Fußball

Bundesligist wirbt "beharrlich" Die vielleicht letzte Chance für Draxler

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Wie und wo geht's weiter für Julian Draxler?

(Foto: Witters/Witters/Pool/Witters)

Arg viele Chancen für seinen endgültigen Durchbruch wird Julian Draxler vermutlich nicht mehr bekommen. Hochbegabt, aber selten konstant auf Top-Niveau, dieser Makel heftet ihm an. Nun könnte ein Rückkehr in die Bundesliga anstehen, den Bundestrainer dürfte das freuen.

Julian Draxler hätte ein Tor erzielen müssen. Und drei erzielen können. So oft stand er so gut - gegen die Schweiz in der Nations League. Aber Julian Draxler hat kein Tor gemacht. Und sein Team, das deutsche, nicht gewonnen. Wieder einmal nicht. Zum sechsten Mal trat die Nationalmannschaft in diesem neuen Wettbewerb an, zum sechsten Mal herrschte am Ende Frust. "Was wirklich ärgerlich ist", grämt sich der Bundestrainer, "dass wir uns mit den guten Chancen, nicht belohnt haben, nicht das zweite Tor machen." Eine Kritik ohne direkten Adressaten zwar, aber eben auch eine, die sich Draxler gefallen lassen muss.

Draxler, dieser Spieler, an dem sich Bewunderung (für seine Fähigkeiten) und Enttäuschung (über seine Leistungen) in einem vogelwilden Schlagabtausch abarbeiten, er reduzierte an diesem Abend in Basel (1:1) das gesamte deutsche Spiel auf seine Nummer sieben. Hochbegabt, mit herausragenden Bewegungen und Momenten war er in der ersten halben Stunde ballsicher, kreativ, mutig und präsent (auch gegen Spanien hatte er solche Momente), tauchte dann aber spontan und völlig unter (wie auch gegen Spanien, da aber vor allem in der ersten Halbzeit). Irgendwie nun mutlos verlor er seinen fußballerischen Faden und fand ihn nur kurz zur Beginn der zweiten Halbzeit wieder - er war die perfekte Schablone für den Rest des Teams.

26 Jahre ist Draxler mittlerweile alt. Doch das Versprechen, das er damals als junger Schalker war, das hat er bis heute nicht eingelöst, obwohl ihn sein Weg von den Königsblauen über den VfL Wolfsburg zu Paris St. Germain geführt hat. An die Seite von Superstars wie Neymar, wie Kylian Mbappé und Ángel Di María, ins Finale der Champions League. Aber die große Bühne, auf der sein Klub einen festen Platz im Ensemble der Spitzenklubs dauerhaft für sich buchen will, sie ist nicht (mehr) die Bühne von Draxler. Der offensive Mittelfeldspieler taugt in der Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel nur noch zum Nebendarsteller. Eine Rolle, die anprangert wird. Von Löw.

"... wenn er Woche für Woche im Einsatz ist"

Der Bundestrainer ist nach wie vor ein großer Lobbyarbeiter des Rechtfuß', dessen Fans die feine Technik und die Spielintelligenz beschwärmen, dessen Kritiker an den bisweilen hart übertriebenen und oft wenig effizienten Übersteigern verzweifeln. Seit er beim Confed-Cup 2017 in Russland als Kapitän der DFB-Elf ein überragendes Turnier spielte, ist Draxler ein wichtiger Mann in den Plänen des Bundestrainers. Doch nun, drei Jahre später, sieht auch Löw seinen Schützling, mit er 2014 bereits Weltmeister geworden war, vor einer ganz entscheidenden Karriere-Phase. Die Rolle des Ersatzmanns bei PSG wird nicht reichen, um sich endgültig und hartnäckig in der internationalen Klasse und als Stammkraft für Deutschland zu etablieren.

"Es wäre wichtig, nun einen Schritt zu machen, wo er regelmäßig spielt", hatte Löw nach einem "längeren Gespräch" mit dem 26-Jährigen vor dem Duell gegen die Schweiz gesagt. "Für Julian wäre es gut, wenn er Woche für Woche im Einsatz ist." In der letzten Saison brachte es Draxler - auch wegen einer Fußverletzung und einer Viruserkrankung - auf nur 22 Pflichtspiele (kein Tor), lediglich zwölf bestritt er von Beginn an. Nun öffnet sich für ihn, der sich selbst nicht mehr nur als Offensivspieler sieht, tatsächlich die Chance für einen Neustart. Einem Bericht der Sport-Zeitung "Le10sport" zufolge soll Bayer Leverkusen "mit großer Beharrlichkeit" um ihn werben. Für Paris wäre es die vorletzte Chance noch Geld für den 26-Jährigen zu bekommen, dessen Vertrag läuft nämlich im kommenden Sommer aus.

In Leverkusen allerdings müsste er etwas schaffen, was eigentlich unmöglich ist: Kai Havertz ersetzen. Das Supertalent, das gerade erst für bis zu 100 Millionen Euro an den FC Chelsea verkauft wurde. Es ist für Draxler die womöglich beste, schwierigste Chance, zu zeigen, dass er nicht nur ein Versprechen ist. Schalke verließ er übrigens einst auch, weil die messiashaften Erwartungen an ihn zu groß waren.

Quelle: ntv.de