Fußball

Kleine Abrechnung mit FC Bayern? Die brisanten Sätze des David Alaba

David Alaba und der FC Bayern, das war bislang eine glückliche und sehr erfolgreiche Beziehung. Doch nun, nachdem die Münchner das zähe Pokerspiel mit dem Abwehrchef krachend beendet haben, scheint ein Abschied des Österreichers wahrscheinlicher als ein Verbleib.

Die letzte Tür an der Säbener Straße hat sich David Alaba nicht zugeschlagen. Er sei ein Spieler, erklärte Alaba am Montagmittag, der "sehr gerne für den FC Bayern spiele". Er fühle sich sehr wohl in München und sei happy, "Teil dieser Mannschaft zu sein". Wäre da nicht der Sonntagabend gewesen, der Auftritt von Klub-Präsident Herbert Hainer im "Blickpunkt Sport" des Bayrischen Rundfunks, dann wären Fan- und Medienecho nun ein gänzlich anderes. Dann wäre ein happy'ger David Alaba als wichtiges Indiz gewertet worden, dass endlich eine Einigung in diesem nervtötenden Vertragspoker in Sicht sei. Nun hatte Hainer aber Überraschendes zu verkünden, nämlich dass der Klub sein Angebot zurückgezogen habe.

Es war eine Ansage, die die Rollen in dem Spiel klar verteilte. Alaba und seine Berater, das sind endgültig die Gierigen. Der FC Bayern, der die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie natürlich ebenfalls zu spüren bekommt, das ist die Seite der Vernunft. Von einem nimmersatten Spieler, einem der Besten im Kader, einem Eigengewächs auch noch, lässt sich der Klub nicht erpressen. So ist die Lesart. Die Folgen: David Alaba ist überall der Gelackte, Applaus gibt es für den Rekordmeister. ntv-Fußball-Experte Philipp Köster wertet die harte Konsequenz der Münchner aus dem Verstreichen der Frist, Alaba sollte sich bis Samstag entscheiden, als "cleveren Schachzug". Tatsächlich liegt der Druck nun beim Österreicher.

David Alaba, das ist ein herausragender Fußballer. David Alaba, das war ein herausragender Verteidiger auf der linken Seite, ehe er zunächst aus Verlegenheit (verletzte Stammkräfte sind das Stichwort) ins Zentrum rückte, um dort zu einem der weltbesten Abwehrchefs aufzusteigen. Es ist ein Werdegang, der nahezu identisch ist mit dem seines Trainers. So wurde Hansi Flick vor ziemlich genau einem Jahr erst Mini-Interim für den ausgelaugten Niko Kovac. Aus dem Mini- wurde erst ein Midi- und Maxi-Interim, ehe er Chef wurde und seine Mannschaft zum zweiten Triple der Klubgeschichte führte. Es ist nicht nur eine erstaunliche Parallele, es ist vor allem eine, die sich gegenseitig unbedingt förderte.

Die perfekte Symbiose zwischen Flick und Alaba

Je erdrückender das bayrische Pressing wurde (Flicks Verdienst), umso unüberwindbarer wurde die Abwehr der Münchner (Alabas Verdienst). An seiner Seite (rechts davon) erlebte Jérôme Boateng eine sportliche Aufwertung, die so niemand mehr erwartet hatte, und Alphonso Davies wurde (links) neben Alaba zum größten Phänomen im europäischen Fußball. Flick adelte den Österreicher als "Herzstück" seines Teams. Es verstrich kaum eine Gelegenheit, die nicht zur Schmeichelei genutzt wurde. Am Ende der vergangenen Saison standen für die Bayern und den Österreicher die gemeinsam gewonnenen Titel 21, 22 und 23 (zwei weitere sind in dieser Saison bereits hinzugekommen). Nun droht diese emotionale Beziehung, die 2008 begann, unterbrochen nur durch eine einjährige Leihe zur TSG Hoffenheim, tatsächlich zu zerbrechen.

Denn Alaba macht nun kein Geheimnis mehr daraus, dass er vom FC Bayern sehr enttäuscht ist. "Ich hätte es sehr gerne gehabt, dass Internes intern bleibt. Wie meine Person in der Öffentlichkeit dargestellt wird in den letzten Monaten, entspricht nicht der Wahrheit", erklärte er nun in der Pressekonferenz vor dem Spiel bei RB Salzburg in der Champions League am Dienstag (ab 21 Uhr im Liveticker bei ntv.de). Er wehrte sich auch gegen den Vorwurf, absurde Gehaltsforderungen gestellt zu haben - wobei das Thema "absurdes Gehalt" bei Fußballern ja eines für sich ist, nicht erst seit Corona. Von bis zu 20 Millionen Euro Jahresgehalt war die Rede. Sei's drum. Alaba verteidigte sich vehement: "Ich kann jedem einzelnen Fan versichern, dass die Summen, die in den Raum gestellt werden, nicht der Wahrheit entsprechen." Er sei "enttäuscht und verletzt darüber, dass das von offizieller Seite nicht dementiert wurde. Die Zahlen, die in den Medien genannt werden, habe ich nie gefordert."

