Fußball

Last-Minute-Zugänge zünden nicht Die Bank-Misere des FC Bayern München

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Douglas Costa ist einer der Neuzugänge aus dem Oktober, der noch gar nicht überzeugen konnte.

(Foto: Ulrich Hufnagel / Hufnagel PR / POOL)

"Ich bin keiner, der neue Spieler haben will", sagt Bayern Münchens Trainer Hansi Flick. Das zu sagen, ehrt den Erfolgstrainer und nimmt öffentlichen Druck vom Sportchef. Doch es hakt bedenklich in der zweiten Reihe, daran ändern auch die Last-Minute-Zugänge des Herbstes nichts.

Hasan Salihamidzic war sauer. Mit seiner Forderung nach "mindestens zwei Neuen" hatte ihn Trainer Hansi Flick brüskiert - und seine Kompetenzen aus Sicht des Sportchefs klar überschritten. Und so reagierte Salihamidzic im Januar 2020 mit einem öffentlichen Rüffel für den Coach von Bayern München. Kein Wunder also, dass sich Flick fast genau ein Jahr später in Transferfragen deutlich zurückhaltender äußert. Dabei ist seine Lage durchaus vergleichbar mit damals.

"Ich bin keiner, der neue Spieler haben will", sagte Flick zuletzt, dabei könnte er dringend Verstärkung gebrauchen, um die defensiven Dauerprobleme zu lösen und die Belastung bei der Triple-Hatz besser zu steuern. Denn die fünf Last-Minute-Zugänge, die ihm Salihamidzic im Oktober spendiert hatte, zünden nicht. In Gladbach (2:3) wechselte Flick ein einziges Mal. Das, betonte er, habe aber "nichts mit der Qualität auf der Bank" zu tun gehabt.

Dabei ist längst offensichtlich, dass es in der zweiten Reihe hakt. "Der Kader ist top bis zur Nummer 15, dann ist eine kleine Lücke, die geschlossen werden muss", sagte Lothar Matthäus unlängst bei Sky und urteilte: "Die Neuzugänge sind noch nicht so weit."

"Selbstverständlich machen wir nichts"

Tatsächlich kommen sogar 18 Bayern-Profis auf mindestens 13 von bislang 19 Pflichtspielen, standen also in zwei Drittel der Partien auf dem Platz. In Douglas Costa gehört diesem Kreis aber nur ein einziger Last-Minute-Zugang an. Dennoch ist der Brasilianer die vielleicht größte Enttäuschung aus dem Quintett. In Gladbach schoss der Flügelstürmer kein einziges Mal aufs Tor und bereitete keinen Torschuss vor. Nur einen seiner 16 Einsätze bestritt er über die volle Distanz, ein Tor und drei Vorlagen stehen zu Buche. "Er ist auf einem guten Weg", behauptete Flick.

Grundsätzlich habe jeder der Zugänge "Luft nach oben", sagte Flick nach dem Jahresauftakt gegen Mainz (5:2), aber: Das gelte "nicht nur für die neuen Spieler". Deren Einstellung sei "top", die Startprobleme "ganz normal". Denn seine Spielphilosophie sei anspruchsvoll und erfordere viel Training - das es aufgrund des engen Kalenders nicht gibt. Und dann habe "jeder seine eigene Geschichte".

Marc Roca (fünf Spiele, zweimal 90 Minuten, kein Tor, keine Vorlage), mit zehn Millionen Euro teuerster Oktober-Transfer, hatte zuletzt muskuläre Probleme. Bouna Sarr (8/5/0/3) war vor der kurzen Winterpause verletzt. Eric Maxim Choupo-Moting (10/2/3/1) erfüllt seine Rolle als Back-up für Weltfußballer Robert Lewandowski recht zufriedenstellend. Tiago Dantas ist erst seit Januar spielberechtigt bei den Profis und deshalb nicht zu bewerten.

Eine nächste Bewährungschance dürften die Bankspieler im Pokal bei Zweitligist Holstein Kiel am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD und im Liveticker auf ntv.de) bekommen. Erneut nachbessern werden die Bayern nicht. "Selbstverständlich machen wir nichts", sagte Salihamidzic in Gladbach: "Wir sind sehr gut besetzt, haben viele Optionen."

Quelle: ntv.de, dbe/sid