Wir werden uns nicht auf ein Elfmeterschießen vorbereiten, weil wir in Barcelona so spielen wollen, dass wir direkt weiterkommen." Kevin Trapp macht eine Ansage. Der Keeper von Eintracht Frankfurt strotzte nach dem Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League gegen den FC Barcelona vor Selbstbewusstsein. Seine Antwort auf die Frage während der Pressekonferenz, ob er sich speziell auf das Rückspiel am kommenden Donnerstag (21 Uhr bei RTL+ sowie im ntv.de-Liveticker) vorbereiten würde, fiel entsprechend aus.

Der 31-jährige Kapitän kann zurecht zuversichtlich sein. Frankfurt hatte gegen Barcelona furios aufgespielt. Auch der Sieg wäre drin gewesen, konstatierte er nicht als einziger. "Es ist ein bisschen verrückt wahrscheinlich", ordnete er diese Anspruchshaltung ein. Aber: "Wir haben wirklich ein herausragendes Spiel gemacht." Der Sieg muss nun zwingend im Rückspiel her. Kommt es hart auf hart, dann eben auch im Elfmeterschießen. Doch Trapp setzt darauf, dass seine Mitspieler es vorher richten werden.

Dafür müssen sie weiter so "mutig und schnell nach vorne spielen", wie Trainer Oliver Glasner es am Donnerstagabend lobte. "Wir haben eine gute Ausgangsposition", machte auch Trapp deutlich. Die Auswärtstorregel ist abgeschafft, das kommt der Eintracht zugute.

Sow lässt fahrlässig liegen

Doch um mehr Tore zu schießen als Barcelona, haperte es bei der Eintracht im Hinspiel an einem: der Chancenverwertung. Von 16 Torschüssen ging nur der von Ansgar Knauff (48.) auch ins Tor von Marc-André ter Stegen. Nicht genug für den Sieg, da Ferran Torres kaum 18 Minuten später den Ausgleich für Barça zum 1:1-Endstand besorgte. Und das, obwohl Barça nur sieben Torschüsse abgab.

Zwar machte der spätere Torschütze nach nur 130 Sekunden den wuchtigen Anfang, doch Trapp wehrte den Schuss des Spaniers aus gut 20 Metern in den linken Winkel mit einer sehenswerten Flugeinlage inklusive Übergreifen mit der rechten Hand ab. Direkt im Anschluss aber kippte das Chancenverhältnis. In der 5. Minute hatte Daichi Kamada von links an der Grundlinie in den Rückraum gepasst, Knauffs Schuss aber wurde zur Ecke abgefälscht. Die noch größere Chance ließ Djibril Sow nur eine Minute später liegen: Jesper Lindström war rechts durchgekommen, legte auf den Elfmeterpunkt vor, Sow aber schoss freistehend knapp am Tor vorbei. So ging es für die Eintracht munter weiter. Mal klärte Gavi zur Ecke, mal fing ter Stegen den Ball ab.

In der 38. Minute bekamen die Frankfurter von Schiedsrichter Jovanovic zunächst einen Elfmeter zugesprochen. Doch Sergio Busquets hatte laut Videoschiedsrichter den Ball berührt, bevor er Rafael Borré traf und foulte. Auch diese Torchance war überhaupt nur zustande gekommen, weil Filip Kostic ter Stegen einmal mehr in Bedrängnis gebracht hatte. Der Barça-Keeper konnte das Tor verhindern, den Ball aber nur noch nach vorn abwehren, wo Borré an ihn kam. Viel Druck aufs Tor des Gegners, aber zu wenig Ertrag.

"Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden"

Entsprechend sagte Barcelona-Coach Xavi auch: "Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden, aber mit dem Spiel können wir nicht zufrieden sein." Denn Barça hatte zwar mehr Ballbesitz, aber wusste damit diesmal nicht allzu viel anzufangen. Der zuletzt so starke Pierre-Emerick Aubameyang hatte anders als etwa Filip Kostic oder Lindström nur einen Torschuss, wurde sonst weitgehend von der Eintracht-Defensive um Martin Hinteregger ausgeschaltet.

Die Gastgeber dagegen kamen ein ums andere Mal vorn durch. Dem 1:0-Führungstor durch Knauff nach einer von Clément Lenglet nicht einwandfrei geklärten Frankfurter Ecke (48.) wäre beinahe das 2:0 gefolgt. Doch auch hier die Baustelle: die Chancenverwertung. Nach einem flachen Ball in Richtung Elfmeterpunkt von Kostic, der sich links an die Grundlinie durchgespielt hatte, zog Lindström mit dem linken Innenrist direkt ab, schoss aber wenige Zentimeter über den linken Winkel hinweg (50.).

Xavi lobte die Frankfurter für ihre "sehr guten" Konter. Auch sein Kollege Glasner war zufrieden, wie sich sein Team immer wieder gefährlich aus dem Ballbesitzspiel Barças befreien konnte. "Wenn sie weite Wege haben, 50 Meter Sprints, die tun jedem weh." Nach vorn laufe man die 50 Meter gern, nach hinten aber nicht.

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Xavi betonte, wer die Eintracht unterschätze, offenbare "einen Mangel an Respekt". Der Klub stehe nicht umsonst im Viertelfinale der Europa League. Er meldete aber wie Trapp Ansprüche auf den Sieg im Rückspiel an. "Wir brauchen die Fans", im Camp Nou werde sein Team ein ganz anderes Spiel spielen. Es wird auf genauso viel Ballbesitz ausgerichtet sein. Doch mit mehr Durchschlagskraft der Offensive.

Genau dieses erwartet Trapp jedoch auch von seinen Teamkollegen. Denn Elfmeterschießen, das will er gar nicht erleben. Vorher gewinnen, so lautet die Devise. Dann stünde am Ende der Einzug ins Halbfinale. Dort ginge es gegen West Ham United oder Olympique Lyon, die sich im Hinspiel ebenfalls 1:1 trennten. "Wichtig ist, immer demütig zu bleiben", so Glasner. "Wir hatten sie heute am Rand einer Niederlage. Wir sind unglaublich zufrieden." Das heißt allerdings nicht, dass seine Profis nicht Hunger nach mehr haben.

Quelle: ntv.de

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