"Habe es aus den Nachrichten erfahren"

Es sind Sätze, die einen (endgültigen?) Bruch zwischen Spieler und Rekordmeister offenlegen. Sollte diese Pressekonferenz auch dazu genutzt werden - Alaba war bereits vor der Ansage von Hainer für die Medienrunde vorgesehen - um die Situation zu entschärfen, dann darf dieses Vorhaben als gescheitert erachtet werden. Denn der 28-Jährige ließ auch einen Satz fallen, der nicht unbedingt das kommunikativ vorbildlichste Verhalten des Klubs offenbart. Der Österreicher erklärte, er habe von dem zurückgezogenen Angebot "gestern aus den Nachrichten erfahren. Das war eine besondere Situation", sagte Alaba. Der 28-Jährige kritisierte außerdem die knappe Frist, die ihm der Verein gesetzt hatte: "Ich habe direkt nach den Gesprächen gesagt, dass ich in sieben Tagen mir nicht diese Gedanken machen kann, um eine Entscheidung zu treffen. Wir hatten drei Spiele in sieben Tagen."

Nun deuten fast alle Experten die Zeichen auf Abschied, auch wenn Alaba betonte: "Wie es weitergeht, wird sich zeigen." An Optionen soll es nicht mangeln, beinahe alle tatsächlichen und gefühlten Top-Klubs sollen Interesse haben, Bedarf ist bei fast allen auch vorhanden.

Nun muss es aber nicht so kommen. Denn der FC Bayern hat in diesem Jahr bereits eine eskalierte und wilde Vertragsschlacht gewonnen, die ebenfalls mit erstaunlichen Vorwürfen flankiert worden war. Der FC Bayern hatte Kapitän Manuel Neuer Ende Mai bis 2023 an sich gebunden. Die Verlängerung des Vertrags von Thomas Müller lief dagegen im Frühjahr völlig geräuschlos ab. Beide sollen, so heißt es, neben Robert Lewandowski zu den Topverdienern in München gehören. Angesichts der Leistungen gibt es wohl kaum Gründe, diese Hierarchie im Gefüge infrage zu stellen. Dass sich nun Alaba ebenfalls in diesen sehr elitären Zirkel hinaufverhandeln will (oder wollte), das ist durch seine Leistung gedeckt. Ist es auch müßig darüber zu spekulieren, welcher dieser Fußballer den größten Anteil an der Erfolgsserie der Münchner hat, in der Summe gäb's wohl ein mehrheitsfähiges Remis aller Beteiligten.

Dass der FC Bayern ihm den Zugang in den Kreis der Spitzenverdiener verwehrt, empfindet Alaba offenbar als sehr unangemessene Wertschätzung. Und tatsächlich lässt sich das Zeichen des Klubs (ungeachtet der Absurdität der Gehaltssummen) auch so interpretieren. Denn auch die neuen Arbeitspapiere von Müller und Neuer wurden ja bereits unter gewaltigem Einfluss der Pandemie ausgehandelt.

Dass allerdings tatsächlich noch nicht alle Türen an der Säbener Straße für Alaba verschlossen werden, das hat der 28-Jährige mutmaßlich seinem Trainer, dessen Wort sehr gewichtig ist (Transferwünsche ist das Stichwort), zu verdanken. Wie schon im "Fall Neuer" stellte sich Flick an die Seite seines Spielers und bekannte in aller Deutlichkeit und Schärfe: "Ganz ehrlich: Ich bin alles andere als glücklich, dass wir uns mit diesem Thema in einer Woche mit zwei schweren Spielen befassen müssen. Ich wäre sehr froh, wenn David Alaba dem FC Bayern erhalten bleibt. Er ist ein Top-Spieler und ein Top-Mensch. Er ist für die Mannschaft auf und neben dem Platz wichtig. Er ist sehr beliebt bei der Mannschaft und verkörpert wichtige Werte." So etwas nennt man dann wohl einen fairen Druckausgleich.

Quelle: ntv.de