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Leipzig und Dortmund kämpfen um jeden Grashalm - alles auch auf Kosten der Präzision.
Leipzig und Dortmund kämpfen um jeden Grashalm - alles auch auf Kosten der Präzision.(Foto: imago/Xinhua)
Sonntag, 04. März 2018

"Krise" trifft "Beamtenfußball": Ein Spiel wie ein wildes Tier

Von Ullrich Kroemer, Leipzig

Im Bundesliga-Topspiel zeigen RB Leipzig und Borussia Dortmund nur in Ansätzen Champions-League-Niveau. Viel Tempo, hoher Laufaufwand, aber auch eine hohe Fehlerquote führen zu einem wilden und rasanten Spiel.

Zwar hatten Ralph Hasenhüttl und Peter Stöger beim 1:1 (1:1) im Spitzenspiel der Bundesliga zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund jeweils zwei Punkte verloren, nicht aber ihren österreichischen Schmäh. "Für Beamtenfußball wart ihr ganz schön flott unterwegs", frotzelte RB-Trainer Hasenhüttl. Und Dortmunds Coach konterte: "Für Krise ihr aber auch."

Dass die Fußballlehrer, die in ihrer aktiven Zeit gemeinsam bei Austria Wien spielten, den Dialog auf der Pressekonferenz noch einmal zum Besten gaben, ist ein Indiz dafür, dass beide taumelnden Teams mit der Punkteteilung ganz gut leben konnten. Irgendwie. Zwar nutzt den Dortmundern der auswärts errungene Punkt mehr, da der Ruhrpottklub so in den Champions-League-Rängen bleibt und RB auf drei Punkte Distanz auf Rang sechs hält. Doch auch die Leipziger konnten sich nach drei verlorenen Spielen in Serie - zuletzt gegen Tabellen-Schlusslicht 1. FC Köln - an dem Remis aufrichten. Nach vielen Einzelgesprächen unter der Woche bewertet Hasenhüttl das Unentschieden als "Schritt nach vorn".

Gleichwohl war beiden Teams in der zweiten Hälfte anzumerken, dass es in diesem Match vor allem darum ging, bloß nicht zu verlieren. Trotz des teils wilden und temporeichen Spiels mit zahlreichen Umschaltmöglichkeiten und aussichtsreichen Situationen für beide Teams hatte RB in den zweiten 45 Minuten keine echte Torchance mehr. Der BVB vergab seine einzige gute Torgelegenheit in Hälfte zwei durch Torjäger Michy Batshuayi, der wenige Meter vor dem Tor eine Hereingabe des bis zur Grundlinie durchgedribbelten Mahmoud Dahoud nicht kontrollieren konnte (63.).

Laufleistung auf Top-Niveau

Watschen unter Freunden: Stöger und Hasenhüttl schätzen und mögen sich.
Watschen unter Freunden: Stöger und Hasenhüttl schätzen und mögen sich.(Foto: imago/Jan Huebner)

Nachdem er unter der Woche für das ungewohnt unattraktive Spiel des BVB ("Beamtenfußball") kritisiert worden war, verstieg sich Stöger dazu, ein "außergewöhnlich gutes Spiel in der ersten Halbzeit, in der zweiten Hälfte ein gutes Spiel" gesehen zu haben. Zwar ging es in der Tat rasant rauf und runter und beide Teams liefen mit 118,3 (RBL) beziehungsweise 117,9 Kilometer (BVB) ungewöhnlich viel. Doch es waren eben auch teils haarsträubende Fehlpässe, Stockfehler und Ballverluste darunter, die immer wieder Räume ermöglichten.

Ein Spiel, das sich immer wieder aufbäumte wie ein wildes Tier: zupackend, aufbrausend, schnell, aber eben auch unkontrolliert, ungestüm, wenig durchdacht. Fast ein Viertel aller Pässe von RB landete in den Füßen des Gegners, beim BVB waren es gut 20 Prozent. "Wir haben gegen den Ball sehr gierig agiert, haben aber in den Umschaltsituationen die Ruhe vermissen lassen", räumte RB-Kapitän Willi Orban ein. Und Hasenhüttl erklärte die "Stockfehler und Hektik am Ball" auch mit der aktuellen psychischen Belastungssituation: "Es geht um sehr, sehr viel. Wenn man weiß, man hat viel zu verlieren, wenn man jetzt noch ein Tor kassiert, dann spürt man auch eine gewisse Nervosität.

