Fußball

Gegen die miese Bayern-Laune Die pfiffige Idee mit Thomas Müller

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Der FC Bayern um Trainer Flick kann auf Thomas Müller zählen - auf dem Platz und daneben auch.

(Foto: dpa)

Der FC Bayern hat ein Megaspiel vor der Brust. Bei Paris St. Germain geht es um den Verbleib in der Champions League. Die Hypothek ist gewaltig, die Nebengeräusche waren es auch. Um ein bisschen den Druck zu mildern, hat der Klub eine gute (geplante?) Idee.

Der FC Bayern hatte mal wieder einen ziemlich guten Einfall. Vor dem Rückspiel gegen Paris St. Germain schickte der Klub Thomas Müller in die Spur. Und man weiß, der Thomas Müller, der kann die Welt ein wenig besser machen. Zumindest die Welt des FC Bayern. Und die ist in diesen Tagen ja zornig grau. Der Ausfall von Robert Lewandowski vermiest die Laune (und die Quote vor dem Tor), allerdings nicht ganz so derbe wie der absurd unkontrollierbare Machtkampf-Zoff zwischen Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Auch wenn zu dem ja alles gesagt scheint (was natürlich totaler Quatsch ist).

Richtig gut ist die Stimmung auch nicht, weil in der Champions League das Aus droht. Das Hinspiel ging trotz Top-Leistung und maximaler Überlegenheit auf absurde Weise gegen brutal effiziente Franzosen mit 2:3 verloren. Das Aus wäre für den Titelverteidiger, und das sind die Münchner nun mal, ziemlich blöd. Noch ein bisschen mehr blöd wäre das, weil auch im DFB-Pokal schon vorzeitig Schluss war. In der 2. Runde (!) gegen Zweitligist Holstein Kiel (!). Zwei Titelklatschen. Aua, das wäre schmerzahft. Nun also schickte der FC Bayern einen äußerst elegant gekleidete Müller in die Spur, womöglich auch um ein wenig den Druck vom Wut- und Wuchtkessel zu nehmen. Und sollte Trainer Hansi Flick für das zweite Viertelfinalduell in der Champions League eine ähnliche gute Idee haben, dann dürfte es äußerst eng werden für Paris St. Germain.

Es geht mal nicht um "Hasan, Hansi und Hiob"

Denn Müller gelang genau das, was der FC Bayern jetzt braucht. Gute Laune. Und er schaffte noch mehr. Er schaffte, dass man an diesem Montag mal nicht über "Hasan, Hansi und Hiob" sprach, sondern über ihn, den Psychologen, den Evolutionstheoretiker, den Spaß-Thomas (I) und den Spaß-Thomas (II). Er referierte über die Folgen eines frühen Münchner Tores in Paris und arbeitete sich dabei fix durch die Geschichte des Homo sapiens, mit der Conclusio, dass "etwas zu verlieren, für einen Menschen ganz schlimm ist." Stichwort Evolution (er nutzte das Wort auch) halt.

Es ging um Schlüsselmomente, die seine Mannschaft für sich gewinnen wolle. "Aber das ist sehr abstrakt. Da kann die Erfahrung helfen." Stichwort Psychologie. "Ich bin aktuell noch sehr überzeugt, nicht idiotisch überzeugt und überheblich, dass das alles ganz locker-flockig von der Hand geht und wir das nur abarbeiten müssen. Nein, das wird ein ganz, ganz enges Ding." 2:0, 3:1, 4:3, 5:4: Schon der Blick auf mögliche Ergebnisse für ein Weiterkommen offenbart jedoch, welches Kunststück die Bayern im Parc des Prices vollbringen müssen.

Und einmal in bester Müllerthomas-Laune hob er auch zu einem kleinen Taktik-Referat an, was man gegen den sensationellen Neymar und den noch sensationelleren Kylian Mbappé besser zu unterlassen hat. Und was nicht. "Wir werden trotz unserer offensiv denkenden Philosophie nicht fünf Stürmer aufstellen. Wir werden ganz normal ins Spiel gehen. Es geht um Risikoabwägung in den einzelnen Situationen. Wir werden nicht von Beginn an mit der Brechstange agieren." Allerdings: "Mit unserer Spielweise wird automatisch Raum entstehen. Die Restverteidigung wird eine wichtige Aufgabe sein. Bei Paris bleiben Neymar und Mbappé meist vorne, sie verteidigen nicht mit zurück, bleiben aber für eine Konterchance in einer gefährlichen Situation. Du wirst sie nie ganz vom Spiel abmelden können."

"Jetzt habe ich mich selbst erwischt"

Ein Mann, der sich um das Abmelden der beiden Superstars kümmern könnte, ist Jérôme Boateng. Der spielt seit zehn Jahren für den FC Bayern, hat Spezialaufträge wie diesen schon sehr häufig sehr vernünftig ausgeführt. Nun könnte der gegen Paris sein letzter sein. Auch wenn er aktuell noch ein wenig angeschlagen ist. Denn im Sommer ist Schluss. Gegen den Willen des Trainers. Auch der Spieler wäre wohl gerne noch geblieben.

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Und das hätte auch Thomas Müller gefreut, aber psssst! Obwohl, eigentlich auch egal. Denn: "Ich habe mit dem Jérôme sehr viel erlebt. Es ist völlig falsch, wenn sich Spieler zu Vertragsgeschichten äußern - dann würde es ja zugehen, wie es zugeht. Jetzt habe ich mich selbst erwischt." Tja, isso. Müller lacht es laut weg. Noch Fragen? Diese Idee war wirklich pfiffig. Und um abzusichern, dass auch wirklich über diesen Auftritt gesprochen wird, fällt er einem Reporter bei dessen zu interpretatorischer Frage ins Wort: HALT, STOPP! Nein, er wünsche sich Arjen Robben (Instagram-Post) nicht zurück beim FC Bayern (vielleicht doch ein kleines bisschen?). War ein Spaß. Ebenso der Zwischenruf. Gute Laune beim FC Bayern.

Aber Moment, da war ja auch noch Hansi Flick. Der betrat wenige Minuten später das Podest im Pressestüberl. Bilanz seines Auftritts: keine Zwischenfälle. Wichtigste Erkenntnisse: Leon Goretzka kann vermutlich gegen PSG spielen, das gilt auch für die ebenfalls zuletzt lädierten Kingsley Coman und Neu-Nationalspieler Jamal Musiala. Lewandowski dagegen kann auf keinen Fall mitwirken. Denkwürdig war das nicht. Gut für den FC Bayern.

Quelle: ntv.de

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