Fußball

Borussia Dortmund unter Schock "Die Bilder kriegst du nicht aus dem Kopf"

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Über Twitter hielt der BVB auch die Fans im Stadion auf dem Laufenden.

(Foto: dpa)

Der AS Monaco ist in Dortmund. Die Fans haben allen Grund, mit einer fulminanten Champions-League-Gala zu rechnen. Ein Anschlag auf den BVB-Bus ändert alles, das Spiel wird verschoben. Aber lässt sich das Fußballfest nachholen?

Kurz nach 20 Uhr nahm Norbert Dickel das Mikro in die Hand, mit dem er sonst mit sich überschlagender Stimme die Aufstellung und die Tore im Stadion von Borussia Dortmund verkündet. Doch diesmal, gut 45 Minuten vor dem geplanten Anpfiff des Champions-League-Duells zwischen BVB und dem AS Monaco, war seine Stimme gesetzt bis belegt. Der ehemalige Stürmer musste die Zuschauer im Stadion über einen schwerwiegenden Vorfall aufklären. Schockstarre statt Vorfreude auf eine Fußballgala.

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"Achtet auf die Anzeigetafel, wir halten euch auf dem Laufenden", mahnte Dickel und verkündete, was bereits kurz zuvor aus Sozialen Netzwerken bis die sich langsam füllende BVB-Arena durchgesickert war: Es habe eine Explosion gegeben, betroffen sei auch der Dortmunder Mannschaftsbus. Der Vorfall habe sich auf der Wittbräucker Straße im Bereich Dortmund-Höchsten ereignet, knapp zehn Kilometer vom Stadion entfernt.

Dass BVB-Manndecker Marc Bartra dabei verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert worden sei, waren zu diesem Zeitpunkt noch unbestätigte Medienberichte. Wenig später wurden sie traurige Gewissheit. "Wir sind mit starken Kräften vor Ort", teilte die Polizei von Nordrhein-Westfalen weitere, beunruhigende Details mit.

Vorfreude weicht Beklemmung

Um 20.30 Uhr wurde dann offiziell bestätigt, was längst alle ahnten: Das Spiel in Dortmund war unter diesen Umständen nicht mehr durchführbar. Die Partie wurde abgesagt, als neuer Spieltermin der Mittwochabend, 18.45 Uhr festgelegt worden, teilte der BVB mit.

Längst hatte sich auf den Rängen bei den Zuschauern eine beklemmende Stimmung breit gemacht. Die Menschen diskutierten, schlugen geschockt die Hände vors Gesicht. Nichts war mehr zu spüren von der Vorfreude auf einen Abend, der als Gala des schönen Fußballs geplant war.

Ein Video, das Borussia Dortmund vor dem Spiel online gestellt hatte, sollte Lust auf einen großen Abend machen: "Welcome to the Capital of Football, AS Monaco", hieß es da noch - die Worte unterlegt mit fetten Beats und bewegten Bildern von Toren und Emotionen, wie es sie beim BVB in der laufenden Champions-League-Saison bereits zuhauf gegeben hat.

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Schließlich haben die Dortmunder in der Vorrunde gerade einen neuen Torrekord aufgestellt und auch beim Achtelfinal-Rückspiel gegen Benfica Lissabon im eigenen Stadion vier Mal getroffen. Da auch der Gegner aus Südfrankreich beim 3:5 und 3:1 gegen Manchester City gezaubert hatte, erwarteten die Fans an diesem Abend ein mitreißendes Spektakel.

"Wir sind alle geschockt"

Doch nun ist die Ausgangslage eine ganz andere. Die Dortmunder müssen sich um den Gesundheitszustand von Marc Bartra sorgen, ihren Schock verdauen, sich sammeln, um dann einen Tag später das zu tun, was heute unmöglich erscheint: Fußball spielen. Alles andere als ein leichtes Unterfangen unter solch dramatischen Begleiterscheinungen. Noch bevor das eigene Spiel gegen Juventus Turin angepfiffen wurde, twitterte der FC Barcelona und garantierte seinem ehemaligen Spieler Marc Bartra seine "ganze Unterstützung". Das Gleiche gelte auch "für den BVB und seine Fans".

Als das Spiel um 20.45 Uhr eigentlich den Anpfiff unter Flutlicht erleben sollte, traten die Dortmunder Bosse Hans-Joachim Watzke und Präsident Reinhard Rauball ans Mikrofon. "Wir sind alle geschockt, am meisten jedoch die Mannschaft", sagte Watzke. Er berichtete, Trainer Thomas Tuchel sei besonders in Mitleidenschaft gezogen, weil ein Sprengsatz "direkt an seiner Seite" hochgegangen sei.

Watzke blieb nicht nur dem dramatischen Moment verhaftet, sondern lenkte den Blick bereits auf den folgenden Tag, wenn die Profis wieder dem Ball nachjagen sollen - eine große Herausforderung. "Solche Bilder kriegst du so schnell nicht aus dem Kopf", betonte Watzke. "Ich hoffe, dass die Spieler das einigermaßen wegstecken können." Ihm waren die Zweifel anzusehen, dass das klappen kann.

Rauball gab sich dagegen zuversichtlich, dass die Spieler bis morgen wieder in Topform sein werden: "Das sind Profis, da bin ich der Auffassung, dass sie das wegstecken können." Eine Hoffnung, von der auch Geschäftsführer Watzke getragen wird: "Borussia Dortmund ist ein Verein, bei dem immer dann, wenn die Situation besonders schwierig ist, die Mannschaft besonders stark reagiert."

Die Anhänger des AS Monaco reagierten auf die Absage mit "Dortmund, Dortmund"-Sprechchören, um ihre Solidarität auszudrücken. Die BVB-Fans auf der Südtribüne begrüßten die Geste mit warmem Applaus.

Borussen-Anhängerin Lisa aus Münster wollte das Spiel wie immer im Block 14 auf der Südtribüne verfolgen. Sie zeigte sich überrascht davon, wie souverän und friedlich die Situation von den Fans gehandhabt worden sei. "Ich werde auf alle Fälle morgen wieder nach Dortmund ins Stadion fahren, um die Jungs zu unterstützen", kündigte sie an: "Jetzt erst recht."

Quelle: n-tv.de

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