Die Leichtigkeit, die in den Situationen da ist, die war nicht zu spüren. Deshalb haben wir auch ein paar Mal viel zu überhastet abgeschlossen." Der eingewechselte Bruma etwa versuchte den engagierten, aber glücklosen Timo Werner mit einem zu hoch angesetztem Lupfer zu bedienen, anstatt selbst abzuschließen (85.). So war es wie schon in der ersten Hälfte gegen Köln die Zielstrebigkeit vor dem Tor und im Strafraum, die RB abging. "Gefühlt hatten wir in der zweiten Hälfte mehr Kraft im Tank, deswegen hätten wir gegen Ende der zweiten Hälfte mehr auf das zweite Tor gehen können", gab Orban zu. "So hatten wir eigentlich gar keine richtige gute Chance mehr in der zweiten Hälfte."

Fehler auf beiden Seiten

Reus macht Bock auf die WM: Der Nationalspieler erzielte gegen Leipzig sein drittes Tor in der Rückrunde.
Reus macht Bock auf die WM: Der Nationalspieler erzielte gegen Leipzig sein drittes Tor in der Rückrunde.(Foto: imago/Matthias Koch)

Da passte es ganz gut zu diesem Spiel, dass die Tore aus Fehlern entstanden. Die Führung für RB resultierte aus einem Einwurf des BVB, den Naby Keita eroberte und Jean-Kevin Augustin steil schickte, der hervorragend abschloss (29.). Es war bereits der dritte Treffer des Franzosen in den vergangenen drei Spielen, was ihm nach der Flaute im Spätherbst und Winter ein Extralob von Hasenhüttl einbrachte: "Er wird als Gesamtpaket immer wertvoller für uns. Er ist gegen den Ball immer besser in unser Spiel einzubinden und hat gelernt, mit unseren taktischen Vorgaben gut umzugehen."

Der Ausgleich durch Marco Reus (38.) fiel auf der anderen Seite nach einem feinen Pass des starken und neu ins Team gerückte Dahoud, den die Leipziger jedoch nie und nimmer so unbedrängt durchs Zentrum spielen lassen dürfen. Weder Naby Keita, noch Kevin Kampl attackierten den BVB-Sechser in dem Moment. "Wir hatten erst keinen Zugriff und haben in der letzten Linie den Pass nicht gut genug antizipiert, das hätte man etwas früher lesen können", so Orban selbstkritisch.

Zudem stand Reus wohl auch wenige Zentimeter im Abseits, was weder der Videoschiedsrichter, noch Referee Felix Brych oder seine Assistenten sahen. Zuvor hatte Assistent Borsch bereits zweimal grimmig dreinblickend, aber völlig richtig mit der Fahne gewedelt, weshalb vermeintliche BVB-Tore wegen Abseitsposition zurückgepfiffen wurden.

Hasenhüttl schießt gegen VAR

Ein drittes Mal wagten Brych und Co. nicht zu pfeifen. Den Unparteiischen mochte Hasenhüttl auch gar keine Vorwürfe machen, kritisierte aber erneut den Videobeweis, da der fünfte Mann im Kölner Keller anders als die TV-Zuschauer keine Abseitslinie einbeziehen kann. "Der Videobeweis, so wie er angeboten wird, entspricht nicht dem, was man im Fernsehen erkennen kann. Dass das noch nicht ausgereift ist, sehen wir Woche für Woche. So drehen sich die Diskussionen im Kreis", kritisierte Hasenhüttl.

Dass RB nun als Sechster in die verbleibenden neun Spiele um die Champions-League-Qualifikation geht, bewerten sowohl der Österreicher als auch die Spieler im Unterschied zu dem Spiel ganz cool und ohne Hektik. Spielführer Orban sagte: "Wir wurden eine Zeit lang gejagt, jetzt sind wir wieder die Jäger. Vielleicht liegt uns das wieder ein bisschen mehr."

Quelle: n-tv.de