Fußball

Hoppes Explosion aus dem Nichts Die unerwarteten Raúl-Momente auf Schalke

19572289f477a0714bd41ca8523decfe.jpg

So jubelt also Matthew Hoppe.

(Foto: Ulrich Hufnagel / Hufnagel PR / POOL)

Die Großtaten des Matthew Hoppe dringen zügig auch in seine amerikanische Heimat. ESPN und Co. feiern in ihren Soccer-Sparten den Dreierpack des 19-jährigen Kaliforniers in der Bundesliga. Hoppes Aufstieg ist eine Cinderella-Story, wie sie die Amerikaner so sehr lieben.

Was viele Menschen nicht wissen: Matthew Hoppe war nicht zum ersten Mal der Matchwinner beim FC Schalke 04. Bereits im August 2019 ernannte ihn der "Reviersport" zum Mann des Spiels. Mit einem sehr manierlichen Schuss in den rechten Winkel stellte der junge Stürmer damals im Spiel der U19-Bundesliga auf 2:0 gegen Arminia Bielefeld. Nach gespielten 90 Minuten war es tatsächlich sein Tor, das den Unterschied machte. Denn die Ostwestfalen waren nach einem Treffer durch Kapitän Bjarne Pudel noch einmal auf 1:2 herangekommen. Mehr aber nicht. Und, was durchaus bemerkenswert ist, viel mehr kam dann auch von Hoppe nicht. Ein Doppelpack beim 3:0 im Nachwuchspokal-Achtelfinale gegen den FC Ingolstadt wäre da noch zu erwähnen. Aber Matchwinner, nein, so wurde er nicht ernannt.

Bis zum frühen Samstagnachmittag war der Amerikaner ein eher unerkanntes Licht im Schalker Schacht. In 41 Spielen für die U19 (20 Spiele), die U23 (16 Spiele) und die Profis (fünf Spiele) hatte er es gerade einmal auf sechs Tore gebracht. Doch dann kam Hoffenheim und das große Finale in dem 359 Tage andauernden Horrorfilm der "Königlichen". Tasmanisch schlecht, oder minimal besser, darum ging's. Und was sich dann 90 Minuten in der leeren Arena abspielte, das hätte sich der größte Drehbuch-Kreativling nicht ausdenken können: Schalke gewinnt (das war unvorstellbar) mit 4:0 (das war völlig absurd) gegen die TSG Hoffenheim (nun, die war tatsächlich nicht gut drauf). Und drei dieser vier Tore erzielte Hoppe! Mit einem Gefühl im Fuß, das dem windelweich geprügelten Ensemble Raúl'eske Momente bescherte.

Nun ist Hoppe, das ist dringend wichtig zu erwähnen (um den Spieler zu schützen), von Raúl (noch) noch weiter entfernt als die Schalker vom Klassenerhalt. Sowohl von der sportlichen Qualität, als auch von Souveränität am Mikrofon. "Ich habe", sagte der 19-Jährige, "keine Worte dafür. Das erste Tor war das einfachste, denke ich, es war einfach eine Instinkthandlung." Und was für eine, mit einem Lupfer traf er zum 1:0. Was folgte, war ein lässiger Schlenker um Hoffenheims Torwart Oliver Baumann zum 2:0 und noch ein Lupfer zum 3:0. Was wäre in der Arena nur passiert, wenn Fans möglich gewesen wären? Vermutlich die größte Eruption in der jüngeren Vereinsgeschichte. So aber verlagerte sich die staunende Wucht auf Twitter. Und dort stellte ein euphorisierter Schalker empört fest: Der Vertrag von Hoppe läuft Ende der Saison aus. Entsprechender Candystorm an Sportvorstand Jochen Schneider: #VERLÄNGERN!

Eine amerikanische Heldengeschichte

Schneider, der in den vergangenen Tagen und Wochen sehr wenig Liebe und Zuneigung erfahren hatte, dürfte derweil erfreut erkannt haben, dass es für die Problemposition Sturm nun zumindest eine Lösung mit Potenzial gibt. Freilich entbehrt ihn das nicht von der Aufgabe, seinem Wunschtrainer Christian Gross noch eine gestandene Option für die vorderste Linie zu besorgen. Denn das Hoppe nun jede Woche so eskaliert, das wäre doch ein zu wagemutiges Unterfangen. Ganz besonders im sportlichen Existenzkampf. Die Heldentaten des Stürmers drangen ziemlich zügig auch in seine Heimat vor. ESPN und Co. feierten indes die drei Tore des Kaliforniers groß ab. Sein Aufstieg ist eine Heldengeschichte, wie sie die Amerikaner so sehr lieben. Coach Gross bemühte sich derweil um das höchste Maß an Gelassenheit bei der Bewertung von Hoppes großer Show. "Er wird sich immer in seiner Karriere an diesen Tag erinnern."

Diese Karriere, so blass sie auf Schalke bisher war, ist tatsächlich bereits von jeder Menge Tore flankiert. Für die Barça Residency Academy schoss er in der Saison 2018/19 beeindruckende 29 Tore in 20 Partien. Zuvor hatte er bereits für die U17 satte 24 Treffer in 30 Spiele absolviert. Auf der Homepage der Academy wurde Hoppe damals mit den Worten verabschiedet, dass er sich in den zwei Jahren zu einem der besten Stürmer des Landes entwickelt habe. Maßgeblich am Transfer nach Gelsenkirchen soll übrigens Norbert Elgert beteiligt gewesen sein. Der mutmaßlich bekannteste und erfolgreichste Jugendcoach Deutschlands. Schon Manuel Neuer, Mesut Özil, Leroy Sané, Julian Draxler und Benedikt Höwedes (viele andere mehr natürlich auch) wurden vom 63-Jährigen geschliffen.

Von diesem Schliff wird Hoppe nun vorerst nicht mehr profitieren. Denn er wird bei den Profis bleiben. Und dort ist er nicht nur wegen seiner Tor-Explosion gerne gesehen. Heimkehrer Sead Kolasinac, an den nahezu alle Hoffnungen auf den Klassenerhalt gebunden sind, bekannte nach dem Spiel in seiner Rolle als Aushilfskapitän und Chef-Malocher: "Matthew ist ein sehr ruhiger, sehr lieber Junge, aber auf dem Platz gibt er Gas. Man hat gesehen, wie er sich in jeden Zweikampf reingeschmissen hat. Genau das brauchen wir." Isso.

Quelle: ntv.de