Fußball

BVB blamiert sich in Salzburg Ein Leichtgewicht bringt Stöger ins Wanken

Die Nullnummer in Österreich dokumentiert eindrucksvoll, wie weit sich Borussia Dortmund von der internationalen Spitze entfernt hat. Nun dürfte die Frage, ob der Verein im Sommer einen neuen Trainer benötigt, dringender werden.

Besonders beliebt ist der erfolgreichste ortsansässige Fußballklub bei den Menschen in Salzburg und darüber hinaus in ganz Österreich nicht gerade. Als der mit vielen Millionen eines Getränke-Multis gepushte Verein im vergangenen Sommer zum zehnten Mal in Folge die Qualifikation für die Champions League verpasst hatte, kannte die Schadenfreude in der Alpenrepublik keine Grenzen. Ein User bei Twitter tickerte voller Spott, nun solle doch bitteschön "keiner mehr behaupten, die hätten keine Tradition".

Und dieser Emporkömmling soll dem ruhmreichen Ballspielverein 09 Dortmund, 1966 erster deutscher Gewinner eines Europapokals und 1997 Sieger der Champions League, ernsthaft ein Bein stellen? Das hört sich ziemlich schräg an, aber genauso ist es gekommen. Der BVB scheiterte beim FC Salzburg, wie sich der Verein im europäischen Wettbewerb nennen muss, weil die Uefa die Nennung von Sponsoren im Namen untersagt, beim schmachvollen 0:0 bekam die Borussia in der Geburtsstadt von Wolfgang Amadeus Mozart einmal mehr aufgezeigt, wie weit er sich von der europäischen Spitze entfernt hat.

Borussia Dortmund ist nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel im Achtelfinale der Europaliga ausgeschieden. Die Mannschaft wurde auf europäischer Bühne gewogen und für zu leicht befunden. Das Gastspiel in Salzburg reihte sich nahtlos ein in den Reigen unwürdiger Auftritte auf internationalem Parkett. Fünf Niederlagen, vier Remis - darunter zwei gegen das europäische Leichtgewicht aus Nikosia - bei nur einem Sieg, so lautet die desaströse Bilanz nach zehn Auftritten. "Bild" ordnete die Pleite gewohnt drastisch als eine der größten Peinlichkeiten der BVB-Geschichte ein: "Jetzt hat auch Dortmund sein Córdoba!" Warum der Verein angesichts der schlimmen Eindrücke in der Champions-League-Vorrunde den Gewinn der Europaliga als Ziel ausgab, gehört zu den vielen Ungereimtheiten, die der Klub hinterlässt.

Stöger nimmt sich Götze vor

"Salzburg ist aufgrund der beiden Spiele absolut verdient weitergekommen", sagte Trainer Peter Stöger, der gar nicht erst versuchte, den in allen Belangen unwürdigen Auftritt schön zu reden. "Wer so behäbig spielt, braucht sich auch nicht zu wundern, wenn er keine Chancen hat." Und weiter: "Wer denkt, auf der Wiese geht auch Hacke, Spitze, dann kannst du nicht gewinnen."

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"Bei Mario war ich überhaupt nicht mit dem einverstanden, was ich gesehen habe."

(Foto: dpa)

Vor allem die erste Hälfte, in der die Dortmunder nicht einen Torschuss abgaben, war ein Offenbarungseid. Spielerische Unzulänglichkeit gepaart mit kompletter Lethargie und dem mangelnden Willen, sich gegen das drohende Schicksal aufzulehnen. "In der ersten Halbzeit machen wir nichts von dem, was wir uns vorgenommen haben", bemängelte der Österreicher.

Stöger reagierte auf den unterirdischen Auftritt, indem er in der Halbzeitpause seine beiden größten Stars aussortierte. Während Marco Reus geschont wurde, weil er muskuläre Probleme hatte, nahm sich der Trainer Mario Götze schonungslos zur Brust: "Bei Mario war ich überhaupt nicht mit dem einverstanden, was ich gesehen habe." Tatsächlich ist das einst größte Talent des Landes, der Mann, der Deutschland 2014 in Brasilien zum Weltmeister schoss, nur noch eine Karikatur des Spielers, der eigentlich dazu auserkoren schien, eine Weltkarriere zu starten.

Vom Leuchtturm zum Streichholz

Doch das ruhmlose Ausscheiden an einem Spieler festzumachen, wäre ungerecht. Bis auf den starken Torhüter Roman Bürki machte kein Spieler den Eindruck, als wolle er gegen die Blamage ankämpfen. Dabei wähnen sich die Dortmunder in einer Liga mit Real Madrid, dem FC Barcelona und Manchester City. Die kicken eine Etage höher in der Königsklasse, während die Borussia längst nach unten weitergereicht wurde und sich nun sogar als unfähig erwies, dem Meister aus Österreich Paroli zu bieten. Dabei hat Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in den vergangenen Jahren immer wieder die Vision befeuert, das börsennotierte Fußballunternehmen aus dem Ruhrgebiet solle neben Branchenführer Bayern München in Deutschland zum "zweiten Leuchtturm" aufgebaut werden.

Davon sind die Dortmunder derzeit so weit entfernt wie der Hamburger SV von der Champions League. Der Ist-Zustand zeigt, dass der BVB derzeit nicht mehr ist als ein ganz kleines Licht. Das Scheitern von Salzburg wird auch das Trainerthema wieder auf die Agenda bringen. Der Vertrag von Peter Stöger ist bis zum Saisonende befristet, viele Argumente für eine Weiterbeschäftigung konnte der 51-Jährige auf europäischem Parkett nicht sammeln. Er weiß genau, "dass es Woche für Woche die Fragen gibt: Bleibt er? Soll er überhaupt bleiben? Das interessiert die Leute, da wird es im Internet oder zu Hause am Küchentisch ständig Abstimmungen geben." Kapitän Marcel Schmelzer sieht indes in den acht Wochen bis zum Saisonende vor allem die Mannschaft in der Pflicht: "Es gibt jetzt keine Ausreden mehr, dass wir alle drei Tage spielen müssen. Aber wenn wir von der Mentalität und vom Einsatz nicht an die 100 Prozent gehen, wird es auch in der Bundesliga schwer."

Quelle: n-tv.de

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